Musikrat im Klüngelfieber – Aus Überzeugung alt (Teil II)

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Im Gespräch mit der Pressesprecherin [Pressereferentin] des Deutschen Musikrates (Susanne Fließ) äußert der Präsident dieses Unternehmens:

Es [das alte Musikforum] war sehr niveauvoll, aber wer liest heute eine Zeitschrift, bestehend aus einer Ansammlung kluger Artikel, wirklich von vorne bis hinten durch?

Ich weiß, der Umkehrschluss liegt nahe, ist aber rein logisch nicht gestattet. Dennoch offenbart diese Aussage ein bedauerliches Absinken des Niveaus des Betrachters.

Dank schuldet Krüger auch seinem Ausführer Michow gerne: Allein was Jens Michow im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit mit dem völlig neu geschaffenen Organ „DMR intern” und dem umgestalteten “Musikforum” auf die Bein gestellt hat, ist enorm. Vor allem enorm uneigennützig. Man kann die Zeitschrift in der Tat von hinten nach vorne durchlesen und ist erstaunt, was für ein langweiliges Produkt dabei herausgekommen ist, welches eigentlich mindestens den Namen “DMR noch interner” verdient hätte.

Apropos Insolvenz des Deutschen Musikrates. Noch am 21.8.2003 versicherte Jens Michow, nach Stellungnahme gefragt per Mail: Die bisherigen Rückantworten zeigen deutlich, dass der in Abstimmung mit dem Finanzamt erarbeitete Satzungsänderungsantrag des Präsidiums von den Mitgliedern angenommen wurde, sodass nunmerh kurzfristig die Anmeldung der neuen Satzung des DMR e.V. beim Vereinsregister der Stadt Bonn erfolgen kann. Danach steht der endgültigen Beendigung des Insolvenzverfahrens spätestens zum 1. Oktober 2003 nicht mehr im Wege.

Die Zeit vergeht, nichts steht. Und das ist schon wirklich enorm!
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Musikrat im Klüngelfieber – Aus Überzeugung alt (Teil I)

Einen lässt der Eindruck nicht los, dass der neue Musikrat so weiter macht, wo der alte unter Thomas Rietschel gerade begann aufzuräumen; also davor. Das deutsche Musikleben scheint verfilzt und zugenäht. Nach DMR intern nun das MusikFORUM, welches wie das alte im Schott Musikverlag in Mainz erscheint. Und man dankt großsportlich dem finanziellen Engagement dieses renommierten Verlages, der sich in der Vergangenheit wenig für den Deutschen Musikrat, gerade auch in der kritischen Zeit vor einem Jahr, interessiert hat.

Wirtschaftlich sei es ohne diesen Verlag nicht möglich gewesen. Dafür wird es aber auch das beste und einzige Blatt im deutschen Musikleben sein, gefördert aus den Anzeigen eines Verlages Und so stellt man sich die Frage „Ist Popmusik Hochkultur?” – Da schau einer mal an, die sind dort auf der Spitze der Fragestellungen der Gegenwart. Dass der deutsche Musikrat da Defizite hat ist ausnahmsweise mal kein positives Eingeständnis sondern ein Negatives – und offenbart eine Denkungsweise aus den 70er Jahren – nur leider nicht so produktiv.

Das neue Blatt schmeckt dumpf. Im Rezensionsteil werden dann vier CDs rezensiert, jeweils aus der Musikratsreihe, verlegt bei WERGO, einem Schott-Abkömmling. Da reimt sich was zusammen.

Nicht weniger klüngelig dann ein Beitrag zum Urheberrecht, verfasst von Dr. Johannes Ulbricht, der Anwalt ist in der Hamburger Musik- und Medienkanzlei Michow Rechtsanwälte.

Michow, wiederum ist ja nicht weniger oder mehr als Leiter der Redaktion dieses Blattes, Präsidiumsmitglied der Deutschen Musikrates und Wortführer in diesem sprachlosen neuen Präsidium aus Udo Dahmen, Christian Höppner und noch wem.

Der neue Präsident des Deutschen Musikrates Martin Maria Krüger wird interviewt von Susanne Fließ (der Pressesprecherin des Deutschen Musikrates und gleichzeitig Redaktionsmitglied des MusikFORUMs).

Das alles garantiert selbstverständlich eine umfassende und kritische Berichterstattung. Wie könnte es anders sein. Dank sollte als der Redaktionsleiter Jens Michow sich selber schulden, denn es scheint sich alles um ihn herum zu drehen (siehe dazu auch den Abspann, den ich aus einem älteren Artikel der Kritischen Masse übernehmen konnte.)

Alter Abspann, nur kurz verändert
Produziert wird das “MusikFORUM” übrigens von BWM, Bohlwerbung.Multimedia, die unter anderem auch für den IDKV – Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (Präsident u. Geschäftsführer: Jens Michow, Lenhartzstr. 15, 20249 Hamburg), für Michow Rechtsanwälte (Vertretungsberechtigt: RA Jens Michow, Lenhartzstraße 15, 20249 Hamburg) und für Michow Concerts + Management GmbH (vertretungsberechtigt: Elisabeth Michow, Lenhartzstr. 15, D-20249 Hamburg) tätig sind.
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Regensburg nach Mülheim 1.11.2003

Erste Reiseverbindung:
Regensburg-Frankfurt 1.11.2003 IC 1026 Passau-Mainz

Abfahrt 10:33 pünktlich – allerdings schien es nicht möglich zuvor eine Platzreservierung über das Reisebüro zu bekommen. Der Zug war dennoch fast leer. Gut gegangen. Dann vor Aschaffenburg (Heigenbrücken) abrupte Bremsung. Durchsage kam nach nur wenigen Minuten: Gleisschaden, ein Teilstück der Strecke sei nur eingleisig befahrbar. Wartezeit zunächst 5 Minuten, dann Durchsage zwei: mindestens 15 Minuten. Da ich in Frankfurt aber gut 52 Minuten Aufenthalt habe, macht mir das noch nichts aus. Der Schaffner gab duch, man könne sich ein kostenloses Kaltgetränk aus dem Bistro holen. Das habe ich noch nie gemacht und werde es auch nicht einführen, geldwerter Ersatz ist mir lieber.

Nun haben wir bald aber doch die 40 Minuten Zeitverlust hineingefahren – besser gesagt: gestanden – und ich werde ungeduldig. In Aschaffenburg dann die Durchsage: 58 Minuten Verspätung und ein zusätzlicher Halt in Hanau. In der ganzen Zeit kam kein einziger Schaffner jemals am Platz vorbei. Verspätungsdurchsage vor Frankfurt

Durchsage neu nach Halt in Hanau: Bis Frankfurt Flughafen weiterfahren, wenn man in Richtung Duisburg unterwegs sei. Das bringt wieder etwas Hoffnung.

Zweite Reiseverbindung:
Frankfurt/M. Flughafen-Duisburg ICE 526 (Frankfurt-Dortmund – Superschnellzug)

Pech gehabt, im Prinzip nur um 6 Minuten, dann hätte ich den Anschlusszug ja noch bekommen. Angeblich sollte man aussteigen, um dann 15:09 weiterzukommen. Nix: Dieser Zug fällt aus! Cancelled. Prima Sache mit der Bahn. Und auskunftsfreudig waren die Leute am Bahnhof auch wieder einmal.

Jetzt also im Zug nach Duisburg. 15:45 (ICE 526), eine Stunde später. Wie zu erwarten wurde dieser Zug dann auch herrlich voll und es tut mir dann wirklich in der Seele weh, wenn Familien mit kleinen Kindern unterwegs sind. Aber immerhin, er fährt.

Schaffner war da, aber Erstattung wurde verweigert, weil die nur in dem Zug ausgestellt wird, der sich verspätet, darf man also schriftlich einreichen und somit wird man das nicht machen. Das nennt man also Kulanz? Eigentlich sollte man als Supersparpreisfahrer also froh sein, dass man nicht auch noch Aufschlag bezahlt. Beim nächsten Durchgang des Schaffners wollte ich dann wenigstens die verlorene Sitzplatzreservierung geltend machen. Des bräuchte ich nicht, weil ich das ja am Schalter erledigen könne. Ich bat den Schaffner dann doch freundlich, dass er mir wenigstens diese Fahrt hier dokumentiere – und das machte er dann auch, wenn auch meines Erachtens etwas widerwillig. Aber der kennt ja auch nicht meine Erfahrungen mit dem Zugfahren. Früher bin ich mehr gefahren, ich vermeide es so gut ich kann und ziehe Regionalzüge bei kurzen Strecken den schnellenn Zügen vor.

(Das mag vielleicht ja wie ein notorisches Nörgeln meinerseits klingen. Aber es ist meines Erachtens einigermaßen ungerecht, wenn man acht Tage vor Antritt einer Reise eben diese bucht, mit allem Risiko – also eventuell 15 Euro Rücktrittskosten – andererseits der Bahn selbst kaum eine Kundenfreundlichkeit an den Tag legt. Man muss zum Service-Point, zum Schalter oder sonst wo hin. Das kostet Zeit und Nerven und dann wird man fast noch als Schmarotzer dargestellt, der Geiz geil findet. Nein, im Prinzip müsste auch die Bahn dann Konventionalstrafe stellen, oder eben diese 15 Euro auf der Stelle erstatten oder so oder so. Das Risiko ist ungleich verteilt. Früher waren Züge auch schon mal zu spät, aber irgendwie gehörte das zum Reisen dazu und es war auch nicht alles in so einem Formalkram aufgegangen. Das war eben ein Staatsbetrieb. Jetzt, privatisiert, denkt man noch in diesen Strukturen gegenüber den Bahnkunden weiter, obwohl man eigentlich zu anderem verpflichtet sein müsste. Bemerkung Ende.)

Rückfahrt am 3.11.2003
Mülheim-Regensburg

Mülheim-Duisburg – bin ich in den ersten ankommenden Zug eingestiegen, gegen 12:50.

Duisburg-Frankfurt Flughafen Fernbahnhof

(ICE 519 Dortmund-München) Abfahrt 13:11 – Zug wurde zunächst mit fünf dann mit zehn Minuten Verspätung angekündigt. Dann bei Einfahrt die Mitteilung, dass die Wagen mit den Nummern 31 bis 38 in umgekehrter Reihenfolge einfahren. Bei Wagen-Reservierung 32 ist das zumindest eine kleine Umkehrung. Da habe ich schon Schlimmeres erlebt bei zusammengekoppelten Zügen, dass sowohl die Züge und/oder die Wagenfolgen verdreht wurden. Bei den ganz langen Zügen kann dies einen Umweg von 300 Metern bedeuten.

Frankfurt-Nürnberg
(IC 2229 – Wiesbaden-Nürnberg)

Das machte sich beim Umsteigen in Frankfurt dann bemerkbar. Es kam weder eine Durchsage und man musste in geschwindem Schritte dann laufen, um den richtigen Wagen zu finden. Dessen Tür war selbstredend blockiert, also funktionsuntüchtig. Aber immerhin, “ich bin drin”.

Ansonsten verhält sich die Fahrt normal. Aber eigentlich müsste der Zug in Würzburg 16:36 loslegen – wartet aber auf einen ICE (Hamburg-München).
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Ein Kommentar

Kalenderblatt: November

Aus dem monatlichen Kalenderblatt der Kultur-Kritik November: weiter: Wosn das Bügeleisen - Kabelsalat.

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Deutsche Phonoverbände fordern Einschränkung von Privatkopien

Gerd Gebhardt als Vorsitzender einstimmig wiedergewählt – Mitgliederversammlung tagte in Berlin und beschloss Anpassung der Gold- und Platinwerte an internationale Standards

Noch immer leiden die Phonoschaffenden unter der Entstehung von Privatkopien. Angeblich soll es 259 Millionen mit Musik aufgespielte CD-Rohlinge geben. Woher diese Zahl kommt, das verschweigt die Meldung, ebenso umgeht sie die Frage, ob diese Kopien zugestandenes Recht sind oder „böse“ Kopien.

Die Entwicklung ist folgerichtig: Man fragt nicht mehr nach einer geltenden Rechtmäßigkeit sondern versucht das Recht zu verändern. Privatkopien gehören abgeschafft oder wenigstens lizenziert.

„Die deutsche Musikwirtschaft fordert deutliche rechtliche Einschränkungen des massenhaften Musikkopierens”, erklärte Gerd Gebhardt, einstimmig wiedergewählter Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, im Rahmen der heutigen Mitgliederversammlung. “259 Millionen mit Musik kopierte CD-Rohlinge in Deutschland im letzten Jahr sind existenzbedrohend für unsere Mitgliedsfirmen. Das können auch erfolgversprechende Ansätze wie der boomende Absatz von Musik-DVDs, die hoch attraktive Pocket Disc im kleinen Format (3 Inch) und der Musikvertrieb im Internet nicht wettmachen.”

Die erste Lösung ist auf dem Weg ist die Veränderung der Gold- und Platinwerte für die verkauften Stückzahlen – angeblich als Anpassung an internationale Standards; rückwirkend.

Die Mitgliederversammlung beschloss auf ihrer heutigen Sitzung in Berlin die Anpassung der Stückzahlgrenzen für die Verleihung Goldener Schallplatten an internationale Standards. In England und Frankreich lagen die Stückzahlgrenzen für Verleihungen deutlich niedriger als in Deutschland, was zu Verzerrungen im Zahlenvergleich führte. CD-Alben erhalten künftig für 100.000 verkaufte Exemplare Gold (bisher 150.000), Singles für 150.000 (bisher 250.000). Für Platinverleihungen gelten wie bisher die doppelten Grenzen. Die Regelungen gelten rückwirkend für alle Neuveröffentlichungen seit dem 1. Januar 2003.

Ich gebe zu, ich weiß nicht, was diese Werte überhaupt sollen außer bei entsprechenden Personen als Pseudoexemplare an Wänden befestigt zu werden.
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Topp-Spam :: .. fjdb ostim ygicmxoe

Seit gestern habe ich auch ein Spamodul installiert, welches für mich die Bewertung abnimmt. Aber auch manchen Fehler produziert: So werden die Pressemitteilungen des Phonoverbandes als Spam gedeutet. Das entbehrt gewiss nicht einer besonderen Komik – anscheinend wird die Mail-IP des Phonoverbandes so eingestuft.

Den höchsten Wert durch Lesen und Einordnen von regulären Ausdrücken hatte ich heute:

X-RegEx-Score: 2979.2

X-RegEx-Warning: spam (2979.2 > 500.0)

X-RegEx: [240.1] FORGED_YAHOO_RCVD_A ‘From’ yahoo.com does not match ‘Received’ headers

X-RegEx: [240.1] FORGED_YAHOO_RCVD_B ‘From’ yahoo.com does not match ‘Received’ headers

X-RegEx: [48.9] CLICK_BELOW Asks you to click below

X-RegEx: [77.1] COMPLETELY_FREE No such thing as a free lunch (2)

X-RegEx: [126.0] OPT_IN Talks about opting in (lowercase version)

X-RegEx: [53.5] OPT_IN_CAPS Talks about opting in (capitalized version)

X-RegEx: [110.1] WE_HONOR_ALL Claims to honor removal requests

X-RegEx: [194.8] AS_SEEN_ON As seen on national TV!

X-RegEx: [40.0] DIET Lose Weight Spam

X-RegEx: [223.0] REVERSE_AGING Reverses Aging

X-RegEx: [430.0] WRINKLES Removes Wrinkles

X-RegEx: [139.1] WHILE_YOU_SLEEP While you Sleep

X-RegEx: [307.0] BANG_EXERCISE Talks about exercise with an exclamation!

X-RegEx: [430.0] BANG_OPRAH Talks about Oprah with an exclamation!

X-RegEx: [67.4] BANG_GUARANTEE Something is emphatically guaranteed

Da summt sich was zusammen.
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Big-Brother-Awards 2003 verliehen

Am 24. Oktober vergab der „Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs e.V.“ in Bielefeld die durchaus unbegehrten Big-Brother Awards 2003. Unter den Preisträgern befand sich auch die Gebühreneinzugszentrale (GEZ). Diese erhält den sogenannten Life-Time-Award für ihren „unermüdlichen Einsatz bei der bedingungslosen Ermittlung von Schwarzseherinnen und Schwarzhörern.“

Laudator Dr. Thilo Weichert von der Deutschen Vereinigung für Datenschutz führte aus: „Ohne Rücksicht auf das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und das Recht, in Ruhe gelassen zu werden, beschafft sich die GEZ seit Jahren regelmäßig und systematisch Daten von Meldebehörden, von öffentlichen Stellen, von Adresshändlern und äußerst fragwürdigen weiteren Quellen, um Menschen zu finden, die keine Rundfunkgebühren bezahlen, selbst wenn diese an der Nutzung von Hörfunk und Fernsehen kein Interesse haben. Die GEZ und die Gebührenbeauftragten der Rundfunkanstalten sammeln dabei in einem Übermaß Daten, dringen unter Überrumpelung von Menschen in deren Wohnung ein und nötigen die Menschen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zur Offenbarung von eigenen Daten.“

Im Rahmen der Begründung der Preisverleihung fielen weitere recht aufschlussreiche Fakten an. So heißt es dort:

„Fast unmöglich ist es, bei der GEZ ein Rundfunkgerät abzumelden. Statt einer Bestätigung erhalten die bisherigen Gebührenzahlenden ein Schreiben, in dem sie – wieder ohne Rechtsgrundlage – aufgefordert werden, die Gründe für die Aufgabe ihres Gerätes mitzuteilen sowie die dritte Person zu benennen, die das bisherige Gerät übernommen hat, inclusive Geburtsdatum und GEZ-Teilnehmernummer. Diese Dritten werden erst gar nicht gefragt. Immer wieder geschah es auch, dass regelgerecht abgemeldete Rundfunkteilnehmer wieder in Mailing-Aktionen einbezogen und deren Daten nicht gelöscht wurden.

Der gesamte teuere administrative Aufwand einer teilweise gesetzeswidrigen Gebühren- und Datenerhebung ließe sich dadurch vermeiden, dass die Gebühren nicht mehr am „Bereithalten eines Rundfunkgerätes” anknüpfen, sondern vielmehr von allen Volljährigen einheitliche Abgaben erhoben werden. Technologiebedingt ist es kaum mehr möglich, zwischen Rundfunk- und anderen multifunktionalen Kommunikationsgeräten wie Internet-PC, UMTS-Mobiltelefon usw. zu unterscheiden. Daher haben die Datenschutzbeauftragten im Jahr 2000 gefordert, im Interesse der Kosten- wie der Datenvermeidung ein einfacheres pauschales Finanzierungsmodell zu wählen. Schon im Jahr 1999 forderte die CDU die Einführung einer pauschalen Gebühr. Der Vorsitzende des Bundesfachausschusses Medien der CDU wird damit zitiert, dass diese Abgabe auf die Hälfte der bisherigen Gebühr reduziert werden könne, u.a. auch weil die gewaltigen Datenverarbeitungs- und Verwaltungskosten bei der GEZ entfallen würden. Die Ministerpräsidenten der Länder haben im Herbst 2001 beschlossen, die Rundfunkgebühr künftig haushaltsbezogen zu erheben. Wenn die GEZ unterstellt, alle Haushalte hätten heute ein Rundfunk und ein Fernsehgerät, so kann sie auch die Konsequenz daraus ziehen, ohne Verletzung des Datenschutzes alle finanziell gleich zu belasten. Tatsächlich hat sich aber bis heute nichts getan.

Aktiv bleibt die GEZ mit ihrer Lebensaufgabe, unter Missachtung des Verbots der Vorratsdatenverarbeitung und des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung die Menschen in Deutschland zu drangsalieren. Auch wenn sich die ganzen Ermittlungen und Datenabgleiche finanziell für die GEZ nicht lohnen sollten, so hat sie jedenfalls dafür von uns den Lifetime-Award verdient.“

Weitere Informationen zum deutschen Big-Brother-Award finden sich unter: http://www.big-brother-award.de/

Weitere Preisträger sind 2003:

“Die Deutsche Post-Shop-GmbH erhält den Big Brother Award 2003 in der Kategorie Arbeitswelt für ihre Arbeitsverträge mit Post-Agentur-Nehmern in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen. Hierin sollen sich die Agentur-Nehmer pauschal verpflichten, im Krankheitsfall einen von der Deutschen Post-Shop-GmbH bestimmten Arzt von seiner Schweigepflicht zu entbinden.”

Der BigBrotherAward im Bereich Politik wird verliehen an die Regierungen/Innenminister der Bundesländer Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen weil sie im Windschatten der Terrorismusbekämpfung die Verschärfung ihrer Landespolizeigesetze betreiben und damit drastische Einschnitte in elementare Grund- und Freiheitsrechte einer Vielzahl unverdächtiger Personen einkalkulieren. Bedroht sind insbesondere das Brief- und Fernmeldegeheimnis, das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung und damit das Recht auf freie Kommunikation ohne Angst vor Repressalien.

Der Regional-Preis des diesjährigen BBA geht an den Innensenator von Berlin, Herrn Dr. Ehrhart Körting für seine mehr als fragwürdige Rechtfertigung des Einsatzes der so genannten „stillen SMS” durch die Berliner Polizei. Er hatte eingeräumt, dass die Bedenken der Datenschützer gegen eine solche Praxis erheblich seien. Man müsse sich aber entscheiden, “ob man die Täter oder die Opfer schützen” wolle (vgl. Drucksache 15/1834). Er setzt sich damit absichtsvoll über die geltende Rechtslage hinweg, die das Versenden solcher „stiller SMS” zur Ortung von Tatverdächtigen eben nicht vorsieht.

Der Big Brother Award 2003 in der Kategorie Behörden/Staatliche Stellen geht an die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika für die Nötigung europäischer und insbesondere auch deutscher Fluglinien, diversen US-Behörden den Zugriff auf die umfangreichen Buchungsdaten aller Passagiere zu gewähren, die in die USA einreisen oder durch die USA durchreisen wollen.

Der BigBrotherAward 2003 in der Kategorie “Kommunikation” geht an die T-Online Aktiengesellschaft für ihre datenschutzwidrige Langzeitspeicherung von Telekommunikations-Verbindungsdaten.
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Russland – Deutschland: Klischee ./. Wahrheit

contrapunkt 16 – westöstlicher dialog Russland – Deutschland. Klischee ./. Wahrheit 23. Oktober 2003 – 20.05 – 21.30 Uhr, Goethe-Forum München „Kalinka“, Iwan Rebrows Lieder und Tschaikowskijs „Schwanensee“ - ist…

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Wittgenstein und die Lorbeeren

Gerade gefunden, zwei Stellen über Lorbeeren bei Wittgenstein, die in einem Zusammenhang denkbar wären. Zuerst eine Sentenz, die auch einem Poeten gut zu Gesicht stünde:

Auf seinen Lorbeeren auszuruhen ist so gefährlich, wie auf einer Schneewanderung ausruhen. Du nickst ein, und stirbst im Schlaf. [1939-40]

Dagegen oder daneben:

Die populär-wissenschaftlichen Schriften unserer Wissenschaftler sind nicht Ausdruck der harten Arbeit, sondern der Ruhe auf ihren Lorbeeren. [1941]

Also ein Einnicken und im Schlaf sterben? Das passt nicht so zusammen. Ungeklärt ist dabei auch noch die Frage, was denn eine populär-wissenschaftliche Schrift in diesem Sinne wäre. Ich denke, mit der zweiten Sentenz hat Wittgenstein das falsche Bild gefunden – mindestens im Rahmen seiner Bildbearbeitung. Vielleicht kann mir aber auch jemand helfen

Nachweis: Ludwig Wittgenstein, Über Gewißheit – Werkausgabe Band 8 – Bemerkungen über die Farben, Über Gewißheit, Zettel, Vermischte Bemerkungen, Frankfurt/M. 1984, S. 499 und S. 508.

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Merkwürdiger Wittgenstein: Zu viel Wissen …

Vor der Prosa des Ludwig Wittgenstein habe ich Respekt. Manch ein Satz erscheint mir einfach so vertrackt, dass das Rätsel, welches er auf gibt, interessanter scheint, als die Lösung. Man nehme einmal: Wer zu viel weiß, für den ist es schwer nicht zu lügen.

Das mag mehrere Probleme in sich bergen. Entweder man weiß so viel, was aber in all dem Wissen selbst zu sich gegenseitig ausschließenden Wissensfragmenten führt. Dann blockiert sich “Wissen” gleichsam. Zu viel Wissen wäre sodann automatisch ein Überwissen [in einem ganz plumpen Sinne vergleichsweise wie beim Überfischen].

Oder aber: Das Wissen setzt sich selbst schachmatt, weil alles was man dann bei ungeheurem Wissen sagen kann, nicht durch die Aussage mehr gedeckt werden kann. Das Aussagen wird grundsätzlich defizitär, weil man ja nicht immer alles aussagen kann. Das Lügen ist dann nicht vorsätzlich sondern fahrlässig eine Folge der Nichtrealisierbarkeit des Wissens.

Unbeantwortet dabei ist, wie es sein kann, dass man zu viel wissen könne. Zu viel ist nun einmal zu viel.

Nachweis: Ludwig Wittgenstein, Über Gewißheit – Werkausgabe Band 8 – Bemerkungen über die Farben, Über Gewißheit, Zettel, Vermischte Bemerkungen, Frankfurt/M. 1984, S. 540.

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