Adorno digital

Bekanntlich hatte Adorno weder ein Computer noch nutzte er das Internet – mindestens mangels Existenz. Der typische Adorno-Liebhaber oder Kenner wähnt sich natürlich in Besitz der Gesammelten Schriften. Zettelchen, Annotationen mit Bleistift, Füller oder Kugelschreiber (pfui!), Zettelkästen und anderes gehören da zum Inventar. Und nun dies: Adornos Gesammelte Schriften sind erschienen in der Digitalen Bibliothek als Nummer 97. Wem bisher die Register zu den Schriften Adornos fehlten, der drückt hier einfach auf Suche und innerhalb weniger Sekunden erscheinen alle entsprechenden Stellen. Das ist alles nach den Maßstäben der Wissenschaft zitierfähig. Per Copy&Paste kann es praktisch nicht mehr zu falschen Abschriften kommen. Allein, man benötigt einen Computer. Zum Lesen selbst ist ein Buch zwar schöner, zu Zwecken der schnellen Erforschbarkeit ist diese Ausgabe jedoch empfehlenswert.

Apple-Kompatibität

Und eine zweite Meldung der Digitalen Bibliothek ist erwähnens- und lobenswert. Seit Oktober bietet die Digitale Bibliothek ein Hilfsmittel an, mit welchem man deren Bibliothek auch auf einem aktuellen Apple-Computer mit Betriebssystem ab Mac OSX 10.2. lesen kann. Noch ist diese Software im Beta-Stadium. Ich konnte bisher jedoch weder Abstürze oder andere Fehler feststellen. Dieses Tool gibt es gratis, was in der heutigen Zeit, in der möglichst viel wertgeschöpft werden will, durchaus keine Selbstverständlichkeit ist. Digitale Bibliothek
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Tausend mal berührt … – Adorno

Musik: Klaus Lage, Tausend mal berührt …

Autor: Ja, Zoom hat es in diesem Jahr auch bei Adorno, Theodor Wiesengrund Adorno gemacht. Gut, er feierte am 11. September dieses Jahres seinen 100. Geburtstag. Doch eigentlich schien die Akte Adorno schon längst geschlossen. Und jetzt dieser Aufmerksamkeitsboom. Unter anderem sind drei mehr oder weniger umfangreiche Biographien erschienen:

Zitator: Stefan Müller-Doohm: Adorno, 1032 Seiten.
Detlev Claussen: Theodor W. Adorno. Ein letztes Genie. 480 Seiten.
Lorenz Jäger: Adorno. Eine politische Biographie. 320 Seiten.

Autor: Der Mitteldeutsche Rundfunk bietet einen fünfteiligen Adorno-Crashkurs an, der Hessische Rundfunk gräbt in seinen Archiven und sogar taktlos macht eine Sendung zu Adorno. Ein Adorno-Symposium jagt das nächste:

Zitator: Bremen: Gesellschaft im Widerspruch: Die Gesellschaftstheorie Theodor W. Adornos und ihr erfahrungstheoretischer Kern
Frankfurt: Internationale Theodor W. Adorno-Konferenz. Teil I: Dialektik und Freiheit; Teil II: Musikalische Analyse und Kritische Theorie
Chemnitz: Theorie – Kunst – Wissenschaft, Zur Aktualität Theodor W. Adornos
Freiburg: Symposion zum 100. Geburtstag Theodor W. Adornos, Kritik – Phänomenalität – Kunst

Autor: Deutschland sucht das Superhirn und hat ihn gefunden. Alle Gedanken werden noch einmal durchdacht, jede Kritik nochmals gebracht, sämtliche Beziehungen nochmals beleuchtet. Da muss man doch mal nachfragen: Ist es um Adorno wirklich plötzlich so dunkel geworden, dass es dieser akademischen Wiederbeatmung bedarf? Bezeugen nicht gerade diese nachholenden Geburtstagsfeiern, dass Adorno zum Gegenstand einer Erinnerungskultur geworden ist? Abnicken und Tschüss? Das Adorno-Jahr 2003 beißt sich selbst in den Schwanz, doch 2004 ist alles vorbei und die Welt wieder im Lot. So ein Geburtstag kann ein rechter Leichenschmaus sein.

Musik: Adorno: Aus der PKB-Suite

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Nachzuhören als Real Audio
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Müde und viel anderes

Es war in den letzten Tagen allerhand los und so richtig wach bin ich seither nicht mehr geworden. Aber langsam sollte sich das Logbuch wieder füllen.

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Kalenderblatt: Oktober

Aus dem monatlichen Kalenderblatt der Kultur-Kritik Oktober: weiter: Skulptur auf der Toilette.

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taktlos 70: Adorno – Ex oder top?

taktlos # 70 Adorno. Ex oder top? 1. Oktober 2003 / 21:30 bis 22:30 Uhr Bayern 2 Radio, Live aus dem Studio Franken Moderation: Theo Geißler Anlässlich seines hundertsten Geburtstages…

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Meissner: Jazz for Starships

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Der Alt-Saxophonist Dirk Meissner wagt gewissermaßen kühn den Vorspruch zur CD: „Maybe that‘s the future of jazzmusic: the music you‘ll hear, when you drive slowly in your starship, cheerfull looking out of the window.“ Da kann sich der Rezensent nicht ganz verkneifen, dass er beim Hören gelegentlich den Eindruck gewann, es wäre eher eine Reise im Miniatur-U-Boot durch ein Goldfischkugelglas, das neben einem Laptop sein Dasein fristet.

Konkret: Dirk Meissner spielt seine Soli über einem Meer aus Rhythm&Sound-Programming, welches in der Tat superb groovy ist. Über diesen fein-frickeligen Teppich aus Sounds und Beats gibt er seine Saxophonlinien, die eben manchmal zu gut, manchmal zu leicht ihre Tonkreise ziehen. So mag es scheinen, dass der bunten Soundvielfalt der Saxophonklang entweder zu wenig perspektivisch oder geistig zu analog wirkt. Die CD hat zweifellos viele schöne Stellen und ihre Meriten. Sicher muss man auch nicht immer und überall alles brechen. Dem Rezensenten erscheint der Bruch musikalisch immanent und führt zur ästhetischen Schieflage. Das mag aber der geneigte Hörer für sich selbst bewerten, wenn er mit Meissner auf die ausgiebige Starship-Reise geht – günstiger geht es sowieso nicht, Augen zu und durch.

Dirk Meissner: Jazz for starships

schoenerhören music – NRW 4017
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Blizz aktuell: Regensburgs Weihwasser stinkt zum Himmel

„So gschdingad ist Regensburgs Weihwasser” titelte letzten Sonntag der Regensburger Blizz. Nur im Dom sei das Weihwasser so rein, dass man es trinken kann.

Das schlägt dem Fass doch den Boden aus. Jetzt machen die vom Blizz in Spiegelmanier Undercover-Reportagen und süppeln am Weihwasser. Sechs Journalistenkollegen vom Blizz lagen offenbar im Vollrausch statt zu Hause in den Kirchen und wollten ihren Nachdurst stillen. Darauf scheinen fünfe an schweren Koliken gelitten zu haben. Das ist ja furchtbar, dass sie es nicht mehr bis an den Weinschrank in der Sakristei geschafft haben. Nach derlei Ergebnissen achte ich es für viel zu gefährlich, sich an Kollekten zu beteiligen – nachdem fast an jedem Schein Kokain haftet und Münzen sicher mit Fäkalbakterien verseucht sind. Kirchen gefährden die Gesundheit. Die Bildunterschrift ist köstlich (Verzeihung): “Kloake im Weihwasserbecken. Eine Gefahr für Menschen mit Immunschwäche.” Am besten, man wischt sich nicht einmal mehr den Hintern ab – sicher ist sicher.

Die Ärzte des hiesigen Universitätsklinikums haben kund getan, dass sie das Weihwasser der betroffenen Kirchen nicht mehr zur Sterilisation ihrer chirurgischen Instrumente und ihrer Hände verwenden werden.

Komischerweise kommen die Redakteure nur auf sechs Kirchen im Stadtgebiet – die protestantischen hat man gleich mal ausgelassen.

Nach dieser schweren Erkrankung der Redakteure beim Blizz erklären sich auch die nachfolgenden Überschriften: An Baum – Feuer – Huren – Lottozahlen.

An Baum. (An wen? Exminister Baum?) Amberg. Fünf Verletzte und ein zerknittertes Auto, weil dessen Fahrerin (eine Frau!) zu schnell war (für das Auto? im Verhältnis zu was?). Der vollbesetzte Wagen war bei Amberg von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geknallt. (Ich wusste immer schon, der Baum ist nicht unser Freund sondern ein Feind von schnell fahrenden Frauen.)

Tja, das ist Regensburg in seiner besten Form. Hier ist was los.
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Figaro, übernehmen Sie

Kultur macht schließlich nicht nur Spaß sondern macht natürlich auch Arbeit – das ist nun einmal Kennzeichen von „Kultur“ (für die Abgeschreckten zwischen 30 und 50: die Sp
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