Commerz-ban-king

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Ein Beispiel für moderne Logik und Benutzerinnnenführung. Made bei Commerz-Banking. Ohne Worte.

Vielleicht dann doch mit etwas Worten. Ich habe gerade gesehen, dass sich bei Moe eine schöne Debatte über die Verwendung von, wie sagt man, geschlechtsspezifischen Dingens hintendran ergeben hat. Grund: wohl die Abfassung einer akademischen Arbeit. Ich musste dabei etwas schmunzeln. „Wegen schlechten Wetters fand die Revolution in der Sprache statt.“ Dabei stellt sich die Frage, welche Revolution, Frau Luna, Herr Mond.

Was heißt denn was? Und warum auch. Die Commerzbank hat sich da heftig engagiert. Sehr witzig. Frauen gehen anders mit Geld um, sagen sie. PDF-Zeug: Psychologie des Geldes. Und die Frauen werden da ganz hübsch nach Lebenswelten klassifiziert:

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Das erinnert mich an mein einziges Playboy-Buch (Pascal Bruckner und Alain Finkielkraut): „Die (eine?) neue Liebesunordnung“, wo die schreiben (aus dem Gedächtnis). „Es gibt keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen: Auch Frauen furzen.“ Zurück:

Die Commerzbank schreibt:
Der kleine Unterschied
Beispiel Altersvorsorge: Frauen haben andere Biografien als Männer. Da die Kindererziehung nach wie vor zum Großteil in den Händen der Frauen liegt, ist ihr Erwerbsleben – und damit auch ihre Versicherungszeiten – häufig kürzer. Hinzu kommt: Obwohl Frauen heute beim Einkommen deutlich aufgeholt haben, liegen sie nur bei etwa 80 Prozent des männlichen Durchschnittsverdienstes. Hieraus resultieren im Alter niedrigere Rentenansprüche. Frauen sollten daher Wert auf eine private Altersvorsorge legen und schon früh anfangen, ihre Finanzen zu planen.

Das ist die deutsche Lösung. Etwas ist scheiße, dass die Einkommen nur bei 80 Prozent des durchschnittlichen Verdienstes bei Männern liegen. Aber statt das mal zu normalisieren, nein, daher muss die Altersvorsorge angepasst werden. Also geht es um eine bankliche Anpassungsleistung, die gemacht werden muss. Also, für dumm verkaufen. Und so ist es auch wohl mit der Sprache. Weil nichts im Lot ist, korrigiert man es dann simpel auf dem Weg des schnödesten Anpassung. Marx hätte auch dies als „Ideologie“ bezeichnet, als „notwendig falsches Bewusstsein.“ Weil anders es sich aushalten ließe. Das ist der deutsche Hufraunismus. Die Commerzbank in Forn von Frau Anja Pohl rät übrigens:
Umso wichtiger ist die richtige Anlagestrategie: Wie sehen Ihre individuellen Anlageziele und der Anlagehorizont aus? Aus diesen Faktoren, der Anlagementalität, aber auch den finanziellen Kenntnissen der Anlegerin, entsteht ein ganz persönliches Anlegerprofil. Basis dafür ist eine gute Beratung, die nach Ihren Zielen und Erfahrungen in puncto Geldanlage fragt.
Die Frage stellt sich so: „Worauf muss ich als Frau besonders achten, wenn ich mein Geld anlege?“ Ich hätte ja einfach gesagt: „Schaun Sie zu, dass es ihnen keiner wegnimmt — oder keine, wie der Commerzbank.“ Ja, ich weiß, das ist polemisch.

Ähem, kann mir mal jemand sagen, wer die Unterscheidung zwischen männlichem und weiblichem Artikel „so“ überhaupt eingeführt und genannt hat? In der Musik hat so eine Unterscheidung einigen Unsinn angerichtet. Das „männliche“ erste Thema steht dann im Sonatensatz einem „weiblichen“ zweiten Thema gegenüber — ja, wirklich, so habe ich es in der Schule noch von Frau Dr. Magwitz beigebracht bekommen. Später (historisch früher, lebenschronologisch später) dann wandelte sich die Begrifflichkeit in einen Kontrast der Harmonik. Zumindest bei Dur-Sätzen: Tonika (Hauptsatz) vs. Dominante (Seitensatz) und in Moll-Sätzen nach Tonika vs. Tonika-Parallele. Wenn man das wortbestimmend zurechnet, auf „männlich“ und „weiblich“, ließen sich sicher schöne psychoanalytische Vergleiche anstellen.

Habemus Mamam.
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Auf dem Rückweg nach Weimar?

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Aus gegebenem Anlass dreht sich einiges bei mir um das Jahr 1933. Da fiel mir heute wieder Franz Neumanns „Behemoth – Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933-1944“ in die Hände. Diese über 600 Seiten umfassende Werk stammt aus dem Jahr 1942 (überarbeitet 1944). Ein Schwerpunkt behandelt natürlich auch die Zeit davor. Neumann setzt sich mit dem Verständnis von Demokratie in der Zeit der Weimarer Republik auseinander. Er lässt Carl Schmitt zu Wort kommen:
Parlamentarismus ist nicht identisch mit Demokratie, sondern lediglich eine ihrer historischen Formen. Die Hauptprinzipien des Parlamentarismus sind öffentliche Diskussion, Teilung der Gewalten und Allgemeinheit des Gesetzes. Die öffentliche Debatte verlangt, daß die Instanzen politischer Macht sich der Diskussion als eines Mittels der Wahrheitsfindung aussetzen. Die öffentliche Debatte ermöglicht der Bürgerschaft die Überwachung und Kontrolle ihrer Vertreter. Aber, sagt Schmitt, die Praxis stimmt nicht mehr mit der Theorie überein. Die parlamentarische Debatte ist heute nichts weiter als ein Mittel, die zuvor außerhalb gefällten Entscheidungen zu registrieren. Jeder Abgeordnete ist durch starre Parteidisziplin gebunden. Er würde nicht wagen, sich von einem Gegner umstimmen zu lassen. Die parlamentarische Debatte ist ein Betrug. Die Reden werden nur für das Protokoll gehalten. Da die wichtigen Entscheidungen in geheim tagenden Ausschüssen oder in informellen Verhandlungen zwischen den herrschenden Gruppen fallen, ist die Öffentlichkeit der Debatte selbst leerer Schein. [S. 70 f.]
Für Schmitt sollte, so Neumann, daher die Demokratie abgelöst werden durch jemanden, der es selbst in die Hand nimmt. Neumann schreibt:
Das logische Resultat dieses vorsätzlichen Manövers war der Ruf nach einem starken Staat, der in dem Wahlspruch gipfelte: »Alle Macht dem Präsidenten.« Der Präsident, so wurde unterstellt, ist eine wahrhaft demokratische Insitution: Er ist vom Volke gewählt. [S. 72]
Das war in Zeiten der Weimarer Republik. Gleichwohl passiert es, mir passierte es, dass ich in Schmitts Kritik vieles wiederfand, was sich auch immer stärker in der gegenwärtigen Situation ausdrückt. Neumann machte dafür ein fehlendes verinnerlichtes Verstehen der Demokratie für diese Entwicklung verantwortlich.
In Wirklichkeit verschleierte die Weimarer Verfassung gar nichts. … Verfassungstheorie und -praxis enthüllten die Schwäche der demokratischen Kräfte und die Stärke ihrer Gegner. Ganz ebenso offenbarten sie, daß die Weimarer Verfassung ihre Existenz weit mehr der Duldung ihrer Feinde als der Stärke ihrer Anhänger verdankte. [S. 73]
Und da kann man schon eine neuerliche Analogie zur aktuellen Situation sehen. Das zeigt sich einerseits sicher auch in der nachlassenden Bereitschaft an Wahlen teilzunehmen, weil man dem Prinzip der aktuellen Demokratie nicht mehr traut. In der Tat kann der Zustand des Parlamentarismus heute als ziemlich heruntergekommen angesehen werden. Viele, zahlreiche Entscheidungen auf der politischen Ebene rufen nur noch Kopfschütteln hervor; nie weiß man mehr, ist dort oben der Bundeskanzler oder der Autokanzler. Die Regierten finden sich nicht wieder in der Regierung. Und eine der wesentlichen Entscheidungen der Bürgerschaft besteht nun einmal in Wahlen. Doch was, wenn es die Opposition nicht mehr gibt, wenn man sie nur noch als graduell empfindet? Was, wenn immer mehr Menschen so empfinden, wie es Carl Schmitt beschreibt?

Was vor allem, wenn politische Entscheidungen immer häufiger über die Köpfe der Beteiligten hinweg gefällt werden (siehe Hartz IV). Man ist sich dabei ja sogar einigermaßen klar darüber geworden, dass hier die Öffentlichkeit nicht in gewünschtem Maße eingebunden worden. Aber wie hat man darauf reagiert? Durch Überredungsparolen. Die Debatte wurde nicht nachgeholt sondern nur propagiert durch ganzseitige Anzeigen in Zeitungen etc.

Was also, wenn sich die Demokratie und der demokratische Parlamentarismus aus sich heraus zu einer totalitären Herrschaft verwandelt? Man gibt ein Programm auf, das wesentlich besser gestellt war als seinerzeit die Weimarer Demokratie. Man verbockt die gewesenen Chancen. Und welche Bedeutung hat dann noch ein so idiotisches Scharmüzel um den „Kapitalismus“, wie es die lärmenden Parteisoldaten ins Spiel bringen. Die Frage ist doch vielmehr zu stellen nach dem realen Zustand von Demokratie in der gegenwärtigen Gesellschaft.

Exkurs: Antikapitalistisch war auch das Programm der NSDAP — aber nur zum Scheine. Denn der nationalsozialistische Antikapitalismus habe stets, wie Neumann schreibt, „das »schaffende« Kapital, das Industriekapital, von seinen Anklagen ausgenommen und sich allein auf das »raffende« Kapital, das Bankkapital gerichtet.“
Der Kampf gegen das Bankkapital ist kein Antikapitalismus; er ist im Gegenteil kapitalistisch und tatsächlich oft faschistischer Kapitalismus, nicht nur in Deutschland, sondern auch in fast jedem anderen Land. Jene, die nicht müde werden, die Herrschaft des Finanzkapitals (worunter sie stets das Bankkapital verstehen) anzugreifen, spielen damit den mächtigsten und aggressivsten Gruppen der modernen Gesellschaft, den industriellen Monopolisten, in die Hände. Wann immer ein Schrei der Entrüstung gegen die Herrschaft des Bankkapitals einer Volksbewegung eingeimpft wird, ist es das sicherste Zeichen dafür, daß der Faschismus unterwegs ist. [S. 379].
Aber Neuman bleibt auch hier nicht stehen. Er versucht anhand der Analyse der Aufsichtsräte der Deutschen Bank und der Dresdner Bank die „Kongruenz von Industrie- und Bankkapital“ nachzuweisen, denn:
Der Finanzkapitalismus ist nicht tot; er ist Wirklichkeit, und eine sehr mächtige dazu. [S. 379]

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Hommage á Keith Jarrett

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Ich hatte es fast vergessen, obgleich ich mir sein neuestes Werk „Radiance“ heute zugelegt habe. Was macht man mit keinem Geld, man gibt es aus. Wozu gibt es denn auch Kreditkarten. — Habe mir sagen lassen, in den USA bekommt man eine solche nur, wenn man in den Miesen steckt. Jemand, der Geld auf dem Konto hat, für den sei es beinahe unmöglich eine Kreditkarte zu erwerben. Ist eben anders als mit der Schufa — Aber ich schweife ab. Jarrett, mein Piano-Gott aus alter Zeit, hatte nämlich am 8. Mai Geburtstag, seinen sechzigsten.
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BlogShares – Press Releases for Kritische Masse Weblog

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?????????????????????? ???????????????????????? ? „Kritische Masse Weblog was the subject of much speculation when analysts at several firms were heard to be very positive about it's recent performance. It's share price rose from B$184.97 to B$286.71. Much of the hype was said to originate from M. Aurora - Tiberias Kingdom of Heaven - Sibylla whose Oktoberfest (artefact) was said to be involved.“ BlogShares - Press Releases for Kritische Masse Weblog

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Die Brille des Köhlers

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In seiner Rede am 8. Mai hat unser BuPrä gesagt: Hier gegenüber, am Bundeskanzleramt, steht in diesen Wochen weithin lesbar ein Satz von Albert Einstein: „Der Staat ist für die Menschen und nicht die Menschen für den Staat.“ Wir wollen doch mal genau sein. Das steht weithin sichtbar angepinselt an der Wand er Botschaft der Schweiz! Sichtbar ist es für das Bundeskanzleramt wie für die Herren und Damen Abgeordneten, die das Paul-Löbe-Haus durch den…

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Zahlenjongleure in grün

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Die haushaltspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Anja Hajduk, forderte eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Damit ließen sich die Sozialbeiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern senken, sagte sie dem Tagesspiegel. Dies führe zu mehr Arbeitsplätzen. Wenn die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte erhöht würde, könnten die Sozialbeiträge auf 38 Prozent sinken, sagte Hajduk.
So gelesen im Netz der Süddeutschen Zeitung. Langsam geht einem das tierisch auf die Eier. Eine Steuer hoch, andere Beiträge runter = mehr Arbeitsplätze. So rechnet also die haushaltspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. Diese Zahlenakrobatik mit dem Zündwort Arbeitsplatz verbunden soll wohl wirken auf Wahlunentschiedene. Und man positioniert sich selbst auch einmal im Verein der Wirtschaftsfachidioten; warum sollte das nur den anderen Parteien überlassen sein. Vielleicht denkt sie so, die Anja Hajduk.

Ich würde es einmal sehr begrüßen, eine Darstellung zu finden, in der genau aufgelistet wird, mit welchen Mitteln in den letzten 15 Jahren die Verringerung der Arbeitslosenzahlen bewirkt werden sollte. Denn, wenn ich mich nicht täusche, dann haben alle Maßnahmen nämlich gar nichts gebracht, wohl aber die Rechte der Arbeitenden eingeschränkt.

Wenn das alles immer so einfach wäre, warum dann nicht radikal eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 30 Prozent und runter mit den Sozialbeiträge um — was weiß ich — 14 Punkte. Das würde dann doch wohl noch mehr Arbeitsplätze bringen, wenn nicht gar Vollbeschäftigung.

Die Kuh kann doch nicht mehr Milch geben, bloß weil man ihr einen Euter mehr schenkt. Oder irre ich da?

[Update]: Ich irre, wie ich gerade sehe. In das gleiche Horn stößt der Rürup, Chef-Weise der Wirtschaft. Ebenfalls in der Süddeutschen erwähnt:
Der Chef der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, sprach sich für eine deutliche Mehrwertsteueranhebung aus. „Mit den Mehreinnahmen sollte man aber keine Haushaltslöcher stopfen, sondern unsere Sozialversicherungen umfinanzieren“, sagte er „Focus“.
Ich stelle mich mal doof. Was sind eigentlich Sozialversicherungen? Wozu braucht man die überhaupt. Die scheinen ja die Superbremse der Konjunktur zu sein — die nämlich braucht man unbedingt. Ja, die Wirtschaft braucht man. Und wie! Ich auch, gestern abend, der Chefwirt des Landshuter Hofes nannte mich eine „Dauerbreze.“
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April 1933

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Ich bin voll auf Operette nun. Ein Buch über Kalman, das Tagebuch von Benatzky. Letzterer! Sehr gut zu lesen das Tagebuch. Natürlich für ‘mein’ Thema hochinteressant. Nach der Lektüre des nachstehenden Abschnitts sofort an Kraus gedacht, die „Dritte Walpurgisnacht.“ 1933, April. Na klar, sehen konnte niemand etwas, nicht wahr? Das ging erstaunlich schnell. Und was ja auch frappierend ist, Benatzky („Das weiße Rössl“) hatte noch wenige Tage zuvor, nun, wie soll man sagen, die…

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Drei Zitate

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Die Zeiten, die Zeiten: a) Rektor der Hochschule für Musik und Theater München, Siegfried Mauser (2005): Was mich ein bisschen gestört hat an dem Beitrag [über "Operette unterm Hakenkreuz"; M.H.], ist, was ich eigentlich mittlerweile wirklich komplett satt habe, dieses Gegeneinanderstellen von E- und U-Musik und dass man die U-Musik nicht desavouieren sollte aus dem Blickwinkel der E-Musik und umgekehrt das unterhaltsame Genre doch als etwas Gleichwertiges zu sehen habe. Es ist etwas Anderswertiges.…

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