Statistiken

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Ich bin Historiker. Als solcher bewahre ich Teile des Gedächtnisses der Menschheit auf. So machte ich es auch 1994. Fast alle Wahlwerbespots zur Europawahl 1994 landeten auf Videokassette. Noch versagt es mir die Technik, Spots von damals hier zugänglich zu machen. Allein ein paar Standfotos, abfoddegrafiert vom Bildschirm und die Extraktion der Tonspur sind mir möglich.

Genossse Semmel hat sich kürzlich über Stoibers Reaktion auf die Arbeitslosenzahlen mokiert. Er, Semmel, hat ja Recht. So spielt man den anderen in die Hand.

Gehen wir zurück nach 1994. Damals bewarb sich eine Partei mit dem Namen „PASS“ (Partei der Arbeitslosen und sozial Schwachen) um Sitze im Europaparlament. Der Erfolg war gering. Aber imponiert hat mir deren korrigierte Statistik dennoch.

<%image(20050206-pass02.jpg|500|372|Statistik)%>

Und hier die Tonspur des Wahlwerbespots von 1994 (ca. 3. Minuten, 700 kb).

Die große Zahl mit den knapp 8 Millionen wirklichen Arbeitslosen verdeckt die genaue Auflistung.

<%image(20050206-pass01.jpg|500|381|Statistik genau)%>

So sah es doch aus unter der Regierung Kohl, meine Herrschaften. Sollten wir daraus den Schluss ziehen, dies habe zum Regierungswechsel zur SPD/GRÜNE beigetragen?

Das „Oha“ der Gegenwart ist so etwas von heuchlerisch.

Vorschlag:
Alle Arbeitslosen in die politische Bürokratie. Dann sind sie von der Straße weg. Die bisherigen Amtsinhaber haben doch sowieso irgendeinen Arbeitsplatz, oder Beraterverträge.
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Die Gräfin!

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Die Beschwerden der Initiative „Das ganze Werk“ zur Veränderung des Programms bei NDR „Kultur“ sind abgewiesen worden. Die Rundfunksratsvorsitzende des NDR, Dagmar Gräfin Kerssenbrock (Ironie des Schicksals, als Vertreterin des Landesnaturschutzbund Schleswig – Holsteins), hat dies den Beschwerdeführern so gegenüber geäußert:
Die Fülle der Beschwerden und die aufgeführten Details und Verbesserungsvorschläge, mit denen sich der Programmausschuß u.a. in einer eigenen Arbeitsgruppe befaßt hat, ändern – wie bereits oben erwähnt – nichts an der grundsätzlichen Feststellung des Programmausschusses, daß die eingeleitete Reform und Neuorientierung des Programms richtig gewesen sind.
Ein weiterer Handlungsbedarf jenseits der regulären Programmbeobachtung und des gefaßten Beschlusses wird daher nicht gesehen.

Na prima. Der Hund miaut, wenn der Vogel bellt. Dass sich im öffentlich-rechtlichen Rundfunk leider vieles so verändert, dass man darüber fast weinen möchte, ist eigentlich noch hinnehmbar. Aber, dass man sich zur Strohgräfin macht?

Ergänzen möchte ich, daß der Kreis der Beschwerdeführer — so auch in den Schreiben vermerkt — in der Regel aus der „Initiative das GANZE Werk“ oder der Telemann-Gesellschaft kommt. Für hohe Verärgerung und die Abkehr von jeder Bereitschaft, sich länger mit den Details von Beschwerden aus dem Kreis der „Initiative das GANZE Werk“ und der Telemann-Gesellschaft zu befassen, haben Veröffentlichungen im Internet durch die Initiative geführt.
Das ist interessant: Die Unkenntnis der Gräfin und des durch sie vertretenen Rundfunks sind kollossal. Über 1.600 Mitglieder hat die Initiative. Sagen Sie mal, Frau Gräfin, welches Verständnis haben Sie denn von Vereinen oder Verbänden. Wenn der Hundt was sagt, dann steht der für seinen Verband da vorne und meckert; wenn die Merkel plaudert, dann auch für ihre CDU. Und wenn Sie, Frau Gräfin, dann für den Rundfunkrat — und wohl leider auch für die Insititution, die Sie mitkontrollieren sollten. Eigentlich jedenfalls.

Darf ich Sie erinnern, was eine der wichtigsten Aufgaben des Rundfunksrates ist. Ich zitiere entsprechende Seite des NDR:
Der Rundfunkrat vertritt die Interessen der Allgemeinheit im Sendegebiet des NDR. Dabei berücksichtigt er die vielfältigen Meinungen der Bürger und Bürgerinnen.
Es steht da tatsächlich: Er berücksichtigt, es steht da nicht: Er ignoriert die vielfältigen Meinungen der Bürger und Bürgerinnen. Ich wollte das nur einmal in Erinnerung rufen, Frau Dagmar Gräfin Kerssenbrock. Ihre Antwort dagegen offenbart nur Ignoranz.

Was Sie da auffahren ist geradezu eine unhöfliche Beleidigung aller Mitglieder dieser Initiative, die, soweit ich das sehen kann, nur zu einem kleinen Teil aus Mitgliedern der Hamburger Telemann-Gesellschaft besteht. Ich persönlich empfinde Ihren Vorwurf als Beleidigung meines Engagements dafür.

Noch etwas: Darf ich den ersten Satz so verstehen, dass nur, weil die Kritik von der Initiative „Das ganze Werk“ kommt, diese dann untriftig ist? Wie bitte? Aber wenn sie der Papst gemacht hätte, wäre sie angenommen worden. Dürfen Sie sich jetzt schon aussuchen, von wem Sie Kritik annehmen? Ein Witz!

Komplett absurd aber wird es doch, wenn Sie sich zu folgendem einlassen:
So schreckten diese Kritiker nicht vor der Geschmacklosigkeit zurück, NDR Kultur als reale Antwort auf den internationalen Terrorismus zu bezeichnen und darüber hinaus im Internet eine Satire zum Tod des ehemaligen Ministerpräsidenten Barschel in einer Badewanne in der Schweiz zu gestalten und für ihre Kritik an NDR Kultur heranzuziehen. Die niveauvolle Ebene, auf der Gespräche über Kulturthemen geführt werden sollten, wurde damit verlassen und macht eine weitere Diskussion unmöglich.
Der Sprecher und der Sprecherrat der Initiative hat sich schon sehr abwägend dazu geäußert. Da ich zwar Mitglied, aber nicht Sprecher bin, darf ich etwas härter replizieren!

Ich prangere Extra3 an, ihre hauseigene Sendung, die ganz unsatirisch geworden ist offenbar. Leider hat die Satire der Initiative sogar Biss gehabt. Und ich will dabei nicht einmal auf die Kunstfreiheit der Satire abheben. Bei den Beispielen der Initiative handelt es sich um waschechte Glossen. Soll ich Ihnen erklären, welche Funktion dieses literarische Genre hat?

Was „geschmacklos“ ist, dass wissen Sie aber am besten, und es hilft Ihnen nach diesem Verdikt, sich mit den tatsächlichen Vorgängen gar nicht mehr zu beschäftigen. Prima.

Ich könnte hier stundenlang Ausführungen darüber machen; über die Verderbtheit und zunehmende Verdummung innerhalb der Grenzen des NDR „Kultur“ und sowieso. Ich lasse es, es sind darüber schon so viele Artikel geschrieben worden und Bücher auch.

De facto ist es doch so: An den NDR kommt man gar nicht heran, weder mit Argumenten noch mit Satire oder Glosse. Selbst die Realsatire, wie sie auf der Homepage der Initiative zu finden ist, scheint Ihnen wohl nicht lachhaft genug. Es gibt da den Jingle:

<%image(20050205-ndr-kultur-jingle-ot.gif|542|158|)%>

Die Initiative kommentierte das so:
Der Weg der Jingle-Produktion für NDR Kultur
Für die Musikproduktionen hat der NDR die Firma BCI Group GmbH & Co. KG in 90571 Schwaig bei Nürnberg beauftragt, die die Jingles in dem Partner-Studio Groove Addicts in Los Angeles herstellen lässt.
Man höre und staune: Sechs Komponisten waren beteiligt, um für „das anspruchsvolle Programm von NDR Kultur“ ein „eigenständiges, musikalisch großartiges Werk“ zu schaffen. [mehr Hintergrund dazu]

Da braucht es keines Verweises auf den internationalen Terrorismus, wenn es sich um internationalen Blödsinn handelt, der, ich muss das leider konstatieren, noch gefährlicher ist.

Viel schlimmer: Das Signal, das Sie nach außen mit diesen Äußerungen setzen, Frau Dagmar Gräfin Kerssenbrock. Sie machen damit klar: Lasst uns in Ruhe, lasst uns unsere Arbeit so machen, wie es die Intendanz und der Programmdirektor wünschen (d.h. sie liegen zu lassen, die Arbeit!). Denn die sind die wirklichen Volksvertreter. Sie vollstrecken nur das Urteil an den Hörern. Sie arbeiten, wie man es gut kennt, an ihren Schreibtischen und lesen die Heeresberichte Media-Analysen. Hinter dieser Waffe hat sich schon fast einmal ein ganzes Volk verstecken können. Auch das mögen Sie geschmacklos finden, von mir aus. Ich finde es geschmacklos, wie man sich selbst so aufgeben kann und wie man sich so benutzen lässt.

Dass mir dann irgendwann keiner kommt und sagt, er habe es nicht gewollt.

Wenn in Zukunft dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch mehr Gegenwind aus Brüssel entgegenschlagen wird, wenn auch im gegenwärtigen Entwicklungszustand der Wirtschaftsvormacht irgendwann dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk der, wie man so schön sagt, Arsch auf Grundeis geht, dann wundern Sie sich bitte nicht, dass diejenigen, die ihnen einmal durch ihr Engagement zu Hilfe kommen wollten, keine Lust dazu haben. Denn wo nichts zu retten ist, da muss man auch nichts mehr retten.

Einstweilen ist es nicht so weit. Aber, wie unschön heißt das doch, die Bombeneinschläge gegen das duale System im Rundfunk kommen näher. Und ich möchte mal sehen, wie Sie dann mit Ihren Media-Analysen herumfuchteln, weil Ihnen die Menschen fehlen, die Sie unterstützen könnten.

Vor allem, am wenigsten könnte ich es leiden, wenn darunter andere Rundfunkanstalten zu leiden hätten, weil einmal der NDR eine falsche Entscheidung getroffen hat. Ich bitte Sie: Machen Sie mir den Bayerischen Rundfunk nicht kaputt durch die Abstumpfung Ihres Programmes — dieser Vorwurf geht an die Gräfin gleichermaßen wie an den Rundfunkdirektor Romann und den Intendanten Plog.
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Robinson Crusoe

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Komponieren (…) kann weder heißen, sich naiv vertrauensvoll der bereits in der Gesellschaft expressiv funktionierenden Mittel zu bedienen, noch ins Land der unbekannten Länge auszuweichen, sondern muß heißen: Situationen der veränderten, ‚befreiten‘ Wahrnehmung suchen und im Hinblick darauf immer wieder auf der kommunikativ verwüsteten Insel dieser unserer sprachfertig-sprachlosen Zivilisation ‚Robinson Crusoe‘ spielen und sich so zugleich auf das existentielle Abenteuer des sich in seinen eigenen Trümmern erkennenden bürgerlichen Ichs einlassen. Helmut Lachenmann: Sprachlose Musik…

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Ach, dass nicht die letzte Stunde | Meines Lebens heute schlägt!

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2. Hätte gleich mein ganzes Leben Friede, Ruh und Sicherheit, macht die Sünde doch darneben lauter Unruh, Furcht und Streit. Diese Plage, dies Verderben Weicht von mir nicht eher hin, als bis durch ein sanftes Sterben Ich bei Gott im Segen bin. … 6. Gute Nacht, ihr Eitelkeiten! Falsches Leben, gute Nacht! Gute Nacht, ihr schnöden Zeiten! Denn mein Abschied ist gemacht. Weil ich lebe, will ich sterben, bis die Todesstunde schlägt, da man…

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Nun ruhen alle Wälder

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1. Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt' und Felder, Es schläft die ganze Welt; Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf, ihr sollt beginnen, Was eurem Schöpfer wohlgefällt! … 6. Auch euch, ihr meine Lieben, Soll heute nicht betrüben Kein Unfall nich Gefahr. Gott laß' euch ruhig schlafen, Stell' euch die güldnen Waffen Ums Bett und seiner Helden Schar. Immer wieder doch tröstlich, solche Verse, selbst wenn es dafür keinen Anlass gibt.

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Semmels Geburtstag

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scheint heute wohl zu sein. Er ist der Meister der verschleierten Information, der Semmel, schickt sogar seine Dwarf in das ferne Baskenland mit einem vermutlich hochdefekten Handtelefon. Mich deucht da schon eher und gleichzeitig, dass Freund Semmel irgendwie in die Fussballaffäre verwickelt ist. Sieht man sich zu diesem Zweck seinen Tipp beim Spiel Paderborn vs. HSV an, dann liegt das fast unmittelbar auf der Hand (ebenso verwickelt scheinen mir Bernd77 [2:1], Dicke [1:0], Firlefranz…

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Apropos München, Schnee und taktlos

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<%image(20050203-zkmax-eingang.jpg|200|267|Eingang)%>

War ja gestern, taktlos in der 86. Ausgabe, live aus dem ZKMax. Das kennt in München auch fast keiner, ist aber ganz doll wichtig als Gegenstand von Kunst im öffentlichen Raum. Der Eingang ist trefflich gekennzeichnet. Zuoberst das Treppenzeichen, dann so ein Anschluss-Zeichen für irgendwen, weil da irgendwas fließt, dann ein kleines Schild mit dem Hinweis „ZKMax“. Immerhin, ein großer Vorteil ist der vierfache Zugang.

Eigentlich ist es nur eine Unterführung, unter Altstadtring und Maximilianstraße. Früher nannte man das einfach eine städtische Fehlplanung und damit eine Stadtruine. Sie ist schön sauber, aber furchtbar kalt. Gut also, dass ich mich nicht allzu feierlich angezogen hatte. Es war bitter kühl, da unten. Doch mit schicken Schläuchen saugte man offenbar von draußen kalte Luft ein, die dann gewärmt in den Raum der Diskussion geleitet wurde.

<%image(20050203-raketenwurm1.jpg|200|267|Raketenwürmer zum Anwärmen)%>

Ursprünglich fahren der Moderator Theo Geißler und ich mit dem Auto von Regensburg nach München und eigentlich wäre mir das gestern auch sehr lieb gewesen. Allein, der Moderator bekam Muffensausen und wollte nicht gerne mehrere Stunden auf der Autobahn in der Holledau verbringen. Dass diese Hopfenanbaugebiet ist, mag das nicht tröstlich stimmen.
Nein, Kinners, nicht in Assoziation zu einem Grundstoff eines alkoholischen Getränks, sondern wegen der feinschmeckerisch selten anzutreffenden Hopfensprossen zur Spargelzeit.
Dass nun das München ziemlich verschneit war, sieht man an diesen hübschen Schneewehungen auf der Umrandung der Eingänge zum ZKMax (is dit wieder mal Infragelb oder Infragrün?):

<%image(20050203-schnee.jpg|500|375|Schnee aufm ZKMax)%>

Der Schnee brachte auch die Taxistände vor dem Hauptbahnhof in Bedrängnis. Man musste anstehen, etwa 20 Minuten. Das war für mich eigentlich unvorstellbar. Zwei Tage zuvor standen etwa 142 Taxis an der Nordseite. Aber die waren weg, unterwegs, und zwar langsam. Zu beobachten, der typische Münchner zwischen 65 und 75, der solche Schlangen meidet und sich zu seinem Taxi abseits vordrängelt.

Von unten sieht das ZKMax, beziehungsweise seine Ausstellungsfläche typisch kalt und leer aus. Eine unteridische Kunstbaracke eben. (Und sorry, ich bekomme momentan keinen geraden Foddos hin).

<%image(20050203-halle1.jpg|500|375|Eingang, andere Seite)%>

Hier also ein weiterer Ein- oder Ausgang. Viel war da nicht los, kaum jemand nutzte die Unterführung. Warum auch. Ganz München schien im Schnee zu versacken.

Einen letzten Eindruck gibt es jetzt:

<%image(20050203-sendung.jpg|500|375|Blick in die Sendung)%>

Etwas durch irgendwas abgetrennt, das war dann der Livesendungsraum. Die Sendung selbst lief ganz prima, zumal wenn man seine Füße in den Strom der Warmluft aus den Raketenwürmern bringen konnte. Aber kalt war es trotzdem. Gast Axel Wirths zig sich während der Sendung seine Handschuhe an. Gast und Kurator Christian Gögger bemerkte richtig, ich sei wohl noch nie hier gewesen, Gast und Kulturreferentin Prof. Dr. Dr. Lydia Hartl bemerkte, dass man viel tue und die alten Florentiner Opernerfinder vor 400 Jahren ziemliche Intellektuelle gewesen seien. Das alles sei ferner doch ein Biotop (Hartl) und doch kein Biotop (Gögger und Wirths).

<%image(20050203-schuhe1.jpg|200|267|Schuhschlagen)%>

Ganz so schlimm kalt durfte es dann doch nicht sein, denn beim ersten Stück der anwesenden Musikmacher DJ Spooner und polly tox wurde man gebeten, seinen rechten Schuh auszuziehen, um wie dermaleinst Chrustschow mit selbigen den Rhythmus zu schlagen.

Also alles wieder typisch münchnerisch obercool in der Reichen- und Kunstgegend. Genug der Worte, genug der Bilder, mehr davon gibt es auf der Heimatseite der Sendung von taktlos, zusammen mit der akustischen Dokumentation der Sendung; eine insgesamt lebendige und freundlich bestimmte 86. Ausgabe von taktlos.

Der Herr Moderator und ich sind dann huschdiwusch nach der Sendung, Ende 22:30, zum Bahnhof per Taxi, denn der letze Zug nach Regensburg ging schon 23:05.

Im nachhinein betrachtet, wenn ich heute höre, wie auf Bayerns Straßen teilweise nachts nichts mehr ging, eine gute Entscheidung — die Weichen war auch nicht eingefroren. Man fuhr ab Neufahrn daher nicht aus Versehen nach Plattling weiter, sondern landete bestens in Regensburg. Da wars nur kalt und nass.
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Hommage á Schwester B.

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Die treue Schwester wird gerade 45. Langsam aber sicher gehts auf die Pension zu. Bis dahin aber steigere den Pisa-Wert in Aschaffenburg, Du. Denkbar verschieden das Wetter. Gestern in München: Wintereinbruch mit fett Schnee, vor drei Jahren, in Berlin: Frühlingswärme.

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Der Klingellauscher

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Während man früher früh in die Wälder zog, um mit Mikrofon (mit Keulencharakteristik) und schwerem Tonbandgerät (das leichte von Uher) den Vögeln ihren Gesang abzulauschen, gestaltet sich ein derartiges Vorhaben für Großstädter mitunter schwierig — wenngleich die Aufnahmegeräte selbst viel kleiner und leichter geworden sind. Die Vögel sind schon alle durchgehört und wenige geworden, vor allem wenige verschiedene. Zudem sieht das ganze ziemlich affig oder gar peinlich aus.

Neu in Mode gekommen scheint dagegen das Abbilden von ehemaligen Fahrradklingeln, die in den botanischen Biotopen der Großstadtkleingartenbesitzern die Funktion der Tür- oder Torklingel übernommen haben. Diese Teile sind mitunter uralt und der Witterung hoffnungslos ausgesetzt. Nicht selten erlebt man dann beim Versuch, die Klingel zu benutzen, sein blaues oder gelbes Wunder. Sie klingeln nicht mehr sondern kratzen oder bewegen sich kein bisschen. Nun hat aber auch nicht jeder einen Gegenstand zum Dranhauen dabei. Die Klingeln klingeln dann einfach nicht.

Manch eine aber tut es doch. Der Klingelarchäologe, versiert wie er ist, nimmt derlei Gegenstände in seine Fotodokumentation auf wie Tante Dokta Pepa. Das ist die eine Seite, der optische Teil der Wahrnehmung. Zum optischen Sammler gesellt sich dann gerne aber auch der akustische. Belauschen wir doch einfach kurz so einen Aufnahmevorgang.

Schon die Produktion des Klingeltones durch das Hin- und Herbewegen des Abzugsknopfes gibt Rätsel auf. Man kann den Eindruck des impliziten Rhythmus’ nicht ganz abwehren. Wobei die Betonung ein bisschen unklar bleibt: Ist es nun auftaktig oder volltaktig? Und was will uns der Klingler damit sagen?

Ich bin nicht drin, sondern will herein? Klingt die aber scheiße? Euch spiele ich einen Streich? Klingelpütz?

Ebenso problematisch scheint die Frequenzanalyse des Klingelklangs.

<%image(20050202-klingel.gif|500|295|Klingel)%>

Man sieht zwar deutliche Spitzen, die sich aber etwas über den Oktavverdopplungen ansiedeln. Das ergibt dann den nicht ganz sauberen Klang, der aber bei Klingeln, etwa anders als bei Gongs oder Glocken, durchaus erwünscht ist. Denn der Ursprung, das Auf-sich-aufmerksam-machen, des Bizyclonisten kommt hier zum tragen. Als Tür- oder Torklingel wirkt es daher leicht verschreckend, aber nicht so dumpf wie die seinerzeit modernen Ding-Dongs in Wohnungen aus den späten 70er Jahren.

Fraglich aber bleibt, ob die Klingel ein gutes Instrument für diesen Zweck darstellt. Denn der richtig aktive Tonbereich befindet sich an einer Stelle, die manch gealterter Behauser womöglich gar nicht mehr, infolge des Höhenabfalls des älteren Ohrs, wahrnehmen kann. Für den klingt das dann eher so (stark verstärkt, wodurch die Windgeräusche der nicht perfekten Aufnahme deutlich hervortreten). Ein Widerspruch in Funktionalität und Produktivität — ja, ich neige fast dazu, zu sagen, ein „Quatsch sondergleichen“.

Der Lauscher beendet seine Aufnahme durch ein beherztes Signal „Aufnahme sch-toppnnnn“, sich damit an seine Forschertätigkeit erinnernd. Nun frage ich zum Schluß, welches Motiv diese Klingel einmal geziert hat? Kann man es dem Klang ablauschen? Mal sehen, alle Tipps sind freibleibend.
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Zur Musiksoziologie

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Diese Einsicht stammt aus der Zeit des mittleren Endes des kolonialistischen Imperialismus'. Gerade noch hatte man rechtzeitig den Phonographen erfunden und bannte damit die letzten Urlaute auf Walze. Mir persönlich waren diese Ethnologen immer fremd geblieben. Dieses Analysieren von Musik anderer Kulturen, wo ich doch schon mit der „eigenen“ genug Probleme zu bewältigen hatte. Das war Sandalenmusik und Bambusröckchen-Gekloppe. Nun, nach dieser Lektüre sehe ich es anders. Der Witz ist nämlich folgender: Die „echten“…

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