Wittgenstein, noch einmal

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Blättern in einem Buch bereitet Vergnügen, gerade dann, wenn man es nicht lesen mag. Plötzlich springen einen Sätze an, aus dem Zusammenhang gerissen, die für sich stehen und manchmal ratlos machen. Diesen Zustand empfinde ich als wohltuend: 381. Wie erkenne ich, daß diese Farbe rot ist? — Eine Antwort wäre: »Ich habe Deutsch gelernt.« Oder: 255. Der Philosoph behandelt eine Frage; wie eine Krankheit. Oder: 203. Die Sprache ist ein Labyrinth von Wegen. Du…

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Einundwirzig

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Ähem, einundvierzig. Das wäre besser. So wird jeder Tag besser, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, …

Ein „weiß ich nicht“ wird zur Gewissheit, zur absurden vielleicht (Sound-MP3 — unter Verwendung von diesem und jenem und ihr, mit Dank für jenes).

»Das Innere ist uns verborgen.« — Die Zukunft ist uns verborgen. — Aber denkt der Astronom so, wenn er eine Sonnenfinsternis berechnet?
fragt Wittgenstein in seinen „Philosophischen Untersuchungen“ auf Seite 358. Tja, eigentlich eine merkwürdige Fragestellung. Man käme doch voraus, aber die Sonnenfinsternis ist zweifellos etwas anderes als das Innere. An anderer Stelle (S. 335):
Bedenke auch dies: Rot und Grün kann ich nur sehen, aber nicht hören, — die Traurigkeit aber, soweit ich sie sehen kann, kann ich sie auch hören.
Das Manko der Ungenauigkeit wird zur Vervielfachung der Wahrnehmungsmöglichkeit. Wenngleich auch um den Preis der Verborgenheit — die gleichwohl selbst so verborgen bleibt wie offensichtlich ist.
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Merke drum

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Rechtgläubige zweifeln an einer Stunde nicht … Eine lange Passage in den Gesprächen Eislers mit Bunge geht um diesen Satz aus Hölderlins Gedicht, wobei Eisler „Rechtgläubige“ durch „Wissende“ ersetzt. „Gang aufs Land“ beginnt mit dem Ausruf: „Komm! ins Offene, Freund! zwar glänzt ein weniges heute Nur herunter und eng schließet der Himmel uns ein.“ Na denn: Trüb ist's heut, es schlummern die Gäng und Gassen und fast will Mir es scheinen, es sei, als…

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Und außerdem …

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… bin ich beleidigt und hätte da noch ein paar Fragen.

Warum ist es so, dass Naturkatastrophen (oder besser -ereignisse) (was muss das für ein Gott sein, der dies zulässt) zu mehr öffentlichem Herzschmerz führen als von Menschen erzeugte Katastrophen?

Wann endlich wird der genetische Fingerabdruck auch für politische und wirtschaftliche Entscheidungen eingeführt?

Wann endlich kommt der Installateur, der wenigstens meine Wohnung verwanzt? (Ich möchte schließlich, dass alle wissen, wie unschuldig und unbescholten ich mein Leben führe. — Dass meine digitalen Kontakte zur Außenwelt prima mithörbar sind, ist mir ja bekannt [TKÜV])

Die Kritische Masse bekennt ihr Versagen ein. Es gibt Massenvernichtungsmittel, allerdings fast überall. Das sind die Informationen, die Medien, die Organe gesellschaftlicher Aufklärung. Ich bitte um umgehende Vernichtung — und falls Herr Bush oder sonst einer, der ihm sagt was er machen soll, nicht mithören sollte, ersatzweise stelle ich den Antrag an Gott, einen Meteoriten mit 2 km Durchmesser möglichst mittig in den Atlantik zu befördern. Das All ist groß genug, ein unschuldiger und bescholtener Materieklumpen wird sich doch auftreiben lassen.
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Zynismus-Selbsterhaltungssystem

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In manchen Kreisen regt man sich über eine Sendung von SAT1 auf, die angeblich Planetopia heißen soll. Darin ging es um die angeblich „unterschätzte Macht“ von Weblogs. Kann man ja nachlesen dort. Der Schockwellenreiter ärgert sich, Spreeblick ärgert sich (aber nimmt es lustig) etc. pp.
Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt. [Lichtenberg]
Irgendwie scheint man verwundert darüber, wie im Fernsehen Beiträge erstellt werden, wie man Worte benutzt, wie man Sachen schneidet, wie etwas im Zusammenhang (anders) wirkt. Das ist eine so gänzlich neue Erfahrung, dass ein allgemeines Kopfschütteln einsetzt. Und andere, wie ich, die klugscheisserisch das sowieso immer schon wussten, sind nicht besser dran, wenn sie dies artikulieren. Denn, das ist wirklich keine besonders exklusive und neue Erfahrung.

Ob nun in Weblogs Wahrheiten drin stehen, ob das Fernsehen, die Zeitung, das Magazin die Wahrheit kundtut? Haha. Das tun sie alle. Denn die Wahrheit ist das, was sich manifestiert. Dies ist aber zu trennen von der „Wahrheit“ wie sie objektiv wäre. Diese wird komischerweise immer wieder gerne herbeigerufen, aber sie bleibt selbstverständlich auf der Strecke: prominentestes Beispiel, die Prawda.

Manchmal wünschte man den Nachrichtengläubigen einfach ein paar Minuten für eine Philosophievorlesung oder einen Minikurs in zweiwertiger Logik, sei es auch die Mengenlehre. Zumindest eine eingehende Auseinandersetzung mit dem Satz von der Identität: A = A. Bzw. der Logik des Nicht-Identischen. Selbst Freund Quirinus rechnet letztens merkwürdig 1 + 1 = 2, so wie es anscheinend Beckstein vorrechnet (oder ich habe die ganze Ironie komplett verpasst). Allein 2 = 2.
Update von Lichtenberg: Zweifle an allem mindestens einmal, und wäre es auch der Satz: zwei mal zwei ist vier.
Vielleicht ist auch richtig, dass der Umgang mit Computern und digitalen Daten an sich, jegliches Denken auf Konsequenzlogik oder bestenfalls Schleifen oder Bänder reduziert. Beim Letzterem hat man immerhin noch die Chance zur Einsicht in ein Paradoxon oder eine Aporie.

An sich sind alle Menschen klug, aber wenn es um (ein) Menschenleben geht, kennt die Dummheit keine Grenzen und kein Maß. Darum, das möchte ich bitten, Schluss mit dem Gefasel über Unveräußerliches. Die Welt kennt nur noch den Ausnahmezustand, der ist jetzt nämlich status quo.

Das ist eine Welt, die sich von ihrem eigenen Zynismus ernährt; der Selbsterhaltungssatz der Gegenwart. Ihre Zukunft ist ein Zerfallen durch Progression: eine immer ausgefeiltere und Kräfte aufsaugende Form der Selbstdomestizierung. Leider muss ich das konstatieren. Während ich früher die „Dialektik der Aufklärung“ wegen ihres geschichtsphilosophischen Charakters als beinahe zu mechanisch materialistisch und telosbezogen ablehnte („es muss doch den freien Willen geben, sonst könne man nicht erkennen, dass es ihn nicht gibt“), neige ich immer klarer zur Zustimmung der Thesen jener Autoren. Es gäbe nur einen Fortschritt, den von der Steinschleuder zur H-Bombe.
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