Weia: DMV – Kreative Pannenserie

„Die mehr als 500 DMV-Mitglieder seien bereit, GermanSounds zu helfen, damit eine kreative Offensive für deutsche Produkte im Ausland schnell konkrete Formen annehmen kann.“ So liest mans in der musikwoche. Der Deutsche Musikverleger Verband legt los und mutet sich etwas zu, was man ihm beim besten Willen bisher noch nicht als Attribut zuzuschreiben mochte: „Kreativität“.

Der Handlungsbedarf scheint ja auch immens. Denn „GermanSounds“ exportiert, was das „Deutsche Musikexportbüro“ angeblich nie tat, Musik. So unklar die Situation zwischen beiden Büros ist, die etablierte Musikszene schießt sich auf „Deutsche Klänge“ ein. Wer zu spät kommt, steht doof da, wer aufs falsche Pferd setzt auch. Daher eine Offensive der Kreativität. Das klingt freilich vollkommen danach, als ob jemand ein brennendes Streichholz in eine Wassertonne wirft. Zisch – das wars.

Helmut Lachenmanns „deutsche Produkte“ innerhalb dieser Offensive? Der wird seinen Spaß haben. Was, man kennt Lachenmann etwa nicht? Die englische Wikipedia kennt ihn. Der scheint eher eine Offensive in Deutschland nötig zu haben.
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Philosophisches: Bruno Liebrucks

„Die Hintergehbarkeit der Sprache ist nur um den Preis möglich, daß der Schluß nicht schließt.” So zu lesen in dem Beitrag zu einer Festschrift unter dem Titel: “Über einige transzendentale und einige dialektische ‘Implikationen’ der formalen Logik.”

Davon verstehe ich nicht viel. Mich deucht nur ein Grobes, von dem zu ahnen, was Liebrucks 1971 verfasst hat. Denn er kommt gegen Ende des Artikels zu sehr schönen Formulierungen:

„Die Schätze der Tradition können wir nicht wegwerfen, ohne sie zu heben. In jedem Erkenntnisakt findet Abschied statt. Der Abschied von der Tradition besteht darin, daß man sich ihr zuwendet.” (S. 15)

Das klingt furchtbar dialektisch und daher ziemlich klug oder eben auch ziemlich banal. Nun, Liebrucks ging wohl von der Frage aus, wie und ob “formale” Logik, so sie in Sprache tritt auf nur formale Aspekte zurückführbar ist. Ist George W. Bush ein Problem der „formalen Lofik”? Eben.

“Die Reduktion der Logik auf ihr formales Moment faßt Sprache als Inbegriff von Operationen und Zeichen oder Handlungsschemata auf und verfehlt den Erkenntnischarakter jeder Einzelsprache wie der Sprache als solcher.” (S. 14)

Liebrucks wendet sich gegen Carnap, wenn dieser „die Aufgabe eines lyrischen Gedichtes nur darin sehen [kann], ‘unsere Gefühle ausdrücken zu wollen’.” Und er erklärt: “Es ist durch den Tatbeweis aller Dichter, die den Namen verdienen, gezeigt und ausgesprochen, daß der Umkreis der schlechten Subjektivität dichterisch überschritten werden kann.” (S. 3)

Liebrucks wendet sich in dem Text gegen eine auf Formales reduzierte Annahme von Sprache, wie es sie bei Wittgenstein zum Beispiel im Tractatus findet. Die Welt ist mehr als eine Ansammlung von Tatsachen und Sachverhalten – gut, das sagt Wittgenstein auch. Nur Wittgenstein schiebt den Rest beiseite als unwissenschaftliche Gegenstände, die dann dem Mythos oder der Magie zugerechnet werden könnten. Ich selbst kann aber nicht umhin, auch den Tractatus als Sprachmagie zu verstehen. Das formal-logische dieses Textes ist auch mehr als nur das formal-logische – im billigsten Fall eben Literatur. Wenn es anders möglich gewesen wäre, hätte Wittgenstein sich einer ‘reinen’ Symbolsprache bedienen müssen. Und auch dann wäre er gescheitert.

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2003 in Topps und Flopps

Es gehört sich nicht und doch passierts jetzt zum ersten Mal. Eine Liste mit schönen Dingen, die sich im letzten Jahr ergeben haben. Bei Nennungen handelt es sich daher nicht zwingend um Neuheiten.

Musik
Corinne Douarre: Virages
Bernd Begemann: Rezession Baby!
the broken beats: the weather beats the rhythm
Iannis Xenakis: Persepolis Remixes Edition I

Komponisten
Leos Janacek
Maurice Ravel
Bedrich Smetana
Iannis Xenakis

Buch
Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften (Digitale Bibliothek)
Ödön von Horvath: Himmelwärts und andere Prosa
Richard Sennett: Respekt im Zeitalter der Ungleichheit
14. Shell Jugend-Studie

Zeitschrift
Brand eins
Blätter für Deutsche und Internationale Politik
Bürgerrechte und Polizei
nmz – neue musikzeitung

Internet
Janko Röttgers: Mix Burn RIP
Moe’s Blog: Moe’s Blog. Leben und Lernen auf dem Web.
taktlos: das ist taktlos

Tools
Magic Mail Monitor: Spart das Downloaden von Müll
Nucleus CMS: Läuft hier
40tude dialog: Newsreader

Lokale
Café-Bar
Café-Konditorei Pernsteiner
Landshuter Hof

Top-Flopps:
Deutsche Bahn AG
MDR KULTUR im kommenden Jahr als MDR FIGARO
Adorno und die Zwölftontechnik: Buch von mir von 1995 .:. Amazon.de-Verkaufsrang 690.252
Ich – als Gast in der 70. Ausgabe von taktlos
Mein Kreislauf am Ende des Jahres

Das mal nur schnell die Situation.
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Privatisierung von Wissen

In der Netzzeitung steht ein schönes und aufschlussreiches Interview mit Janko Röttgers über den Zustand der Musik in digitalen Netzen. Nachdrücklich geht es noch mal über das Thema der Pauschalabgabe-Idee. Ich finde diesen Gedankengang sehr richtig, welche Probleme im Detail auch immer lauern mögen. Und noch etwas stellt Janko Röttgers sehr fein heraus, dass die Breite des Musikmachens eben nicht durch die Topseller und Rotationen der großen Musiksender repräsentiert werden. Zitat: „Musiker führen in der Regel eben nicht ein Leben, wie man es von «MTV Cribs» kennt. Sie basteln sich ein komplexes und individuelles ökonomisches Patchwork.“

Im gleichen Zusammenhang muss ich auf zwei Artikel aus der aktuellen Musikzeitung hinweisen. In einem durchleuchtet Ulrich Dolata die gegenwärtigen Strategien der großen Plattenfirmen und ihrer Lobbyisten: Subversion als Innovationsmotor. Musikkonzerne unter dem Druck von Internet-Tauschbörsen. In einem weiteren Artikel durchforscht Josefine Köhn die neuen „legalen“ Musikdownlaodangebote: Wird das Internet der Plattenladen der Zukunft? Musikverbraucher im Dschungel der Downloadangebote.
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Wenn schon Export, dann Bier ;)

Momentan konkurrieren zwei Organisationen offenbar um die Herrschaft im Bereich des deutschen Musikexportes. Seit 2000 gibt es das „Deutsche Musikexport-Büro“, seit ein paar Tagen die „GermanSounds AG“ . Nun geht es um die Wurst. In der Tat liegen da ein paar Dinge schief. Kulturstaatsministerin Weiss begrüßt „German Sounds“. Das Internetportal der Bundesregierung verlinkt dagegen das „Deutsche Musikexport-Büro“. MH

Die Meldung:

Reinhard Mey wird Schirmherr des Deutschen Musik-Exportbüros
Köln (inter-info.de) – Der international bekannte deutsche Liedermacher Reinhard Mey ist ab sofort Schirmherr des im Jahr 2000 in Köln gegründeten Deutschen Musik-Exportbüros. Er freut sich, auf diese Weise die Förderung des deutschen Musik-Nachwuchses und des Exports deutscher Musik unterstützen zu können.

Reinhard Mey, dessen Lieder (u.a. „Über den Wolken“) man in vielen Ländern kennt, ist ein hochdekorierter Künstler. Er erhielt als erster ausländischer Sänger den „Prix International de l’Académie de la Chanson Française“, bekam gleich zweimal das Bundesverdienstkreuz und nahm erst kürzlich den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2003“ entgegen. Sein 2002 erschienenes Album „Rüm Hart“ erreichte mühelos Platz 4 der deutschen Album-Hitliste, und seine Tourneen sind regelmäßig ausverkauft.

Am 5. Dezember sprach er sich auf einer vielbeachteten Pressekonferenz selbstbewusst für eine Quote bezüglich deutschsprachiger Musik in den deutschen Medien aus: „Es führt kein Weg an einer Quote vorbei, wenn wir nicht einen ganzen Kultur- und Wirtschaftszweig an unterlassener Hilfeleistung eingehen lassen wollen“.

Der Gründer des Musik-Exportbüros, Björn Akstinat, meint zur Schirmherrschaft Meys: „Wir erhalten für unsere Arbeit sehr viel Zuspruch von Medien, Musikern, Musikmanagern und staatlichen Stellen. Dass die erfolgreichen Bemühungen des Deutschen Musik-Exportbüros jetzt auch vom renommiertesten Liedermacher Deutschlands unterstützt werden, ist natürlich besonders toll. Was die Erfolge des vor über drei Jahren gegründeten Deutschen Musik-Exportbüros bereits im Inland bewirken, sieht man daran, dass kürzlich schon ein Nachahmer-Projekt namens “GermanSounds„ entstanden ist.“

Das Deutsche Musik-Exportbüro wurde von der Internationalen Medienhilfe (IMH) im Jahr 2000 gegründet. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Popularität deutscher Musik außerhalb des deutschen Sprachraums hat das Exportbüro die Aufgaben, den Bekanntheitsgrad deutscher Musikschaffender im Ausland weiter zu erhöhen und den weltweiten Absatz deutscher Tonträger weiter zu steigern. Seine Aufgaben erfüllt das Exportbüro, indem es zahlreiche Dienstleistungen für die deutsche Musikwirtschaft und ausländische Musikinteressierte erbringt.

Weitere Informationen zum Deutschen Musik-Exportbüro finden Sie
über die offizielle Internet-Seite der deutschen Bundesregierung:
http://www.deutschland.de/Menüpunkt „Musik“

Deutsches Musik-Exportbüro
Eine Abteilung der Internationalen Medienhilfe (IMH)
Büro Köln/Bonn
Postfach 11 22
53758 Hennef bei Köln

Gründungsmitglieder der konkurrierenden (?), ergänzenden (?) Organisation, der „GermanSounds AG“, sind der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft, VUT, der Deutsche Musikverleger-Verband, der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (IDKV), der Musikmanagerverband IMUC, das Music Managers Forum Deutschland (MMF), der Verband der deutschen Musikproduzenten, die Musikmessen Womex und popkomm, CLASS (Association of Classical Independents Germany) und der Deutsche Musikrat.

Kommentar von webwatch findet sich im KIZ.
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Ein Kommentar

TÜV oder: aus einem Totenhaus

Schlecht gelaunt war ich sehr bei der Abfassung des hier abgedruckten Clusters, der in der aktuellen Ausgabe der neuen musikzeitung.

Kritik soll etwas Nützliches sein. Kulturstaatsministerin Christina Weiss wünscht sich daher einen „TÜV für die Kultur” – hört hört: einen (in Worten) „Technischen Überwachungs-Verein für Kultur”. Also rein in den Blaumann und den Theaterunterbodenschutz testen: „Dieses Theater ist kritiküberwacht”, GKS-Siegel drauf für „Geprüfte Kultur-Sicherheit”. Doch Kritik alten Schlages ist doppelt in der Mangel.

Aus jedem jungen Alleswisser schwallt es, dass sowieso und überhaupt alles „Pop” sei. Die Zukunft ist Pop, die Zukunft ist unter 25 Jahre alt (aber mindestens 6 Jahre) – und die Zukunft sitzt offenbar gerne vor dem Computer und steht auf Style. Die Zukunft tankt, trägt und trinkt Diesel. Opas Kultur jedenfalls ist tot. Die erstklassig jämmerliche Popkultur hat geschafft, was nicht einmal ein Bürgerkrieg geschafft hätte, die fast komplette Ersetzung von Kulturbedürfnissen durch Surrogate, unter dem Deckmantel des Revolutionären, der Abweichung, des Neuen verbunden mit dem unbedingten Versprechen von schnellem Glück. Pop ist ein Schmier- und Rauschmittel. Nur wird dieses nicht mehr in Kolumbien oder Afghanistan produziert, sondern ist das Stoffwechselprodukt der gegenwärtigen Gesellschaft selbst. Karl Marx, laut ZDF-Pop-Auswertungsmaschine Platz drei unter Deutschlands Besten, würde heute knackig formulieren „Pop ist Opium fürs Volk.”

In so einer Welt ist man als Kulturkritiker endgültig unnütz und kann eigentlich alles nur noch schlimmer machen. Es reicht, ich bin es satt. Soll doch Dieter B. aus dem Presseorgan des Deutschen Musikrats quäken. Ich jedenfalls gehe zum endgültigen Abhusten in den Keller; doch nehme ich mir die Partitur von Schuberts Streichquintett mit, denn das ist immer noch eine musikalische Verheißung von Glück und Trost für den Trostlosen.
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contrapunkt 18: Regionales Musiktheater – Kulturauftrag ./. Sparzwang

<%image(20031217-cp-cottbus.jpg|120|180|Ein Blick in Cottbus - ein Minitheater)%>

In der 18. Folge von contrapunkt – westöstlicher dialog konnte ich mal wieder im Ü-Wagen einspringen. Jetzt ist die Sendung online, als Real-Audio auch nachhörbar. Die konzentrierte Runde aus drei Gästen (Martin Schüler, Paul Esterhazy und Frieder Reininghaus) und zwei Moderatoren (Theo Geißler [nmz] und Frank Kämpfer [Deutschlandfunk] forschte in der tiefen Provinz. Das war alles ganz lieb und aufschlussreich. Ich empfehle es unbedingt und vermutlich wird die Zeitschrift Oper & Tanz demnächst (Anfang Februar) eine Zusammenfassung bringen.

Tatort Opernhaus: Längst haben die Sparkommissare der Finanzpolitik die Theater Deutschlands als Spielraum entdeckt. Wenn ein Intendant nicht den immer enger geschraubten Etatvorgaben entspricht, wird der Geldhahn der Subventionen erst recht zugedreht. Nach dem „künstlerischen Erfolg“ eines Hauses oder nach dessen öffentlichem Renommee wird gar nicht mehr gefragt.

Andererseits wird aber auch verstärkt über neue, unkonventionelle Wege nachgedacht: Ausgründungen als „GmbH“, Fusionen zwischen den Häusern in benachbarten Städten, oder der Ausstieg aus Tarifverträgen sollen Theater vor ihrer endgültigen Schließung bewahren.

Doch die Theater in Deutschland – vor allem auch jene in den kleineren Städten – sind nicht bloße Verschiebemasse; auf Gedeih und Verderb dem Wohlwollen der Finanzpolitiker ausgeliefert, sondern sie haben in erster Linie auch einen wichtige gesellschaftliche Funktionen zu erfüllen; den Bewohnern abseits der großen Zentren musikkulturelle Bildung nahe bringen, dem Nachwuchs Chancen geben, und vor allem auch Experimentierfeld für neue ästhetische Entwicklungen sein. Wird das auch noch künftig möglich sein?

Darüber diskutieren im Bayerischen Bahnhof zu Leipzig die Moderatoren Theo Geißler und Frank Kämpfer mit dem Intendanten des Theaters Aachen, Dr. Paul Esterhazy, dem Intendanten des Theaters Cottbus, Martin Schüler, sowie dem Musikkritiker Frieder Reininghaus. Musik gibts von Tripol.
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taktlos 72: Bricht der Klassikmarkt zusammen?

<%image(20031217-piendl-winter02-th.jpg|50|50|Stefan F. Winter)%>

Nachfolgend mein Beitrag zur Ausgabe 72 der Sendung „taktlos“ des Bayerischen Rundfunks und der neuen musikzeitung. Zu Gast waren Stefan Piendl (BMG Classics), Stefan F. Winter (Winter & Winter), Thimo Brüll (Leiter der CD-Abteilung des partiellen Kulturkaufhauses Ludwig Beck) und Gregor Wilmes (Chefredakteur der Fachzeitschrift Fono-Forum). Die Diskussionen, die man auch per Real Audio nachhören kann waren zuweilen recht heftig.

Musik: Pierre Schaeffer: Bilude

Sprecher: Oh großes Wehgeklage, oh großer Jammer. In den Managementbüros der großen Musikkonzerne geht ein Gespenst um. Das Gespenst der kompletten Liquidation des Klassik-Marktes im Zeitalter von Raubkopien und allgemeiner Verdummung. Das ist Ende sei nah, orakeln die Propheten der Plattenmajors. Man scheint in diesen Kreisen das Ende der Marketingstrategien erreicht zu haben und ist beleidigt.

Musik: Pierre Schaeffer: Bilude

Sprecher: Punkt 1: Den großen Plattenfirmen und den großen Stars geht es nicht um den Erhalt oder gar Ausbau der kulturellen Landschaft. Und damit geht es nicht um Pflege musikalischer Kultur sondern um die Exposition von Verkaufsplätzen. Dabei ist dann, Punkt 2, jedes Mittel Recht. Im Zweifel werden Zeitschriftenredaktionen über Anzeigenplatzierungen gekauft. Das bedeutet die faktische Abschaffung der Tonträger-Kritik. Damit beraubt man sich der Möglichkeit des reflektierten Kommunikationspfades zwischen Hörern und Machern. Öffentlichkeit wird ersetzt durch Reklame, Musik wird zu einem Produkt wie Seife, die Zeitungen zu Makulatur.

Musik: Pierre Schaeffer: Bilude

Sprecher: Punkt 3: Das ist die Zeit der Plattenfirmen, deren größte Stärke in der Herstellung von Glaubwürdigkeit und profilierter Programmpolitik liegt. Genannt seien das Münchner Label ECM oder das Detmolder Dabringhaus-Grimm. Was in diesen Labels erscheint, das ist mit anspruchsvoller Sorgfalt und mit höchster musikalischer Verantwortung gemacht. Das heißt nicht, hier würden die Kleinen gegen die Großen ausgespielt. Denn, Punkt 4, die Großen Firmen waren wirklich einmal gut. Phillips, Decca, Deutsche Grammophon, Heliodor und EMI hatten durchaus einen guten Klang unter Liebhabern klassischer Musik. Im Zeitalter des totalen Produkt-Marketings hat man aber die Liebe zur Musik durch den Verkauf von Musik-Marken wie Nikolaus Harnoncourt, Simon Rattle oder Nigel Kennedy ersetzt: Starsearch auf klassisch eben. Diese Strategie rächt sich nun. Statt Nachhaltigkeit steht Plötzlichkeit (der schnelle Euro) im Zentrum der Programmpolitik der Majors. Das ist „noch“ zu viel für den Untergang und zu wenig für ein langfristiges Leben. Und – dies sei mal positiv angemerkt – ausnahmsweise ist nicht der Musikunterricht Schuld.

Musik: Pierre Schaeffer: Bilude

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Nachzuhören als Real Audio
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taktlos 71: Bodenlose Musikpädagogik

<%image(20031217-30huffi2-50.jpg|50|50|Martin Hufner von 42 Sendungen)%>

Nachfolgend mein Beitrag zur Ausgabe 71 der Sendung „taktlos“ des Bayerischen Rundfunks und der neuen musikzeitung. Mit von der Partie und gut drauf: Konstatin Wecker.

Musik: Pierre Henry: Echo d‘ Orphee Track 22 Anfang 0:00 bis 0:06 etwa

alternativ: Ravel: E‘Enfant et les sortiléges Anfang

Sprecher: Die Musikpädagogen machen aber auch nichts halt. Nachdem man feststellen durfte, dass die Musikerziehung an allgemeinbildenden Schulen fast jeglichen Anspruchs entbehrt und sowieso die Kinder immer früher durch den Medienalltag verdorben werden, versucht man eben Erziehung durch Musik noch vor die Schulzeit zu verlegen. Das ist irgendwie auch logisch und vernünftig, weil kleine Kinder alles machen – und im Zweifel alles mit sich machen lassen. Schöne heile Welt der Kleinkinder. Musik ist hier einfach Musik, eben Klang, Bewegung, Geste und Gebärde. Das wird jetzt als neues musikpädagogisches Geheimrezept verkauft und praktiziert.

Musik: Pierre Henry: Echo d‘ Orphee Track 22 Anfang 0:12 bis 0:27 oder so ähnlich

alternativ: Ravel: E‘Enfant et les sortiléges Track 6 Anfang (Alt! Quelle ….)

Sprecher: Doch das Ende der musikerzieherischen Fahnenstange ist keineswegs erreicht. Bestimmte Richtungen der Musikpädagogik, die sich zudem mit dem Zusatz „elementar“ schmücken wollen gleich nach dem Ei-Sprung ansetzen, wenn sich die frühe Biomasse „Mensch“ gerade formiert. Durchs Fruchtwasser hindurch klingt und bewegt es sich so schön. Rapumm – Rapumm – Rapummpeldidumm [Anmerkung: Artikuliert im Rhythmus des Herzschlages – leicht ironisch]

Niemand zweifelt die positiven Nebeneffekte musischer Verhaltenweisen, von Musik überhaupt, in jedem Lebensalter an. Musik kann so schön sein, das wissen alle alten Gesellschaftsformen intuitiv: Von den Eskimos bis zu den Mongolen. Musik ist ein Lebenselexier. Nur in der hochmodernen westlichen Welt der Moderne sind diese Zentral-Erfahrungen mit Musik verloren gegangen. Nun flüstern einem neue Musikpädgogen neues Klangmaterial hinter die Binsen. Eine tolle Sache eigentlich, die allerdings im weiteren Leben erfolglos im bleiben muss, wenn die Welt der Kindheit später in den eingeengten Bahnen weiterläuft, nämlich im fortschreitenden Konsumrausch aus dritter, industrieller Hand. Immerhin: Schäden oder Spätschäden richten diese frühkindlichen Musikpädagogen nicht an. Und lustig ist es allemal, nicht wahr.

Musik: Pierre Henry: Echo d‘ Orphee Track 22 irgendwas irgendwo

alternativ: Bittova: vzpominka (Track 1) (entweder Anfang oder irgendwas)

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Nachzuhören als Real Audio
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Abänderungsbewilligungsbescheinigung …

... davon habe ich heute nacht geträumt und dass ich Mitglied des deutschen Bundestages gewesen wäre und dass ich dort ein bisschen in eine Frau Molsen (mit gelben Haaren), die…

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