Papas Geburtstag

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An Neuffer Im März 1794 Noch kehrt in mich der süße Frühlig wieder, Noch altert nicht mein kindischfröhlich Herz, Noch rinnt vom Auge mir der Tau der Liebe nieder, Noch lebt in mir der Hoffnung Lust und Schmerz. Noch tröstet mich mit süßer Augenweide Der blaue Himmel und die grüne Flur, Mir reicht die Göttliche den Taumelkelch der Freude, Die jugendliche freundliche Natur. Getrost! es ist der Schmerzen wert, dies Leben, So lang uns…

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Den Turm verlassen

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Alle paar Tage verlasse ich den Turm meiner Wohnung, wenn meine reale Anwesenheit tatsächlich erforderlich ist. Gegebenenfalls ist die Benutzung eines Gefährtes des öffentlichen Personennahverkehrs nötig, ein Omnibus Regensburgs. Führerschein und Auto besitze ich aus Rücksicht auf meine Umwelt nicht.

An sich liebe ich das Busfahren, also genauer das Mitfahren im Bus. Eine gute Zeit für Lektüre mancher Magazine oder dünner Reclambändchen. Doch dieses mal, weiß der Geier warum, packte ich Band 1 einer Hölderlin-Ausgabe in meine linke Jackentasche. Das empfahl sich insofern schon, als zahlreiche kleine oben aus dem Buch ragende Zettel versprachen, hier wolltest du doch noch einmal reinschauen. Das tat ich dann auch, aber es wurde immer merkwürdiger. Mit der Zeit stiegen Schüler um Schüler in den Bus hinein, um aus der Stadt heraus an ihren Stadtrandbereich gebracht zu werden.

Da saß ich nun, umgeben von pubertierenden und anders heranwachsenden Jugendlichen und blätterte in einem Buch. Ja, in einem Buch. In so einem Umfeld kann ich dann gar nichts mehr wahrnehmen, wage nicht einmal den Kopf zu heben, hoffe darauf, dass ich als wunderlicher Alter einfach als Kuriosum der Alten Welt ignoriert werde.
Süß ists, zu irren
In heiliger Wildnis
— — — —

Schnell hat man sich so eingeigelt, taucht ab, während der Bus die Kurven schwungvoll nimmt.
Wenn dann in kommender Zeit
Du einem Guten begegnest,
So grüß ihn, und er denkt,
Wie unsere Tage wohl
Voll Glücks, voll Leidens gewesen.
Von einem gehet zum andern

Es wird warm einem dabei, der Geist schlägt Kapriolen, erhellt und verdunkelt sich in einem, wie in einem Tunnel, der, je tiefer er wird heller wird.
Der Meer auch und Ströme müssen
Den Pfad sich suchen. Zweifellos
Ist aber Einer. Der
Kann es täglich ändern Kaum bedarf er
Gesetz. Und es tönet das Blatt und Eichbäume wehn dann neben
Den Firnen. Denn nicht vermögen
Die Himmlischen alles. Nämlich es reichen
Die Sterblichen eh an den Abgrund. Also wendet es sich, das Echo,
Mit diesen Lang ist
Die Zeit, es ereignet sich aber das Wahre.

Das lässt man sich Zeichen für Zeichen, Wort für Wort, Satz für Satz, Klang für Klang in seinem Kopfe wie in einer Raumkomposition umherwandeln. Ein Ausschnitt nur aus der zweiten Fassung von Mnemosyne. Ein Blick in die dritte verrät, der Gedanke ist wieder getilgt und man fragt sich warum.
Ein Zeichen sind wir, deutungslos,
Schmerzlos sind wir und haben fast
Die Sprache in der Fremde verloren.

Verworfen, überliefert, für sich stehend. Wie passiert das, wie passiert mir das, wie widerfährt das mir gerade jetzt, warum sagen mir heute diese Worte etwas, die ich vor Zeiten als vollkommen unverstehbar wahrnahm. Ich muss aussteigen! Haltestelle — Endstation — Baustelle.
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Die Kritische Tasche der kritischen Masche

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Haha. Nu werden se alle intim, die Pepas, Renes, Kaltmamsells und zeigen ihren letzten Chic aus Sicherheitsgurten und LKW-Planen. Da kann ich nur lachen, diese Zeitgeist-Taschenträger. Sollen se doch. Ich bin aus einem andern Zeitalter und so sehe ich auch aus. Wer seinen Opa nicht ehrt …

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Tagesmax

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Pressemitteilung: Gestern Tagesmax. Unerlaubter Nachdruck gestattet. Belegexemplar erbeten.

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Mythen des Alltags II: Zeit ist Geld

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Zeit ist Geld, sagt ein Sprichwort. Aber es ist genau umgekehrt: Geld ist Zeit.

Station I: Kaufhof, Edeka-Markt. Alles ist hier teurer als sonstwo, normalerweise. Die Kassen sind wenig besetzt, aber es auch nur wenig Kundschaft unterwegs. Entscheidung für Kasse 5, vor mir zwei junge Männer, der eine ist schon beim bezahlen. 4 Euro und paar Popel. Scheckkarte gezückt und bezahlenwollend. Geht nicht, mit Karte geht erst ab fünf Euro. Also zurück in den Laden durch die Gassen und irgendwas finden, was den Mann über die fünf Euro bringt. Mitleidiges Lächeln. Fertig. Dann nur noch ein weiterer junger Mann, „bloß“ mit einer Chipstüte. 1 Euro und ein paar Zerquetschte. Aber es passiert, was passieren muss. Der Mann greift in seine Tasche, macht aus beiden Händen eine Kugel und legt Unmengen kleinster Münzen wie ein Opfer auf das Kassenband. Vier Minuten später war alles von der Kassiererin durchgezählt. Genauso lange dauerte das Stück-für-Stück-Aufklauben der übrigbleibenden Münzen. Meinen angesäuerten Blick erwidert der Mann mit einem, der soviel bedeutet: „Warte Bürschchen, ich mach dich kalt, du feiste Drecksau, du Arschgesicht.“

Station II: Tabakladen W. zwecks Nachschub. Freundlich halte ich einer jungen Besucherin die Tür auf und lasse diese auch noch vor. Man ist ja gut erzogen. Auch sie bestellt nur ein Produkt, Drum in blau. Fein, das geht flott. Aber heute scheint der Tag des Kleingeldes zu sein und ich habe es nicht mitbekommen. Auch sie kramt sich durch ihre Geldbörse, Cent für Cent um am Ende feststellen zu müssen, dass fünf Cent fehlen. Na danke. Geld zurück und Schein hingelegt. Das wars. Als ich dann selbst zur Tat schreiten möchte, bedeutet man mir, dass das Zeug in der montäglichen Lieferung vergessen ward. Aber ich könnte doch das gleiche Produkt in anderer Packungsgröße beziehen. Sie hätten da eine Tonne von, würden die im Zweifel auch kostenfrei liefern. Das letzte mal, als ich dies machte, hatte Regensburg den ganzen Herbst und Winter lang Nebel. Neenee.
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Symantec … mag seine Kunden nicht

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Datenschutz und Wurmkur: mit so’n Zeug von Norton Krawatzki soll man sich sicher fühlen. Koofen und installieren oder updaten oder renewen. Das war damals schon eine Angelegenheit von mindestes drei Stunden. Nun lief der Viren- und Wurmschutz aus und zur Sicherung der eigenen Sicherheit knallte mit das Programm vor: Nur noch 28 Tage, nur noch 27 Tage … nur noch zwei Tage. Jetzt war Schluss mit übergehen und reinbeißen und neu bezahlen den Dienst war angesagt. Geht ja auch so schön online und wozu lässt mein Nachbar auch immer seine Kreditkarte so offen herumliegen. Ratzfatz, Formular augefüllt und sämtliche Posthäkchen (Sie werden informiert, bis ihr Postfach platzt) wieder abgewählt.

Den letzten Knopp angeklickert und in der Zeit den Hinweis gelesen, dass der Vorgang mindestens 30 Sekunden dauern würde, man mög daher nicht die Seite aktualisieren und nicht ein zweites mal auf den Abschicken-Button klickern. … … … … Warten … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … Warten, zwei Minuten, drei Minuten. Es tut sich nichts und nichts und nichts, dann, ich habe mich schon anderen Dingen zugwandt, schaue nur gelegentlich in die Taskleiste, yepp, es hat sich was getan. Prima. Nur nicht das Erhoffte. Irgendwie gibt der Symantec-Server die Info aus, dass da was nicht vom Server ausgeführt wurde:
Service Temporarily Unavailable
The server is temporarily unable to service your request due to maintenance downtime or capacity problems. Please try again later.
Apache/1.3.12 Server at www.symantecstore.com Port 80

Bullshit.

Mit den Zurück-Buttons zurück und noch mal abschicken, was natürlich nicht klappt aus Gründen, die mir der kleine Text unten zwar angedeutet hat. Also das ganze noch mal von vorn. Und wieder kommt dann diese Warten und Warten und Warten. Zwischenzeitlich das Postfach kontrolliert. Symantec hat mich angemailt und mir den benötigten Code geliefert. Prima. Im Firefox also schnell das Warten abgebrochen. Aber man ahnt wohl, was dann passiert ist. Bald hatte ich eine zweite Mail im Postfach. Doppelt gezahlt für das Gleiche. Bullshit zwei.

Man kann ja versuchen, das richtigzustellen und die Email retournieren. Aber denkste, dazu sagt die Mail:
Bitte schreiben Sie auf diese E-Mail keine Antwort. Diese E-Mail-Adresse ist nicht dafür eingerichtet, Antworten zu empfangen.
Auskunft zu Ihrem Abonnement erhalten Sie unter der Adresse
http://www.symantec.de/desupport

Das ist nett. Also auf die Support-Seite und dort eine Email-Adresse oder ein Kontaktformular suchen, um daran etwas zu ändern. Bullshit numero drei: Sowas gibt es da nicht, jedenfalls konnte ich nichts dergleichen finden, auch nach mehreren Klicks nicht. Stattdessen wühlt man sich durch die FAQs hindurch. Die FAQs geben wirklich viele Antworten, nur wird nirgends die Frage gestellt, die ich habe. Doch da findet sich dann der nette hoffnunggebende Link:
Ich habe ein Problem mit den Abonnements, das hier nicht aufgeführt ist.
Und der der führt – die Gewissheit brauchte ich – zu weiteren FAQs. Fuckfuckfuck, ich kanns nicht mehr lesen.

So etwas ist eben nicht vorgesehen. Was erlaube ich mir auch eine Frage, die es nicht geben kann. Klar, die wollen sich ihre Kunden vom Leib halten. Im Zweifel gibt es eine kostenpflichtige technische Unterstüzung:
29 € / 42 sFr. pro Anfrage, 9.00 bis 17.00 Uhr, Montag bis Freitag.
Günstig finde ich das nicht, es ist nur unwesentlich billiger als das Produkt selbst und der Hinweis:
Die Kosten werden Ihnen erlassen, wenn der Unterstützungsmitarbeiter feststellt, dass das Problem durch das Produkt verursacht wurde.
macht auch keinen Mut, denn das Produkt hat ja kein Problem verursacht.

Nein, Norbert, so nicht. Dein Netz ist nicht sicher, es ist dicht gegen Kunden. Falls die zweite Transaktion also, wider Erwarten doch abgebucht werden sollte, dann werde ich eben reklamieren müssen oder den Deppenn dort einen Virus an den Hals schicken, der sich nicht gewaschen hat.
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Philosophisches Schnarchen

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Ebenfalls gestern abend mit einem jungen Studenten ein paar Takte über Nietzsches „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne“ disputiert und mich ganz schlau gefühlt, obwohl ich den Text gar nicht präsent hatte. „Jaja, das 19. Jahrhundert und de Sade nicht vergessen … ein Pfarrer … die Moral … Abschied von der Gewissheit … Systeme sind wie Autos … Metaphysik des Schwebens …“
Dazu [„Reize zu empfangen und gleichsam ein tastendes Spiel auf dem Rücken der Dinge zu spielen“] läßt sich der Mensch nachts, ein Leben hindurch, im Traume belügen, ohne daß sein moralisches Gefühl dies je zu verhindern suchte: während es Menschen geben soll, die durch starken Willen das Schnarchen beseitigt haben. Was weiß der Mensch eigentlich von sich selbst!

Der olle Fritzi kann aber auch Fragen stellen!
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Kritische Masche

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Manchmal ist Kritik auch nur eine Masche.
Nu lass mich doch mal meinen unklaren Gedanken zum Ende bringen,

sagte ich gestern abend zwar nicht, aber dennoch verkeilte sich der Gedanke zwischen Finnland und Irland, als F. sagte, die Utopie dauerte genau fünf Tage und ergänzte, es würden einmal Historiker ein Entwicklungsmodell von Gesellschaften entdecken, wonach jede Gesellschaft zur Weiterentwicklung ihrer selbst einmal durch die Bananenphase gegangen ist oder gehen muß.
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John Peel

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John Peel in Peru gestorben.

Listen to „A Short Sentimental Interlude“ from 1969’s John Hartford. (1 meg, wav file). Ein musikalischer Gruß aus dem Schattenland — von John Hartford.

Tributes & Condolence Messages.
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