Wolfram Weimer: Der Beauftragte von WELT TV?

Man kann sich schon fragen, in welchem Umfang der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, sein Amt ausüben soll. So beschwert er sich bei WELT TV nach Mitteilung des Deutschlandfunks über die Fehler einer Berichterstattung in einer Nachrichtensendung des ZDF und empfindet dies als unangenehmen Vorgang. Da ich schlechterdings nicht auf die Originalquelle zurückgreifen kann, da ich WELT TV selbst als unangenehmen Vorgang in der deutschen Medienlandschaft empfinde, hier die Art der Argumentation einer Person der Bundesregierung, die sich dazu gerne als Privatmann äußern kann, aber nicht in ihrer politischen Funktion.

Der Vorfall untergrabe ein Stück weit die Glaubwürdigkeit des Senders, sagte der parteilose Politiker dem Sender Welt TV. Es sei gut gewesen, dass sich das ZDF für das Vorgehen entschuldigt habe. Fehler passierten in Redaktionen. Es müsse aber in den Arbeitsabläufen sichergestellt werden, dass so etwas nicht mehr geschehe, meinte Weimer.

Quelle: Beitrag mit KI-generiertem Material – Weimer zu Fehlern beim ZDF: “Unangenehmer Vorgang”

Fehler passieren, das gesteht er ein. Aber wenn sie eben auch passieren, kann man nicht sicherstellen, dass sie nicht mehr passierten. Man kann halt nur versuchen, sie, soweit es geht, nach Möglichkeit, auszuschließen.

Natürlich spielt der Beauftragte hier ein Spiel, bei dem er selbst keine Rolle spielen sollte. So wie vor fast einem Jahr, als er im Zusammenhang mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wieder den Begriff des „Zwangsbeitrag“ in den Raum des Rechtssprechs warf.

Wie weit sich der Beauftragte in Medienfragen einmischt, die nicht auf Bundesebene zu verhandeln sind, hat sich auch Anfang Januar gezeigt, als Weimer beim Start des Senders „Ella“ auf einer UKW-Frequenz in Berlin und Brandenburg dabei war und das Wort ergriffen hat:

„Der Start von Ella Radio ist ein tolles Signal für die kulturelle Vielfalt der Musik. Jazz ist immer geprägt von der Persönlichkeit der Künstlerinnen und Künstler. Wenn auch die jüngere Zielgruppe bei Ella die Faszination von Jazz, Soul und Blues erleben kann, begrüße ich das sehr. Ich wünsche einen guten Start!“

Quelle: Pressemitteilung des Senders

Das Absurde daran, einen Jazz-Sender für Berlin und Brandenburg gab es auch zuvor seit circa 30 Jahren, der genau diese Farbe (Jazz) anbot: Nennt sich JazzRadio, gibt es immer noch, aber ohne Sendelizenz für UKW. Dass das alte JazzRadio Berlin über den Rausschmiss nicht amused ist, verwundert kaum; es geht am Ende auch um Geld aus Werbeeinnahmen. Die Neuvergabe der Sendelizenz für UKW durch die medienanstalt_berlin_brandenburg wirft dabei zudem Fragen auf.

Auch beim Radiostart wäre Weimer als Privatperson akzeptabeler Gast, aber als Staatsminister des Bundes hat er sich nicht in Fragen der Medienkultur der Länder einzumischen, schon gar nicht durch aktive Anwesenheit. Mal davon abgesehen, dass der Beitrag auch inhaltlich ziemlich wenig substantielles Wissen verrät.

Eigenartig ist auch die Nähe des Jazzinstituts der UdK Berlin in diesem Zusammenhang. In der nämlichen Pressemitteilung liest man:

Prof. Paulo Morello vom Jazz Institut Berlin (UdK): „Ella ist ein Spiegel der lebendigen Jazz-Szene in der Hauptstadtregion. Großartig finden wir, dass ein Radiosender auch dem Jazz-Nachwuchs die Chance gibt von einer breiten Öffentlichkeit stärker wahrgenommen zu werden.“

Quelle: Pressemitteilung des Senders

Das sagt der Professor, obwohl der Sender erst wird zeigen können, was in ihm steckt. Das Programm ist recht übersichtlich von 6 Uhr morgens bis 20 Uhr abends strukturiert im Sendeplan zu erkennen, was zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens läuft: Keine Angabe dazu.

  • 06-10 Uhr: Ellas Morgen ist Dein musikalischer Weckruf – ruhig, stilvoll und informativ.
  • 10-14 Uhr: Ellas Mittag ist Musik, die Dich durch den Tag trägt.
  • 14-18 Uhr: Ellas Nachmittag verbindet entspannte Musik mit klarem Überblick – für einen Ausklang des Arbeitstags mit Klasse.
  • 18–20 Uhr: Ellas Abend steht für Genuss, Emotion und musikalische Tiefe.

So sieht dann die Arbeitswoche aus. Am Wochenende ist es etwas anders, aber der Wohlfühleffekt soll bleiben. Von: „Ella ist ein Spiegel der lebendigen Jazz-Szene in der Hauptstadtregion. Großartig finden wir, dass ein Radiosender auch dem Jazz-Nachwuchs die Chance gibt …“ findet sich da nichts. Kulturelle Vielfalt des Jazz? – Herr Weimar, Herr Morello: Wo, wann, wie?

Kurzum: Was sollen die vielen kleinen Sticheleien und Einmischungen des Staatsministers Weimer in Sachen Medien?

An dem Platz, wo Weimer tatsächlich aktiv werden könnte, nämlich bei der Finanzierung der „Deutschen Welle“, ist er still. Womit er auch zeigt, dass ihm seine Aufgabe offenbar über den Kopf wächst. Der Deutsche Kulturrat fordert: Keine Verzwergung der Deutschen Welle. Aber der Minister tingelt lieber durchs private Propaganda-Fernsehen.

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der huflaikhan

Betreiber der Kritischen Masse seit 1998. 2023 Wiederaufnahme.

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