Holzwege bei der GEMA – ein leidiges Thema

Eine unpersönlichere Botschaft ist kaum denkbar. He has no dream, The Holzmüller. Reichtum im Salär, Armut im Geiste.

Wir wollen eine Förderung auf den Weg bringen, die die GEMA über ihre Rolle als reine Verwertungsgesellschaft hinaus stärkt …

Source: Persönliche Botschaft von Tobias Holzmüller zur Neuausrichtung der Kulturförderung

Was soll denn die GEMA sonst sein, als eine Verwertungsgesellschaft, Tobias Holzmüller. Ein Copyright-Dealer für amerikanische Urheberrechtsausbluter? Oder auch europäische? Gerade erst durchgedealt: Concord, die sich in den letzten Jahren Boosey & Hawkes (inkl. Bote & Bock) einverleibt hatten, das zuvor Sikorski weggeschluckt hatte, ist nun selbst aufgefressen von BMG (Bertelsmann Music Group). Die Monopolisierungstendenzen gehen immer weiter. Was im Label-Sektor vor über 20 Jahren begann, ist nun Verlagstatsache. Mich sollte es nicht mehr wundern, wenn diese Mega-Mutterverlage sich einfach von der GEMA unabhängig machen.

Nur was macht die GEMA? Sie biedert sich in Funktion von Vorstand und Aufsichtsrat vorab an, denkt, sie habe das Heft noch in der Hand und müsse nur ein paar Zugeständnisse machen, um das Problem zu lösen. Aber man kachiert es nur und gibt bei der Gelegenheit alles auf, wofür die GEMA einmal stand, jenseits neokapitalistischem Wirkens. Die Botschaft von Tobias Holzmüller ist klar. Verwertungsgesellschaft: Warum, wozu? Das ist so 20. Jahrhundert. Von vorgestern, romantischer Quatsch. So wie die E-Musik als Kulturleistung einer aufgeklärten, freundlichen, sinnlichen Gesellschaft. WIR SIND DOCH ALLE U!

Und das verbrämt man mit angeblicher Nachwuchsförderung. Wie lächerlich:

Statt Lebensentwürfe dauerhaft zu finanzieren, soll die Kulturförderung gezielt musikalische Innovation und die nächste Generation von Komponistinnen und Songwritern stärken.

Source: Persönliche Botschaft von Tobias Holzmüller zur Neuausrichtung der Kulturförderung

Wie also finanziert man eigentlich einen Lebensentwurf – dauerhaft? Was für ein sprachlicher Unsinn. Aber okay, genauso wenig müsste man den Lebenslauf von Tobias Holmüller dauerhaft finanzieren, sondern dem Nachwuchs eine Chance geben in der Funktion des Vorstandsvorsitzenden der GEMA. Ab sofort macht der Holzmüller alles rein ehrenamtlich.

Und was für ein inhaltlicher Unfug das auch ist. Man kann es kaum verstehen, wie so ein Mensch als Vorstandsvorsitzender der GEMA eingesetzt werden konnte. Das versteht zum Ende nur jemand, der weiß, dass Holzmüller von wem genau berufen wurde: vom Aufsichtsrat, so weit ich weiß. Und wer sitzt dem vor, wer hat dem einen Maulkorb via Loyalitätspflicht verpasst? Es ist dabei so bitter, dass selbst Leute einiger Reputation dem ganzen Treiben eigenartig tonlos oder zustimmend zusehen. Und „Vollinformierte“ ebenso. Enttäuschend!

Die Botschaft des Amts für Vermassungsschutz

Das Amt für Verfassungsschutz hat auch eine Botschaft, nicht an seine Mitglieder, sondern an die Delegierten der Mitgliederversammlung der GEMA: Zieht die Reißleine! Lehnt ab, was Vorstand und Aufsichtsrat für Euch ausgedacht haben. Und rettet die GEMA vor ihren Urheber:innen-Enteigner:innen.

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der huflaikhan

Betreiber der Kritischen Masse seit 1995. Seit 2023 Wiederaufnahme. Promotion mit einer Arbeit über Adornos kompositorische und theoretische Auseinandersetzung mit der Zwölftontechnik. Arbeit für den Bayerischen und den Mitteldeutschen Rundfunk als freier Autor und Regisseur – zumindest bis Ende 2015. Online-Redaktion für neue musikzeitung, Jazzzeitung und Oper & Tanz. Unglücklich, aber fast taub.

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