Kritische Masse
Im Jahre 2000. Schocking. Braucht man schockwave für. Heiliges Kanonenrohr. Was habe ich gebastelt.
Im Jahre 2000. Schocking. Braucht man schockwave für. Heiliges Kanonenrohr. Was habe ich gebastelt.
Peinlich für die FAZ-Kultur, sofern da eine jemals war:
Umbenennung: „Die Gegenwart“ wird „Neue Gegenwart“
Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) hat im August 2004 den Studenten und Grimme Online Award-Preisträger Björn Brückerhoff (26) aufgefordert, sein Medienmagazin „Die Gegenwart“ umzubenennen und der FAZ die Domain „www.diegegenwart.de“ zu überschreiben.
Grundlage dieser Forderungen ist die 1960 durch die FAZ angemeldete Wort-/Bildmarke „Die Gegenwart Berichte Dokumente Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Nachdem die Parteien rund ein Jahr über die Forderungen der FAZ verhandelt haben, hat die FAZ Ende August 2005 zur Durchsetzung ihrer Forderungen eine Klage vor dem Landgericht Frankfurt eingereicht (Streitwert 40.000 Euro). Björn Brückerhoff hat sich inzwischen entschlossen, das Magazin „Die Gegenwart“ ab Februar 2006 umzubenennen.
Sein Magazin „Die Gegenwart“ wird ab Februar 2006 unter dem Titel „Neue Gegenwart“ weiter erscheinen.
Die neue Adresse des Magazins lautet: www.neuegegenwart.de.
Das ist immer so eine Sache mit sowas. Die Rechte der FAZ mögen rechtens sein, von mir aus soll die FAZ die Gegenwart nehmen. Mir war die Gegenwart der FAZ bislang unbekannt.
Bei denen, die die Gegenwart (also die kommende Neue Gegenwart schätzten), wird der FAZ-Vorgang nicht besonders gewürdigt werden. Ich schätze, das Gegenteil (oder das Neue Gegenteil) dürfte der Fall werden.
Ich konnte die FAZ ja noch nie leiden. „Du bis Deutschland“, dafür hat sie Geld, aber für die Gegenwart hat sie nichts übrig.
(mehr …)
Manchmal schämt man sich, dass man „Musikwissenschaft“ studiert hat, aber auch ohne wäre es das Gleiche. Da hört man Musik, mit der äußersten Anspannung und auch mit einer tiefen Durchlässigkeit. Zu meinen Favoriten für eine derartige Musik gehört Keith Jarrett. Erst dieses Jahr habe ich mir nach großem Zaudern das „Köln Concert“ zugelegt. Dazu bestellte ich mir „The Melody At Night, With You“. Und diese Platte höre ich nun immer wieder und immer wieder neu.
Klar, die Umstände sind vielleicht bekannt, Jarrett befiel so eine Art chronisches Erschöpfungssyndrom, bin ja kein Arzt und habe ihn auch nicht behandelt, es ist denn auch allem Anschein nach etwas wie eine Depression. Es war aus mit dem Musizieren, Jarrett konnte, nach eigenen Angaben, nicht einmal mehr den Deckel seines Pianofortes öffnen. Das Trio mit Peacock und DeJohnette pausierte. Es passierte nichts.
„The Melody At Night, WIth You hat“ er für seine Frau gemacht, dann eben doch, nach langer Ruhe, die nicht freiwilig war. Diese Stücke dort sind in der Regel Standards. Die Musik ist reduziert und eingekapselt. Reduziert heißt hier: Gänzlich zurückgenommen. Keine Virtuose Spielerei, keine unendlichen Ostinati. Viele Oktavparallelen, auch das Pathetische ist wie hinter Milchglas. Keine Feierlaune, naja, das Wort, das fehlt: besinnlich. Schwer zu sagen. Aber eben nicht wehleidig. Eine große Platte, ja herzergreifend auch. Ja, das auch — und vor allem das.
Man öffnet da die Ohren unweigerlich immer ein Stück weiter, das Tagewerk bleibt liegen, die Nacht, vor allem die, findet ihr Herz. Man kehrt ein, man findet zurück, man bleibt auf der Stelle, die Musik stülpt sich wie zum Schutz um einen herum. Das heißt: Es geschehen lassen.
Der gemeine Musikwissenschaftler hat da seine Probleme, er muss hinter die Tonfassaden schauen, muss begreifen wollen, wie so etwas „funktioniert“ — und daran findet er auch hoffentlich immer Vergnügen. Doch wenn man das abstreift, wenn man beiseite lässte, ob etwas ein Ton trockener ist als der andere. Diese Platte ist aber so ungeheuerlich, dass man wie gezungen ist, mal einem Ding seinen Lauf zu lassen.
Ich wünschte das vielen. Es ist doch eine so herrliche Sache mit der Musik, sie kann eine Art Droge sein ohne dioe schädlichen Nebenwirkungen zu sein. Sie kann das Herz rein machen helfen. Sie kann sich verströmen lassen, sie kann einen aufgehen lassen, sie kann einen Gefangennehmen und Loslassen in einem Vorgang. Das alles kann, wenn sowohl sie dazu angetan ist wie jemand, der sie hören kann. Bei Jarrett habe ich nie das Gefühl gehabt, einer musikalischen Lüge auzusitzen oder ein Peinlichkeit, bisher wirklich nicht, bei keiner Platte. (Seine Aufnahme mit nichtimprovisierter Musik lasse ich mal außen vor. Die haben mich von sich aus nie angesprochen.)
Keith Jarrett: The Melody At Night, With You
ECM 1675 — erschienen 1999 Tracklist
(mehr …)
Der mit den Gänsen flüstert.
Gänseberuhigung durch Dr. Hufner. MP3 27kB something, ein paar Sekunden.
Mit einem Pssss kann konnte man dem Geschrei Herr werden. Auf dem Lande, irgendwo in der Brandenburgischen Pampa.
(mehr …)
Vor einiger Zeit fragte die Kritische Masse:
!++3++!
Wie immer, zahllose Beteiligung beim Tippen. Vielen Dank. Die Lösung bin ich freilich schuldig.
Es lagen die wenigsten richtig. Es handelt sich um Meta Design, die Design-Schmiede aus Berlin. Ein typischer Betrieb des Mittelstandes, der eben eine Philosophie braucht. „Das ist meine Philosophie“ hat früher gerne wer gesagt, wenn er meinte: „Das ist meine Meinung.“ — Das ist halt so meine Philosophie, so sehe ich das. Philosophie als das, was sie nicht ist, als Weltanschauung.
Jetzt erst, noch einmal, wird Adornos erster Satz aus der Einleitung der „Negativen Dialektik“ verständlich:
Philosophie, die einmal überholt schien, erhält sich am Leben, weil der Augenblick ihrer Verwirklichung versäumt ward. Das summarische Urteil, sie habe die Welt bloß interpretiert, sei durch Resignation vor der Realität verkrüppelt auch in sich, wird zum Defaitismus der Vernunft, nachdem die Veränderung der Welt mißlang. (
) Der introvertierte Gedankenarchitekt wohnt hinter dem Mond, den die extrovertierten Techniker beschlagnahmen.
[Band 6: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit: Einleitung. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 2830 f.
(vgl. GS 6, S. 15) http://www.digitale-bibliothek.de/band97.htm ]
Adorno konnte dies nicht wissen, aber er musste es auch nicht. Denn diese „Philosophie“ ist ein Topos der Geschichte. Man ersieht daran, wie wenig sich bisher überhaupt änderte.
Während das „Reform“-Wort immer wieder aus dem Säckel der politischen Auseinandersetzung wie der Knüppel aus dem Sack gezogen wird, hat die Welt sich wenig geändert, jedenfalls nicht unter dem Schein des täglichen Bildes, welches uns seit Jahren neu projeziert wird.
Zur Philosophie wird stilisiert, was eigentlich nur Blendwerk ist. Insofern auch gibt das Wahlergebnis (sozusagen als philosophisch-empirische Forschung) etwas vollkommen Richtiges und Banales wider: Die Auswechselbarkeit der Agenten der Aussage. Es könnte wirklich jeder gesagt haben — nur eben kein Philosoph. Zumindest keiner, der diesen Namen verdiente.
Dem Markt entgeht keine Theorie mehr: eine jede wird als mögliche unter den konkurrierenden Meinungen ausgeboten, alle zur Wahl gestellt, alle geschluckt.
[Band 6: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit: Einleitung. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 2832
(vgl. GS 6, S. 16)http://www.digitale-bibliothek.de/band97.htm ]
„Die Entzauberung des Begriffs ist das Gegengift der Philosophie“, schreibt Adorno. Wenn ich ganz findig wäre und wenn es überhaupt möglich wäre, wäre es nicht so dumm, würde ich sofort eine Kanzlei beauftragen, all diejenigen abzumahnen, denen Philosophie nur den Pseudoschmuck zu ihrem profanen Tagewerk darstellt. Diese Möglichkeit bleibt verwehrt, nicht dagegen die Realität, die sich unphilosophisch dagegen absperrt und dieses Mittel als Wahl setzt.
Den Heise-Verlag hat so ein Landgerichts-Urteil aus Hamburg erwischt, wonach Forenbeiträge vorderhand zu beurteilen seien. Heise lässt nicht locker, das ist gut so. Das Recht, nicht das Wissen, befördert eine Prekarität der gesellschaftlichen Selbstorganisation. Oder ein Beispiel, welches ich über Pepa entdeckte. Sozialrichter Jürgen Borchert versachlicht eine Diskussion um die problematische Lage von Familien. Das heißt, er macht aus menschlichen Problemen sachliche. Er macht sie zu Sachen. Sein eingeschränkter Blick macht Menschen zu puren Gegenständen beliebiger Gesetzgebungsvorschläge. Dabei umgeht er ganz absichtlich und grundsätzlich die Frage danach, was denn überhaupt gewollt sein kann und muss. Und so einfach sieht dann seine Philosophie im Detail aus:
Was bedeutet das konkret?
Borchert: Zunächst brauchen wir eine Reform der Einkommenssteuer, die hier wieder Gerechtigkeit schafft.
Gerechtigkeit, ein Wort das ihm wohl aus Versehen so herausrutscht. In einem so eigeengten Sinne Gerechtigkeit als diejenige vor der Einkommenssteuer zu sehen — man könnte auch sagen: „Das ist halt so meine Gerechtigkeit“ — zeigt den fatalen Verfall der Begriffe durch ihre Vernutzung. Da tut Gegengift not. Nur ist dies nicht so einfach zu haben.
Gegen Borchert hat schon vor gut 200 Jahren der simple Hegel in seiner Rechtsphilosophie gesehen:
§ 175
Die Kinder sind an sich Freie, und das Leben ist das unmittelbare Dasein nur dieser Freiheit, sie gehören daher weder anderen noch den Eltern als Sachen an.
[Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts. Quellen Philosophie: Deutscher Idealismus, S. 19267 (vgl. Hegel-W Bd. 7, S. 327) http://www.digitale-bibliothek.de/QP03.htm ]
Das freilich würde ganz andere Konsequenzen nach sich ziehen, die sich rechtlich und politisch anders äußern müssten.
(mehr …)
Empfangen am 15.4.2004. Spam schafft es immer noch zu mir.
Sie sind sowohl sprachlich als auch mathematisch begabt. Außerdem haben Sie ein gutes Auge. Ihr größtes Talent jedoch ist Ihre nimmermüde Erfindungsgabe. Das macht Sie zu einem Einfallsreichen Erfinder. Die Brillanz Ihrer Ideen überrascht Sie oft selbst. Und während Sie noch staunen, brüten Sie schon die nächste aus. Einfallsreiche Erfinder wie Sie haben immer Pläne, die nur darauf warten, in die Tat umgesetzt zu werden. Deshalb strömen die Menschen in Scharen zu Ihnen, um…
Ich mag den Klang seiner Gitarre, seine unspektakuläre Art, die Töne herauszukizzeln, die Art der Arrangements. Ich mag das seit Gary Larsons „Tales from the Far Side“ (einem Trickfilm, zu dem Frisell Musik beisteuerte; Video leider verliehen und nie wieder gesehen*) und auch seit den diversen Coverversionen von Popsongs.
East/West, im Trio mit Tony Scherr (West) und Viktor Krauss (East) bass, acoustic guitar und Kenny Wollesen drums, sind zwei CDs mit Live-Mitschnitten aus dem Village Vanguard (New York) und dem Yoshi’s (Oakland, CA). Die Musik flutet da gar manchmal ziellos herum, treibt auf sich selbst zum Beispiel im Stück Ron Carter [CD 2, Track 4]. Das ist alles eine im angenehmen Sinn schöne Versenkungsmusik. Ich muss zugeben, dass mir überhaupt nicht klar wird, wie das Stück in sich gestrickt ist, wie es zum etwas rockigen Part gelangt. Man wird da einfach mitgezogen.
Die meisten anderen Stücke sind bewährt und durchsichtiger, gleichwohl voller elektrischer Zartheit. Frisell jedenfalls kann ich mir immer wieder antun. Schöne Musik.
Bill Frisell: East/West,
Nonesuch 7559 79863 2 | Website
*) Leider hat der, dem ich es verliehen, es weiter verliehen, sich mit dem verstritten und so bekam ich ersatzweise einen Schnaps, was soll man machen. Sich ärgern hat keinen Sinn, weg ist weg.
(mehr …)
Warum regieren so wenig Frauen? Emmieze Schwarzer gibt Auskunft: Schülern der 4a, Grundschule Hengersberg, Bayern. (Real Audio) Mehr News gibt es hier.