Öffentlich-rechtlich – das Scheitern einer Ehe

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Das rief die Intendanten von WDR und ZDF sowie die Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) auf den Plan. Anlass ist die Überprüfung des Online-Angebots der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Darf es sein, dass die durch Gebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten den Privatunternehmen Konkurrenz machen? Das nämlich meint der VRPT und der Vorgang der gestrigen Pressekonferenz ist in der FAZ dokumentiert. Unter anderem geht es um bestimmte und unbestimmte Formen der Werbung:„Der Privatsenderverband VPRT hat bei einer Untersuchung im…

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Kaffehaus

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Kaffeehaus

Du hast Sorgen, sei es diese, sei es jene — ins Kaffeehaus!
Sie kann, aus irgend einem , wenn auch noch so plausiblen Grunde, nicht zu dir kommen — ins Kaffeehaus!
Du hast zerrissene Stiefel — Kaffeehaus!
Du hast 400 Kronen Gehalt und gibst 500 aus — Kaffeehaus!
Du bist korrekt sparsam und gönnst Dir nichts — Kaffehaus!
Du bist Beamter und wärest gern Arzt geworden — Kaffeehaus!
Du findest keine, die Dir paßt — Kaffeehaus!
Du stehst innerlich vor dem Selbstmord — Kaffeehaus!
Du haßt und verachtest die Menschen und kannst sie dennoch nicht missen — Kaffeehaus!
Man kreditiert Dir nirgends mehr — Kaffeehaus!

Peter Altenberg

Ein Gedicht aus einer Zeit, da es alles noch nicht so kompliziert war. Die Kaffeehäuser von heute sind immer seltener solche Stationen der regenerativen Flucht. Umso schöner, dass ein solches doch direkt ein Haus weiter von meiner Wohnung liegt. Da kommt man von einer langen Fahrt heim, wurde gar herrlich chauffiert und bittet dann den lieben Fahrer zu einem abschließenden Espresso am Konditoren-Tisch. Da mag man noch so ungllücklich sein mit so einer Stadt, plötzlich fühlt man sich daheim. Der Konditor erklärt einem die Welt und einen selbst. Er registriert die feinste Veränderung der eigenen Seele, teils mit (mit)wissendem Grinsen, teils voll Überraschung, teils mit Genugtuung. Man sitzt noch nach Geschäftsschluss so da, unterhält sich über Arafat und bekommt Antowrten auf die Frage, was denn in den letzten fünf Tagen so in der Welt passiert ist. Man dreht die Münzen zwischen Schily und Beckstein, zwischen den total verkommenen 68ern, die ihren Controllern in den Arsch kriechen. Verfassungsrechtliche Fragen treten hinzu und noch ein Gast, ein angeheirateter Doktor der Jurisprudenz. Ein Keks wird gereicht. Jeder nimmt jeden auf den Arm. Kaffeehaus!

Und am besten, man sucht sich eine Schokolade, handgetafelt selbstredend, aus.
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Hölderlin

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Und siehe, mein Bellarmin! wenn manchmal mir ein Wort entfuhr, wohl auch im Zorne mir eine Träne ins Auge trat, so kamen dann die weisen Herren, die unter euch Deutschen so gerne spuken, die Elenden, denen ein leidend Gemüt gerade recht ist, ihre Sprüche anzubringen, die taten sich dann gütlich, ließen sich beigehn, mir zu sagen: klage nicht, handle! O hätt ich doch nie gehandelt! um wie manche Hoffnung wär ich reicher! – Ja,…

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Peter Weiss: 1979

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Der Widerstand wird erniedrigt, verhöhnt. Das Geld fließt ein, macht alles korrupt. Nur der Widerstand läßt sich nicht korrumpieren. Also muß er ausgelöscht werden. Peter Weiss, Notizbücher 1971-1980 Bd.2, Frankfurt/M. 1982, S. 893

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Container II: Alida – 2004

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<%image(20041104-gestaendnis.jpg|500|383|Das Geständnis)%>


Das Schlimmste am Nachmittag: Das Geständnis. „Ich habe den Auftrag erhalten, Dich umzubringen.“ Ja, mein lieber Schattenmann, aber musst du das auch noch so brüllen. Sieht eigentlich außer mir noch jemand diesen Scheiß? Warum brüllen die da immer so. Alida – Brüllen am Nachmittag. Ich habe dich betrogen! Ja, ich habe dich auch betrogen. Ja, und ich habe dich beim Betrügen betrogen. Ja, plötzlich stand ein junges sexy Ding vor mir. Ja, du mich auch. Du Arschloch. Du Schwein. Noch eine Kleinigkeit, ich muss dir gestehen, dass ich gar kein Mann bin. WAAAS? Seit fünf Monaten betrüge ich dich schon mit mir. WAAAS? FÜNF MONATE? Alida: Wer hat wen verlassen, nu aber raus! WEEER? Ich bin nur mit dir ins Bett gegangen, weil ich ein KInd wollte! WIIIEE? Ich bin doch gar kein Mann. WAAASS? Alida: Das macht mich jetzt doch ein bisschen stutzig, das verstehe ich nicht. Wer ist der Vater? Welcher VATER, denn? Ich hab wirklich einmal Sex gehabt mit einem anderen Mann, der dein Bruder, ähh meine Schwester ist. WAAAS? Ja und dann kam Mike. WEEER? Mike, dieses Arschloch. Alexandra ist deine Tochter! Alida: Wer ist jetzt der Vater?

Sowas passiert, wenn man zu viele Telerätsel auf NeunLIVE „moderiert“ hat. Das ganze Leben wird zum Rätsel. Und das ist nun eine so fürchterliche Erkenntnis, dass man gar nicht bemerkt, wie sich das Netzkabel des Fernsehers um die eigenen Beine geschlungen hat und der Rauswurf des Geräts der Tumbheit einen nur noch tiefer hinabzieht. Lecko mio.
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Peter Weiss: 1979

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In Vietnam, auf das 14 Millionen Tonnen Bomben gefallen waren. In Vietnam, wo sich 25 Millionen Bombenkrater befanden. Peter Weiss, Notizbücher 1971-1980 Bd.2, Frankfurt/M. 1982, S. 827

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GEMA und die Quote

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Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass sich dem Gema mit dem Thema Quote nicht auseinandergesetzt hat. Irrtum. Meister Kreile hat einiges dazu vom Stapel gelassen, und zwar am 30.6.2004. Die Verächter jeder Quotenregelung meinen, der Markt müsse es selber richten. Sie übertragen also eine ökonomische Gesetzmäßigkeit des Gütermarktes auf den musikalischen, ideell-kulturellen Markt. Das ist absolut ein Novum seitens der GEMA-Sprache. Ganz auf einmal redet sie vom ideell-kulturellen Markt. Es passt eben genau das…

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Peter Weiss: 1974

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Ästhetische Fragen sind immer politische Fragen Hier ist die Rede von einer Ästhetik, wie sie gesucht wird mitten im Widerstand gegen die brutalste Unterdrückung – (…) die Ästhetik, die sie wollen, ist die Ästhetik des Widerstands Peter Weiss, Notizbücher 1971-1980 Bd.1, Frankfurt/M. 1982, S. 423

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