Wolfram Weimer kann es einfach nicht

Der frühpubertierende Schönwetterpoet im Bundeskanzleramt hat Muffe. Bei Gegenwind setzt er seine Noise-Cancelnden-Ohrenschützer auf und zieht sich in seinen Sandkasten zurück. Aber die wars doch auch! Die Vorgängerin im Amt hat doch auch gecancelt. Und mehrfach das Haber-Verfahren aufgerufen, zum Beispiel für einen rechtsextremen Buchverlag (worum es genau ging, verschweigt der Schöngeist im Amt freilich). [Nachtrag1]. Verlag ist nicht Buchhandlung. Und wenn Claudia Roth das sogenannte Haber-Verfahren angewandt haben soll, kam sie wohl früher zu anderen Erkenntnissen in der Frage der drei Buchhandlungen, die Weimer nun aber ausgeschlossen hat. Wie kann das sein? Innerhalb eines Jahres müssen sich diese drei Buchhandlungen also wahnsinnig radikalisiert haben. Oder wie?

Das ist ganz schwach, Herr Beauftragter. Die Verengung des Diskussionsraumes beklagen und dann von oben mit dem Hammer draufhauen. Das erklären Sie mal den Töchtern von Friedrich Merz.

Übrigens ist die Liste der uneingelösten Versprechen der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien lang. Weimer hat den Kulturpass für 18-Jährige gekippt und versprochen, etwas anderes an seine Stelle zu setzen („Wir werden fortan andere Projekte der Kulturförderung für Jugendliche intensivieren“). Passiert ist nix!

Keine Pointe: Auch bei Kulturpass hat Wolfram Weimer ja „verfassungsrechtliche“ Probleme wahrgenommen. Das scheint die Methode der Wahl zu sein. Was ihm nicht gefällt, ist einfach staatsfeindlich, nicht verfassungskonform.

Die Förderung von Schallplattenläden, analog zum Buchhandlungspreis, mit dem Namen EMIL hat er still auslaufen lassen. Der Verband unabhängiger Musikunternehmer:innen e.V. (VUT) hat zwar angekündigt, dass er Wege suche, den Preis weiterzuführen, allein, bis jetzt ist nichts passiert.

Stattdessen: Auf der Haben-Seite (also dem HabenOderSchein-Verfahren) ein Verbot geschlechtergerechter Sprache in seiner Behörde. Und eine Empfehlung mit dem Zaunpfahl, es auch in anderen öffentlich geförderten Einrichtungen und Institutionen genauso zu halten! Gängelungsversuche in Sachen Kunstförderung. Die Förderung der Deutschen Welle dagegen wird gekappt. Nicht vorwärts geht es auch bei der Digitalabgabe oder -steuer, die die großen Internetkonzerne wie die Google-Mutter Alphabet und den Facebook-Konzern Meta treffen würde. Seit letztem Mai werde daran gearbeitet, angeblich. Zumindest wenn es die Zeit zulässt, neben dem ganzen Gesinnungsgeschnüffel von Amts wegen. Ich zitiere aus der dpa-Meldung:

Als es um die Frage gegangen sei, wer unter den deutschen Buchhandlungen preiswürdig ist, «haben unsere Beamten Informationen erhalten, die Zweifel aufkommen ließen, ob nun diese drei wirklich preiswürdig sind. Und dann haben sie, um ihr Urteil zu validieren, das sogenannte Haber-Verfahren aktiviert.» (Quelle: SZ)

Aber der Widerstand gegen seine erbärmlichen Willküraktionen nimmt zu. Nach der Absage der Buchhandlungspreis-Vergabe bei der Leipziger Buchmesse, lädt nun der Hanserverlag zur Feier ein. Und ich bin sicher, dass die Sache noch ganz groß werden könnte. Andere Verlage werden sich sicherlich beteiligen wollen. Die Börsenvereine des Deutschen Buchhandels stehen auch in Brandenburg/Berlin bereit.

Die Klage der drei vom Beauftragten ausgeschlossenen Buchhandlungen klagen derweil nicht nur medial, sondern auch juristisch.


Und bange schaut man auf das, was jetzt noch kommt … – eine rückwirkende Aberkennung der Buchhandlungspreise, die ja die Websites der der betroffenen Buchhandlungen weiterhin zieren. Ich vermute mal, sogar pflichtgemäß.

Start – Buchladen Rote Strasse Göttingen 03 11 2026 09 47 AM
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Ach ja: Darin der Link-Tipp: Lesen hilft


Ja, was für eine gefährliche Gurkentruppe ist da unterwegs mit den Merzes, Weimers, Reiches, Klöckners, Spahns …. Und die SPD, die sorgt nicht für Balance, sondern wie es scheint, nur für Checks. Sie hakt ab. Obwohl, in Hamburg, da sitzt einer, dem all das auch nicht passt.


Die Sache wird immer bizarrer. Der Anwalt, der die drei Buchhandlungen vertritt, schreibt, den Buchhandlungen sei vom BKM mitgeteilt worden per E-Mail:

Der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM) hat die drei vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Buchhandlungen aktiv getäuscht. In einer vom BKM zu verantwortenden E-Mail vom 10.02.2026 heißt es: „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Sie von der unabhängigen Jury nicht für eine Auszeichnung ausgewählt wurden. Die Jury hat sich bei dem sehr hohen Niveau der Bewerbungen die Entscheidungsfindung nicht leicht gemacht. Die getroffene Wahl schmälert deshalb keineswegs unsere Hochachtung für Ihr großes Engagement.“ (Quelle)

Das ist gelogen, denn die Jury hat die Buchhandlungen ausgezeichnet. Fakt ist:

Indes ist auch bekannt geworden, dass zwei der drei ausgeschlossenen Buchhandlungen sogar als „besonders herausragende Buchhandlungen“ prämiert worden wären und einen Preis in Höhe von 15.000 Euro erhalten hätten. (Quelle)

Gleichzeitig bekundet man „Hochachtung“ für das „große Engagement“. Also von Buchhandlungen, die angeblich wegen Extremismus-Vorwürfen später ausgeschlossen worden sind. Das ist dreist, übergriffig. Das ist Gift von Staats wegen.

  1. Nachtrag (12.03.26): Claudia Roth klärt auf und belegt, was ich bereits vermutet hatte:

    „Wenn Wolfram Weimer nun so tut, als hätte ich in meiner Amtszeit ähnlich gehandelt wie er jetzt beim Deutschen Buchhandlungspreis, ist das ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen – und der Versuch, sich reinzuwaschen, statt Verantwortung zu übernehmen“, teilte Roth mit. In einem Fall sei es damals um die nachträgliche Prüfung eines Fördervorgangs aus der Amtszeit ihrer Vorgängerin gegangen. Es habe der Verdacht im Raum gestanden, dass eine „bereits erschienene Publikation eines rechtsextremen Verlags gefördert worden sein könnte“, obwohl die Verlage ausdrücklich zugesichert hätten, keine verfassungsfeindlichen Inhalte zu produzieren. Deshalb sei im Nachhinein geprüft worden, ob gegen Förderbedingungen verstoßen worden sei und Fördermittel zurückgefordert werden könnten.
    „Das hat mit dem jetzigen Vorgehen meines Nachfolgers nichts zu tun, der eine unabhängige Juryentscheidung beim Deutschen Buchhandlungspreis politisch übergangen hat“, teilte Roth mit.
    ↩︎

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