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Ich denke, der Erfolg der Blaubraunen in Deutschland ist auch darin begründet, wie die Wähler:innen dieser Partei anders ticken, als die meisten anderen Wähler:innen. In meinen Kreisen findet sich immer wieder das Problem, dass die Parteipräferenz daran gebildet wird, womit man bei der Parteienwahl gar nicht einverstanden ist. Neulich beispielsweise war es zahlreichen Grünen-Wähler:innen in meiner Bubble ein Problem, dass man nicht einfach freudig dem Freihandelsabkommen Mercosur zugestimmt hatte, sondern eine Prüfung verlangte. Allgemein gesagt: Die Entscheidung orientiert sich daran, was man als das kleinere Übel wahrnimmt.

Bei den Braunblauen geht das anders. Diese Partei wird für ihre Positionen gewählt. Und das macht es einfach und dürfte der Trick sein: Man kann nämlich gleichzeitig verschiedene Positionen vertreten. Sie kann gleichzeitig die Politik von Trump und die von Putin richtig finden. Man kann gleichzeitig gegen und für den Kapitalismus sein. Es gibt dabei nur wenige Positionen, die dabei eindeutig definiert sind. Jedenfalls solange, wie sie genügend Unterstützung in der Wähler:innenschaft finden. Es ist sozusagen die Macht und Stärke dieser Partei, dass sie in jedem Lager fischen kann. Zumindest in den Lagern, die genau so mitdenken. Bis zu einem gewissen Punkt kann man so alle Extremist:innen und Randfiguren abgreifen, so zieht man wirtschaftsmächtige Unternehmer:innen ebenso wie auch prekär Lebende in sein Boot.

Und das ist zugleich die Grenze gegenüber den Wähler:innen, die ihre Parteienpräferenz nach dem Ausschlussprinzip setzen. Eine Partei, die nationalistisch, rassistisch, menschenfeindlich etc. agiert, ist da unwählbar. Doch das erstreckt sich dann auch auf alle anderen Parteien, weshalb man dann im Zweifel nicht das geringere, sondern gar kein Übel wählt.

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der huflaikhan

Betreiber der Kritischen Masse seit 1995. Seit 2023 Wiederaufnahme. Promotion mit einer Arbeit über Adornos kompositorische und theoretische Auseinandersetzung mit der Zwölftontechnik. Arbeit für den Bayerischen und den Mitteldeutschen Rundfunk als freier Autor und Regisseur – zumindest bis Ende 2015. Online-Redaktion für neue musikzeitung, Jazzzeitung und Oper & Tanz. Unglücklich, aber fast taub.

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