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Darth Vader als Dirigent ungeeignet

Eine schnelle GuteNachtKritik nach dem Konzert der Berliner Philharmoniker in der Waldbühne Berlin. Allerdings nur bezogen auf das Ende mit den Zugaben. Da gab es John Williams mit drei Stücken und Paul Lincke mit der Berliner Luft.

Kurz gesagt: Das war nix. Sie sind nicht gut in der leichteren Muse, die Berliner Philharmoniker. Lincke war so schwer dahergetrampelt, dass man wohl annehmen musste, das habe Paul Lincke in unter einer Smogglocke mit Wetterinversion komponiert. Von Luftigkeit war da wenig zu spüren, auch nicht von Pfiffigkeit.

Ebenso bei der Musik zu „Indianera Indiana Jones“ und „Star Wars“. Eigentlich eine nette Kombination: John Williams als Hollywood-Filmmusik-Reißer mit einem der wirklich besten Orchester der Welt. Doch da kommt dann am Ende leider ein Radetzky-Marsch daraus, wie man ihn auf dem Exerzierplatz braucht. Das Leichte ist für die besonders Guten besonders schwer. Ist ja auch so, wenn Opernstars sich an Popmusik probieren. Das geht nicht so gut. Und das kann, bis aufs technisch-handwerkliche, ein gut geführtes Schulorchester besser.

Denkbar wäre freilich auch eine ideologiekritische Sicht, wonach des dem Orchester gelungen ist, das Unlebendige dieser Musik als Text hinter dem Text sicht- und hörbar zu machen. So abwegig ist das ja nicht einmal. Wenn man sich die Musik zu „Die Hornisse“ von Schostakowitsch anhört und das dann in anmessener Form mit Gustav Holsts „Planetenmusik“ zusammengießt, dann kommt so Williams bei rum. Der hat die Kanten allerdings abgeschliffen und zugleich veredelt. Das funkelt chromatös.

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der huflaikhan

Betreiber der Kritischen Masse seit 1995. Seit 2023 Wiederaufnahme. Promotion mit einer Arbeit über Adornos kompositorische und theoretische Auseinandersetzung mit der Zwölftontechnik. Arbeit für den Bayerischen und den Mitteldeutschen Rundfunk als freier Autor und Regisseur – zumindest bis Ende 2015. Online-Redaktion für neue musikzeitung, Jazzzeitung und Oper & Tanz. Unglücklich, aber fast taub.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Isabel Herzfeld

    Also – irgendwie liegt das auch am Dirigenten bzw. an der Entwicklung, die das Orchester im Laufe sich verändernder Zeiten durchmachte. Denn zu Claudio Abbados Zeiten war das anders, da zischte die Berliner Luft hoch wie Champagner, und der Radetzkymarsch zum Feuerwerk war pure, leicht besoffen aus dem Tritt geratene Ironie, besonders schön, wenn “Die diebische Elster” gleich noch hinterherkam.

    1. Martin Hufner

      Ich habe es ja gestern nur rein zufällig gesehen. Ab 22 Uhr, war bislang an solchen Veranstaltungen immer eher nicht so sehr interessiert. Aber ich kann mir gut denken, was Du da beschreibst. Natürlich ist das auch Sache des Orchestererziehers.

  2. Sven

    IndianA Jones 😉

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