Kapitalismus, Konsumtion, Krieg [1938] – Alfred Sohn-Rethel

Alfred Sohn-Rethel in einem Brief an Theodor W. Adorno vom 29. Januar 1938:

“… die faschistische Konjunktur funktioniert nur, weil und solange sie Produkte vervorbringt, die nicht auf den Markt kommen (vom Staat gekauftes und aufgestapeltes Rüstungsmaterial oder synthetischen Ersatz für ausfallende (!) echte Konsumartikel). Der Faschismus bringt damit aber nur eine Tendenz zur Vollendung, die schon die ganzen vorfaschistischen Konjunkturen beherrscht: der Produktionsapparat, an dessen Aufbau, Rationalisierung, Erneuerung und Ausweitung die Konjunktur ihre Nahrung findet, produziert, wenn er fertig ist und an die rationalisierte und erweiterte Bedienung des konsumptiven Endbedarfs gehen sollte, die Krise, Absatzstockung, Unabsetzbarkeit seiner Produkte. Der Kapitalismus kann mit der Konsumtion nichts mehr anfangen, und weil sie ihm tödlich ist, muß er die Konsumenten töten, um noch produzieren zu können.1Theodor W. Adorno und Alfred Sohn-Rethel: Briefwechsel 1936-1969, hg. von Christoph Gödde, München 1991, S. 75. Hervorhebung: MH

 


kritische masse newsletter

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Fussnoten:

  • 1
    Theodor W. Adorno und Alfred Sohn-Rethel: Briefwechsel 1936-1969, hg. von Christoph Gödde, München 1991, S. 75. Hervorhebung: MH

der huflaikhan

Betreiber der Kritischen Masse seit 1995. Seit 2023 Wiederaufnahme. Promotion mit einer Arbeit über Adornos kompositorische und theoretische Auseinandersetzung mit der Zwölftontechnik. Arbeit für den Bayerischen und den Mitteldeutschen Rundfunk als freier Autor und Regisseur – zumindest bis Ende 2015. Online-Redaktion für neue musikzeitung, Jazzzeitung und Oper & Tanz. Unglücklich, aber fast taub.