Giant Steps
heißt ein Stück von John Coltrane aus dem Jahr 1959. Michal Levy, ein israelischer Student, hat dazu ein kongenialen Film gemacht, den man sich auf einer Seite von Illegal-Art wegsaugen…
heißt ein Stück von John Coltrane aus dem Jahr 1959. Michal Levy, ein israelischer Student, hat dazu ein kongenialen Film gemacht, den man sich auf einer Seite von Illegal-Art wegsaugen…
In der Newsgroup de.rec.musik.klassik gerade eine kleine Diskussion zur Frage nach der Charakteristik von Tonarten. Enrico hat einen Ansatz zur Erklärung gebracht, wenn er schreibt: “Man kann aber natürlich daran gehen, die musikalische Sozialisation, und sei es eine bewusst erlernte, quasi rekursiv mit einzubeziehen und dann funktioniert ‘Ges-Dur = Nachklang einer Seele, die stark gerungen, und endlich gesiegt hat’ natürlich.” Daran ist vieles meines Erachtens richtig. Und vielleicht ist manches noch viel trivialer zu sehen. Nämlich über den Kanon der erlernten und gesehenen Notationen. Musiknoten haben ein Gesicht.
Das wird zumal dann evident, wenn man Ges-Dur einem Fis-Dur gegenüberstellt. Eigentlich könnte man diese beiden Tonarten enharmonisch austauschen. Also aufm Klavier sind es schlicht die gleichen Töne – was soll sich da unterscheiden? Das Bild der Noten.
Wolfgang Lempfried hat ein paar Beschreibungen zusammen gestellt:Tonartencharakteristiken. Das kann man sich Fis- und Ges-Dur anschauen. Z.B.:
Schubarth 1784/85: “Triumph in der Schwierigkeit, freyes Aufathmen auf überstiegenen Hügeln; Nachklang einer Seele, die stark gerungen, und endlich gesiegt hat – liegt in allen Applicaturen dieses Tons.” –> Ges-Dur
Cramer 1786: “herrliche Mischung von einem edlen, und wegen des seltnen Gebrauchs der Tonart befremdenden, erhabenen Stolze, geschickt, den Zuhoerer in bewunderndes Staunen zu setzen.” –>Fis-Dur
Und sehr aufmerksam:
Hand 1837: “Fis/Ges-dur: […] welche sich nur dadurch unterscheiden, daß durch seine Beziehung und Entwicklung Fis dur heller lautet […] drückt feierlichen Muth und den wohlthuenden Genuß errungener Ruhe aus; doch wird auch möglich seyn eine noch trotzende, auf eigene Kraft stolzirende Leidenschaft damit zu bezeichnen […]”
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Die GEMA-IFPI-Sache entwickelt sich immer weiter. Bekanntlich wollen die Phonoverbände den Tarifsatz für die Tonträgerlizenzierung um gut 40 % senken. “Autoren und Verleger leben nicht auf einer heilen Insel inmitten stürmischer See, sondern müssen vielmehr die Realität zur Kenntnis nehmen und in einer Solidargemeinschaft der Musikkultur ihren Beitrag leisten, um den Tonträgermarkt in seiner Vielfalt zu erhalten”, hieß es dazu in einer von den Phonoverbänden verbreiteten Meldung vom 6.2.2004.
Das klang vor 6 Monaten noch ganz anders:
In Gebhardt Keynote zur popkomm 2003 las man: “Die Gesellschaft wird sich im Jahr 2010 auf ihre tatsächlichen Stärke besonnen haben: die Kreativität! Und das Urheberrecht garantiert national und international, dass Künstler und Verwerter von ihrem Leistungen auch etwas haben. Dadurch schützt es die Kreativen als einen der wichtigsten Wachstumsmotoren der neuen Zeit.”
Hörthört!
Über die Dimensionen des Streits zwischen IFPI und GEMA wird man in der nächsten nmz mehr lesen können. Einiges kocht da gerade an den verschiedensten Töpfen. Der “Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikverlage und Musikproduzenten” (VUT) will sich noch heute abend nach einer Telefonkonferenz eine eigene Stellungnahme herausgeben.
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Wem um Himmels Willen gehört wohl so ein Einkaufszettel? Wie darf man sich so einen Haushalt vorstellen? – Es ist derjenige des Nachbarn aus dem Nachbarhaus. Jawohl. Seife und Sherry. Das ergibt ein feines Dessert. Im Ernst, er ist ein Meister der Fabrikation von süßen Feinsinnigkeiten. Das konnten alle Gäste der Umräum-Nachweißel-Aktion inklusive verlegtem Baguette-Bodens bestaunen. Gewiß erst zum Abschluss, nachdem zuvor eine mehrfach geklärte Suppe (Maestro Markus) den Beginn einer feierlichen Wiedereröffnung der Wohnung machte.
Dazu gesellten sich Viecher (und damit sind nicht die andern Gäste gemeint), die noch krochen, bevor sie nach schnellem Tod und nach einigem Knacken zu leckerer Soße und vermittels Salat, den Weg in die Speiseröhre fanden. Roastbeef hat dann das Zwischenhauptgericht gebildet – dazu Kartoffelgratin. Gelungen. Gelungen auch die Wahl der Weine aus Italien, Frankreich, Spanien und Österreich. Hauptwohnungssprengmeister, Vollbeamteter Roland war auch dabei, ebenso wie entzückende Gegengeschlechter mit höchst singvollem Timbre. Meine Damen, meine Herren, das war fein. Und die Desserts auf Port-Zabaglione, ein spätes Wunder gegen 0 Uhr. Vor allem, die echten Himbeeren dran, wie lange habe ich die schon nicht mehr gegessen, wie lange (20 Jahre und mehr).
Ich sage “Ja zum Meisterbrief.” Und ergänze ein kleines Album zu den Feierlichkeiten.
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Gar nix Heute fällt mir gar nix ein, drum schreib ichs hier hinein.
Es wird Zeit, auch mal einen Blick aus der kritischen Vermassung hinaus zu werfen. Daher ein Überblick über die von mir täglich angesteuerten Weblogs: Plastic Thinking Moes kritische Berichterstattung zur…
(Aus dem nächtlichen Traum) Jupp ward zum Subjekt, drum, "Lieber Jupp, Sekt!”
What Finding Nemo Character are You? brought to you by Quizilla Angeblich: Vorteilhaft oder nachteilig, wenn man die Fragen kaum versteht und die Antworten noch weniger. Aber irgendwie macht mich…
Die Nachricht hat eingeschlagen wie ein nasses Handtuch in einem Hotelbadezimmer. GEMA, Phonoverbände zusammen mit dem Deutschen Kulturrat und dem Musikverlag Schott International starten eine Initiative zum Wert von Kreativität. Unterrichtsmaterialien und weitere Informationen werden der Zeitschrift Musik & Bildung beigelegt. Und die Prinzen steuern ihr Alles nur geklaut dazu. Heile, heile, alles wird gut wenn nur richtig gepaukt wird.
Der Wert von Kreativität muss unserer Gesellschaft neu bewusst werden, erklärt in einer Pressemeldung Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates.
Wir müssen jungen Menschen heute neu erklären, warum Musik etwas wert ist, erklärt Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände in der gleichen Pressemeldung.
Prof. Dr. Reinhold Kreile, Vorstandsvorsitzender der GEMA, sagt in ebendieser Pressemeldung: Der jungen Generation muss verstärkt kommuniziert werden, dass das geistige Eigentum auch durch neue Technologien nicht wertlos wird, sondern ein besonderes Gut darstellt.
Da ziehen sich einem die Fußnägel hoch. Wer es bis eben nicht wusste, weiß es jetzt. Die Herrschaften sind am Ende mit ihrer Kreativität zur auch nur ansatzweisen Erfassung der Frage nach dem Wert der Kreativität und bieten daher kaum Lösungsvorschläge an, die mehr sind als sprachliches Gepoltere. Was die Phonoverbände vom Wert kreativer Leistungen halten, zeigten sie ja durch ihren Vorschlag der Herabsetzung des Lizenkostenanteils auf Tonträger. Immerhin: Das war wirtschaftlich gesehen in der Tat ein kreativer Akt.
Die Situation ist traurig, zumal außerhalb Deutschlands, sich Wirtschaftsdaten umkehren wie in Großbritannien: heise online: Britische Musikindustrie freut sich über Online-Dienste. Danach seien die Verkäufe von CD-Alben im Jahr 2003 in Großbritannien um 5,6% gestiegen. Haben die die etwa eine bessere Pädagogik?
Ach die Frage ist falsch, wie die Initiative selbst auch. Zimmermanns Werte sind andere als Gebhardts. Unter Kreativität verstehen alle drei etwas anderes. Eigentlich nämlich nichts Konkretes sondern nur das Schlagwort. Man kann in den Aussagen jeweils die Worte Kreativität, Musik und geistiges Eigentum durch Prostitution (oder harmloser wie Satie es machen würde durch “Schweinefleisch”) ersetzen und alles hat genau den gleichen Sinn, womöglich sogar einen sehr viel definierteren.
PS: Ach den Materialien liegt angeblich ein Mixed-Mode-CD bei. Hoffentlich hat diese CD wenigstens einen Kopierschutz mitbekommen. Denn unerlaubt verbreiten muss man die ja nicht unbedingt.
Nachtrag 1 (14.2.2004): Jetzt liegt das Heft als PDF-Datei vor (2727 KB). Die üblichen Verdächtigen: GEMA, Phonoverbände. Kein Wort zur Open-Music-Szene, statt dessen musikalischer Mainstream. Ein bisschen dissen, ein bisschen beaten, ein bisserl Fauré, ein bisserl Prinzen. Prima – jetzt wissen wir alle, wie schwierig HipHop ist und dass man privat kopierte CDs nicht verschenken darf, den Kopierschutz auf keinen Fall umgehen darf. Der Wert der Krativität, soviel ist jetzt klar, ist strafbewährt. Aber am schönsten die Schlussbemerkung, die alles relativiert:
“Wir haben uns darum bemüht, die Inhaber aller Urheberrechte der in dieser Veröffentlichung enthaltenen Texte, Noten und Bilder ausfindig zu machen. Sollte dies im Einzelfall nicht ausreichend gelungen oder es zu Fehlern gekommen sein, bitten wir die Rechteinhaber, sich bei uns zu melden, damit wir berechtigten Forderungen unverzüglich nachkommen können.”
Billig. Peinlich.
Zumindest weiß man jetzt, wie eng der Kreis der von den Herrschaften eingezäunten Kreativität ist. Menscheskinder, die Musik spielt doch längst in der Jugendkultur auch auf anderem Terrain – dieses großzügig auszublenden, ist gelungen. Und das steigert die Wertschätzung dieser Broschüre selbstverständlich ungemein. Das nennt man objektiv. Bravo, weiter so. Ihr seid die Guten, ihr wisst was Kreativität ist – zumindest kennt ihren ihren Wert. Mit Brecht ins Stammbuch geschrieben (man muss nur Mensch durch Kreativität austauschen):
Weiss ich, was
ein MenschKreativität ist!
Weiss ich, wer das weiss!
Ich weiss nicht, wasein MenschKreativität ist,
Ich kenne nurseinenihren Preis.
(Aus dem “Lied des Händlers”, Bertolt Brecht)
Einunddreißig wird sie, gescheit ist sie, lang leb' sie, ich mag sie.