Rückblick auf taktlos 76

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Gestern ging taktlos 76 „Gute Composer – Böse Komponisten” über den Äther. Die Sendung kann nun nachgehört werden als Real Audio.

Dabei prallten schon einige Gegensätze aufeinander. Da war Karl Heinz Wahren (seines Zeichens Chef des Deutschen Komponistenverbandes und Ex-Aufsichtsratmitglied der GEMA), der den Schwund der E-Komponisten kulturell beklagte und noch immer das Eindringen der Auftragskomponisten (hier Ralf Weigand und Enjott Schneider, letzterer sowohl in E- wie U-Musik zuhause) beklagte. Schneider und vor allem Weigand begrüßten jedoch den Wandel im Aufsichtsrat der GEMA, deren Mitglieder sie jetzt sind). Die Strukturen seien verkrustet und eingefahren. So ähnlich sah es auch der E-Komponist Manfred Trojahn, der kein Chef von irgendwas ist – außer der neuen Gruppierung und Initiative “Pro Klassik”, in der wiederum auch Enjott Schneider mitwirkt. Also, rein von ihren Verantwortungsbereichen ein ziemliches Durcheinander und Mitgemische: Weigand ist wiederum Vorsitzender des Deutschen Komponistenverbandes Bayern. Alles hängt miteinander zusammen und passt eben doch nicht zusammen. Jedenfalls im Moment.

Wie so oft sind die hard facts der Bewegungen außerhalb der Sendung besprochen worden: vorher und nachher beim Bier. Das Dumme daran, die Gespräche sind als vertraulich zu werten. Was man vielleicht aber schon erwähnen sollte ist, dass die künftigen Entwicklungen bei der GEMA nicht im Streit zwischen Composern und Komponisten liegen werden sondern in Richtung einer Neubewertung der Schlagersparte gehen könnten – aber so, dass die DJ-Kultur stärker berücksichtigt wird. Die sei nämlich so gut wie gar nicht existent in den GEMA-Ausschüttungen.

Am Ende der Sendung wurde mehrfach betont, dass die Solidargemeinschaft innerhalb der GEMA nicht aufgegeben werden sollte. Die sei Ursache und Resultat der de-facto-Monopolstellung. Angst haben alle davor, dass die Majors ihre eigenen Verwertungsgesellschaften eröffnen könnten. Insofern sehen alle Beteiligten etwaige Probleme bei der Harmonisierung der EU auf sich zukommen. Und wir wissen doch, dass zum Beispiel Universal in diesem Punkt schon ein Verfahren gegen die BIEM am Laufen hat. Obwohl: Wissen? Auch darüber schweigen alle Seiten heftigst.

Alles in allem machen Weigand und Schneider einen sehr guten und aufgeweckten Eindruck und sie, wie Trojahn, leiden an … (darf ich wohl nicht sagen). Also, auf gehts, probierts die Verkrustungen in der GEMA aufzulösen, vielleicht kann man bei der Gelegenheit auch einmal das Image dieses Ladens aufpolieren. Das Buch über die GEMA von Albrecht Dümling war ja schon ein erster Anstoß – leider wird es von der GEMA-Spitze selbst, die es beauftragte, kaum gewürdigt. Warum eigentlich?
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Regensburger Tarife

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In Regensburg gehen die Uhren anders, irgendwie. Das musste ich bei der Abfahrt aus Regensburg vor drei Tagen feststellen. Denn hier gilt auch ein Tages-Ticket maximal eine Stunde. Der Sinn solcher Tarife erschließt sich mir einfach nicht - kein bisschen nicht.

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„Wort und Kommunikation verdorben …“ (Deleuze)

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Manchmal kommt man einfach nicht nach. Der Input ist zu vielfältig und zu zahlreich. Zu verstehen und zu lesen, und daneben dann auch noch ein Leben führen. Momentan spazieren. "Vielleicht sind Wort und Kommunikation verdorben. Sie sind völlig vom Geld durchdrungen: nicht zufällig, sondern ihrem Wesen nach. Eine Abwendung vom Wort ist notwendig. Schöpferisch sein ist stets etwas anderes gewesen als kommunizieren." Aber was, wenn dies und jenes nicht klappen will?  

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Alte Geister Meister – Musikindustrie bei Bernhard

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Joshua von Brain farts empfahl mir doch die Lektüre von Thomas Bernhards “Alte Geister Meister” - mein erstes Bernhard-Werk. Darin wunderbare Zeilen über die Musikindustrie, die einen mit Musik zumülle und einen “krankhaften Musikkonsumatismus” erzeuge. 1985 wurde der Text verfasst - visionär. Den von der Musikindustrie total vernichteten Menschen sehe ich schon, sagte Reger, diese Massen von Musikindustrieopfern, die die Erdteile schließlich mit ihrem musikalischen Leichengestank bevölkern, mein lieber Atzbacher, die Musikindustrie hat die Menschen einmal auf dem Gewissen, hat am Ende…

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Phonoindustrie: 19,8 Prozent Umsatzrückgang bei CDs

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Heute hatten die Phonoverbände zur Jahrespressekonferenz geladen. Es geht ihr schlecht. Sie beklagt einen Umsatzrückgang bei CDs von 19,8 Prozent. Das ist ein dicker Batzen. In realen Zahlen ging es von 2002: 2,054 Mrd. auf 2003 1,648 Milliarden Euro zurück. Der Absatz von Tonträgern sank von 223,9 auf 183,2 Millionen Stück (-18,2%). Große Schuld schob man Schuld einem illegalen Datentausch auf den sogenannten Tauschbörsen und der privaten CD-Vervielfältigung zu. Entsprechende Zahlen liegen vor (siehe Pressemeldung). Diesen trüben Blick kann auch nicht der Anstieg von mehr verkauften Musik-DVDs versüßen.

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Im gleichen Atemzug beginnt jetzt die rechtliche Verfolgung von Verwertungsrechtsverletzungen in den sogenannten Tauschbörsen. “In einer ersten Klagewelle haben die Deutsche Landesgruppe der IFPI und die von ihr beauftragte Hamburger Rechtsanwaltskanzlei Rasch 68 Strafanzeigen erstattet. Die Staatsanwaltschaft hat die Provider zur Information verpflichtet und Strafverfahren eingeleitet. Nach Kenntnis über die Identitäten werden die Rechteinhaber Zivilverfahren einleiten und Schadensersatz geltend machen,” heißt es dazu in einer zweiten Pressemeldung.

Wie die Ansprüche im Detail durchgesetzt werden können, wird die Zukunft zeigen. Im Sinne der Rechtssicherheit wäre es sicher begrüßenswert, wenn es tatsächlich zu Gerichtsverfahren käme und nicht zu außergerichtlichen Einigungen. Denn der Nachweis der Schuld einer Person dürfte selbst unter Verwendung von IP-Adressen nicht ganz einfach sein.

Phonowirtschaft büßte 2003 insgesamt 19,8% Umsatz ein

Deutsche Produktionen erreichen Rekordhoch in den Charts – DVD-Absatz boomt – PhonoLine erfolgreich gestartet – Musikkopien nehmen immer noch zu

“Der Umsatzrückgang der Phonowirtschaft in 2003 von rund 20% ist erschreckend”, erklärt Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände. “Musik wird immer mehr gehört, aber immer weniger gekauft. Deutsche Produktionen sind erfolgreicher als je zuvor – trotzdem verliert die Musikwirtschaft Kunden. Kostenlose Musikkopien und illegale Internetangebote sind dabei unsere ärgsten Gegner. Die schlechte Wirtschaftslage und die Konsumzurückhaltung vieler Menschen treten noch hinzu.”

Der Umsatz der Branche zu Endverbraucherpreisen lag 2003 bei 1,648 Milliarden Euro und verlor im Vergleich zum Vorjahr 19,8% (2002: 2,054 Mrd.). Der Absatz von Tonträgern sank von 223,9 auf 183,2 Millionen Stück (-18,2%). Details sind der beigefügten Aufstellung zu entnehmen.

Deutsche Künstler waren 2003 so erfolgreich wie nie zuvor. Ihr Anteil an den Album-Charts stieg auf 29,5% (2002: 26,5%), an den Single-Charts sogar auf 54,7% (2002: 42,7%). Dies beweist die enorme Nachfrage nach Musik aus Deutschland und entlarvt zugleich das Vorurteil, sie sei nicht mehr so attraktiv wie früher. Im Gegenteil hat die Musiknutzung ein extrem hohes Niveau – es wird nur seltener dafür bezahlt.

Erfreulich ist der Absatz von Musik-DVDs, der sich im letzten Jahr auf rund 8 Millionen Stück verdoppelt hat. Alle anderen Formate haben jedoch, zum Teil drastische, Rückgänge zu verzeichnen. Besonders stark ist der Absatz von Singles gesunken, der in enormem Maß von illegalen Musikangeboten im Internet betroffen sind. Die deutsche Phonowirtschaft hat deswegen damit begonnen, Strafanzeigen gegen illegale Musikanbieter in sogenannten “Tauschbörsen” zu erstatten. Neben Singles sind aktuelles Toprepertoire und Hitcompilations am stärksten von Absatzrückgängen betroffen. Sie werden besonders häufig mit Hilfe von CD-Brennern geklont.

Zum fünften Mal hat die GfK im Auftrag der deutschen Phonoverbände 10.000 Personen eines repräsentativen Panels befragt. Die Ergebnisse sind in einer Studie zum Musikkopieren in Deutschland zusammengefasst, die unter www.ifpi.de komplett eingesehen werden kann. Sie hatte u.a. folgende Ergebnisse:

· Im vergangenen Jahr haben 21,4 Millionen Personen insgesamt 325 Millionen Rohlinge mit Musik bespielt (Vorjahr: 259 Mio., +26%).

· Jede Person brannte im Durchschnitt 15 Rohlinge mit Musik (Vorjahr: 12, + 25%).

· 12,7 Millionen Personen (+59,5%) brannten Musik auf CD-Rohlinge auch für nicht in ihrem Haushalt lebende Personen.

· 602 Millionen Songs wurden in Deutschland aus illegalen Quellen im Internet heruntergeladen. Die Anzahl stagnierte damit trotz des gestiegenen Unrechtsbewusstseins auf sehr hohem Niveau (2002: 622 Millionen). Neuerscheinungen wurden besonders häufig heruntergeladen.

· Die Zahl der Downloader wuchs weiter von 6,4 Millionen auf 7,3 Millionen (+14%). 98,3% davon luden keine kostenpflichtigen Angebote herunter.

Mit PhonoLine wurde Mitte März die technische Plattform der deutschen Musikwirtschaft für Musikdownloads in Kooperation mit T-Com eröffnet. Das Angebot startete mit mehreren tausend Downloads täglich. Die Handelspartner positionieren sich erfolgreich am Markt. Neben cts eventim und popfile wird auch viva.de in Kürze zugeschaltet werden.

Umfassende Informationen über die Phonobranche bietet das Jahrbuch 2004 der Phonographischen Wirtschaft, das im Musikmarkt Verlag erschienen ist. Es kann über info@musikmarkt.de oder im Buchhandel unter der ISBN 3 9809540-0-5 bezogen werden und kostet 24,50 Euro.

© Deutsche Landesgruppe der IFPI e.V. / Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft e.V.

Oranienburger Str. 67/68 . 10117 Berlin. http://www.ifpi.de
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Kulturelle Grundversorgung und Obdachlosigkeit

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In Zeiten knapper Kassen, stehen kulturelle Leistungen der öffentlichen Hand schnell zur Disposition. Brauchen wir wirklich in fast jeder Stadt ein Theater, muss man dicht an dicht neue Konzerthäuser errichten wie in Essen und Dortmund?! Wem soll diese kulturelle Grundversorgung dienen?! Werden wir nicht vielmehr geradezu mit Kultur zu Tode versorgt – so wie bei den Sybariten?! Überall und zu jeder Zeit: Festwochen, Festspiele, Feste, Feste, Feste – und auf der anderen Seite Obdachlosigkeit, Armut und die zunehmende Erosion einer demokratisch verfassten…

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Karl Valentin und Otto Schily

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Karl Valentin hat einmal eine schöne Szene entwickelt, die bisschen mit der aktuellen Situation der Verschärfung des “Bürgerschutzes” zu tun. Auf der Suche nach absoluter Sicherheit ist man bereit, die freie Beweglichkeit aufzugeben. Es geht um einen Hausverkauf. Liesl Karlstadt fragt Karl Valentin: K.: Kaufen Sie sich wieder ein neues Haus? V.: Niemals mehr! Ich suche ein Tausend Meter tiefes Bergwerk zu mieten. K.: Und das wollen Sie dann bewohnen? V.: Selbstverständlich. K.: Das ist ja unheimlich! V.: Aber sicher. K.: Vor…

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„Der PC ist keine Vervielfältigungstechnologie“

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Das Institut für Rechtsfragen der freien und Open Source Software (ifrOSS) hat sich zu einem Teil der Realisierung einer Vergüten nach § 54 UrhG geäußert. Wenn ich das richtig verstanden habe, spricht sich ifrOSS weiterhin für eine Vergütung auf Leermedien aus, möchte jedoch nicht das PCs und die darin verbauten Bestandteile auch hinzukommen. Das führe beispielsweise zu Doppelvergütungen, die nicht angemessen seien. ifrOSS unterscheidet daher zwischen Geräten (Festplatten, CD-Brenner) und Medien. „Gegen diese Argumentation wurde eingewendet, dass – beispielhaft herausgegriffen – auch der Kassettenrekorder neben der Leerkassette vergütungspflichtig sei. Dieser augenscheinlich überzeugende Vergleich hinkt bei näherem Hinsehen. Die Leerkassette verhält sich zum Kassettenrekorder wie der CD-Rohling zum CD-Brenner. Nicht aber wie etwa der CD-Brenner oder die Festplatte zum PC. Bei der Festplatte handelt es sich – wie bei Brennern – nicht um Medien, sondern um Geräte.“ „Der PC ist keine Vervielfältigungstechnologie“ heißt es in der Stellungnahme.

Die gesamte Stellungnahme liegt als PDF vor. Zahlreiche weiter Stellungnahmen zum sogenannten zweiten Korb versammelt das „Institut für Urheber- und Medienrecht“.

Stellungnahme des ifrOSS zu gesetzgeberischen Möglichkeiten der Realisierung einer Vergütung nach § 54 UrhG für modulare Systeme im 2. Korb der Urheberrechtsreform

5 Gesamtergebnis in Thesen

(1) Eine Einbeziehung der PC-Hersteller in das Vergütungssystem der §§ 54 ff. UrhG erscheint geboten. Diese profitieren von der Möglichkeit, dass die Nutzer Vervielfältigungen anfertigen können und dürfen, in gleichem Maße wie die Hersteller von Geräten, “die zur Vervielfältigung geeignet sind”.

(2) PCs stellen indes keine Geräte dar, die im Sinne des § 54 Abs. 1 UrhG zur Vervielfältigung bestimmt (de lege lata) oder geeignet (de lege ferenda) sind. Diese Definition trifft allein auf die hierin verbauten Speichertechnologien, wie CD-Brenner, Disketten- und Festplattenlaufwerke zu. Der PC sollte daher – ganz gleich, ob mit oder ohne gesetzliche Klarstellung – nicht unter § 54 Abs. 1 Satz 1 UrhG subsumiert werden.

(3) Vergütungspflichtig im Sinne des § 54 Abs. 1 UrhG sollten auch in Zukunft nur die eigentlichen Speichertechnologien sein. Diese müssen indes – v.a. nach der geplanten Neuformulierung – samt und sonders der Vergütungspflicht unterworfen werden. Dies gilt insbesondere für fest eingebaute Massenspeicher, wie v.a. die Festplatte, die als Vervielfältigungsgeräte und nicht als Leermedien zu qualifizieren sind.

(4) Eine kumulativ hinzutretende Vergütung auf modulare Systeme wie den PC verbietet sich dagegen. Ohne die hierin verbauten Vervielfältigungstechnologien ist dieser auch als modulares System nicht “zur Vervielfältigung geeignet”, da die notwendigen Komponenten fehlen. Werden erstere voll vergütet, kommt es bei einer zusätzlichen PC-Vergütung zu einer Doppelvergütung. Dies gilt es zu vermeiden, da hierdurch sowohl die IT-Industrie als auch die Nutzer unangemessen belastet würden.

(5) Im Ergebnis erscheint demgegenüber ein Modell sinnvoll, nach dem die Hersteller modularer Systeme einem Innenregressanspruch gegenüber den Geräteherstellern unterworfen werden. Ein solcher Anspruch könnte in § 54 Abs. 1 UrhG eingefügt werden. Anzuknüpfen wäre hierbei an den Akt des “Verbauens” einer Speichertechnologie in ein modulares System, da hiermit eine Möglichkeit für die Nutzer geschaffen wird, Vervielfältigungen nach § 53 Abs. 1 und 2 UrhG anzufertigen. Von dieser Möglichkeit profitieren PC- und Gerätehersteller in gleichem Maße, sodass ein Rückgriff in Höhe von 50% der vom Gerätehersteller gezahlten Vergütung angemessen erscheint.

(6) Die vorgeschlagene Lösung hätte den Vorteil, dass Doppelvergütungen vermieden würden. Folge wäre allein eine gerechte Umverteilung der Vergütungslast und nicht die Erhöhung derselben. Dies wäre – soweit angemessen – durch Erhöhung der Vergütungen für die Einzelkomponenten zu erreichen und nicht über die technisch unhaltbare Qualifikation des modularen Systems als “Gerät, das zu Vervielfältigungen geeignet (oder bestimmt) ist”. Durch die Rückgriffsmöglichkeit werden die Belastungen der Einzelgerätehersteller verringert, was der wirtschaftlichen Tragfähigkeit von Pauschalvergütungen an sich zugute käme.

(7) Durch die Lösung über einen Innenregress würden nachteilige Folgen vermieden, die entstünden, wenn die Hersteller modularer Systeme den Verwertungsgesellschaften als Gesamtschuldner nach § 54 Abs. 1 UrhG gegenüber gestellt würden. Dies erschiene nicht gerechtfertigt, da die PC-Hersteller, anders als die Gerätehersteller, nicht für alle produzierten, importierten oder verkauften Speichergeräte zur Zahlung herangezogen werden können, sondern nur für diejenigen, die von ihnen auch in PC-Systeme verbaut werden. Ein bestimmter Prozentsatz an Festplatten, Brennern etc. wird dagegen auch als eigenständige Peripherie auf den Markt gebracht. Aus dieser notwendigen Unterscheidung ergäben sich bei der Konstruktion einer Gesamtschuld im Außenverhältnis schwierige praktische Probleme für die Einziehungspraxis der Verwertungsgesellschaften. Auch wären der PC-Industrie weit gehende Offenlegungsverpflichtungen aufzuerlegen.

Till Kreutzer

Hamburg, 3. März 2004

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Regionales Musiktheater im Fokus

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Diskussion: Zwischen Sparzwang und Kulturauftrag · Von Martin Hufner

Sie stehen am Rande der öffentlichen und überregionalen Kritik, sie stehen abseits der großstädtischen und publizistischen Aufmerksamkeitskurven: sie, die regionalen Musiktheater von Aachen über Gießen bis Cottbus, von Greifswald bis Ulm. Sie haben in den letzten Jahren viele Einbußen der öffentlichen Förderung hinnehmen müssen. Speziell im Fall der ostdeutschen Musiktheater zugleich die Neuorientierung in einer neuen Gesellschafts- und Wirtschaftsform. In der 18. Ausgabe der Rundfunksendung „contrapunkt – westöstlicher dialog“ des Bayerischen und des Mitteldeutschen Rundfunks ging es um die Situation des „regionalen Musiktheaters“ unter dem zugespitzten Motto: „Kulturauftrag contra Sparzwang“. Darüber unterhielten sich im Bayerischen Bahnhof zu Leipzig Paul Esterhazy (Theater Aachen), Martin Schüler (Intendant Staatstheater Cottbus) und Frieder Reininghaus (Musikkritiker) mit den Moderatoren Theo Geißler (Chefredakteur und Herausgeber der neuen musikzeitung sowie Mitherausgeber der Zeitschrift „Oper & Tanz“) und Frank Kämpfer (Musikredakteur des Deutschlandfunks).

In der überregionalen Kritik werden sie häufig belächelt, so sie überhaupt Beachtung finden. Das Theater, so könnte der publizistische Überblick aus dem journalistischen Fenster der großen Tageszeitungen ausschauen, findet in den Theaterhauptstädten statt. Die Provinz ist langweilig und – nomen est omen – eben provinziell. Dabei gärt es häufig genug in den Theatern jenseits der journalistischen Schaufenster. Fast mag es den Anschein haben, dass die Not in Teilen zu höchst kreativen Lösungen führt. In der Provinz entscheidet sich die Zukunft des Musiktheaters, denn die regionale Verankerung dieser Institutionen verzeiht keine Plattheiten oder billigen Modezüge, auf die man aufspringt. Und die Provinz kann geradezu ein Schmelztiegel für außerordentliche Kulturarbeit sein.

Zeitgenössisches als Pflichtaufgabe

Der Aachener Intendant Paul Esterhazy sieht sich in seiner Arbeit zum Beispiel in der Pflicht einer begründeten Theatertradition: „Vor hundert Jahren bestand das Repertoire eines jeden Theaters aus Stücken, die nicht älter als zehn Jahre waren. Alle wissen, dass sich das in ein totales Gegenteil verkehrt hat. Wenn ich in jedem Jahr für mich in Anspruch nehme, mindestens ein Stück des Musiktheaters zur Uraufführung zu bringen, dann halte ich das für nichts besonders Aufregendes, sondern für die absolute pure Selbstverständlichkeit, ich behaupte sogar, dass ich eigentlich hauptsächlich dafür mein Subventionsgeld bekomme.“

Auf eine ganz neue Situation mussten sich die ostdeutschen Theater nach der Wende einstellen. Mit der Währungsunion brach das ganze alte Theatersystem fast komplett zusammen. Intendant Martin Schüler über die Cottbusser Entwicklung: „Bei uns ist es so: Bis zur Wende hatten wir ganz viele Anrechte (Abonnenten), hundert Prozent Auslastung, am Tag der Währungsunion brach das zusammen, von 13.000 Anrechten gab es nur noch 3.000. Entsprechend hat sich auch die Anzahl der Aufführungen verringert.“ Mittlerweile habe man wieder eine Auslastung von etwa 85 Prozent erreicht.

Von einer Theaterkrise mögen daher weder Esterhazy noch Schüler sprechen. Im Gegenteil, seit etwa 20 Jahren seien die Besucherzahlen stabil, und das trotz einer enorm gestiegenen Verbreitung der neuen Medien – vom Fernsehen bis zur digitalen Kommunikation. Die mediale Konkurrenz nahm zu, die öffentlichen Zuwendungen wurden gekürzt. Und dennoch: Musiktheater scheint sein Publikum immer wieder zu finden. Es muss was dran sein an der besonderen Erfahrungsqualität, die vor allem auch die regionalen Musiktheater anbieten. Gefahr droht viel mehr von anderer Seite.

Demontage der öffentlichen Kritik

Der Kahlschlag scheint sich nämlich im Bereich der medialen Verbreitung abzuspielen. Frieder Reininghaus spricht von einer kontinuierlichen Demontage der Kulturberichterstattung. Er schätzt allein die Platzeinbuße in den großen Tageszeitungen wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder der Süddeutschen Zeitung auf etwas 40 bis 60 Prozent gegenüber dem Zustand Mitte der 90er-Jahre ein. Im Hörfunk ein ähnliches Bild: „Im Bereich des NDR höre ich jetzt Rezensionen, die zwischen fünfzig Sekunden oder einer Minute und 50 Sekunden dauern, da können Sie kaum die Namen aufsagen, Sie können nur sagen ‚es war sehr interessant‘ oder ‚es hat mich sehr beeindruckt‘. Vielleicht noch drei, vier Reizworte. Aus dieser Art von Journalismus fallen Cottbus und Aachen natürlich auch wieder heraus, weil da nur noch die prominenten Namen zählen, die man aus den Talkshows kennt. Da gibt es dann das berühmte Ping-Pong-Spiel“, sagt Frieder Reininghaus.

Moralische Anstalt – für ein junges Publikum

Im Gegenzug gewinnt damit der Begriff des Theaters als einer moralischen Anstalt gerade auf der regionalen Ebene eine neue Bedeutung. Gewissermaßen befreit von Repräsentationszwecken für ein internationales Publikum oder die nationale Presse, verankert man sich deutlicher in der Region. Das muss dann nicht zwangsläufig etwas mit Anbiederung zu tun haben. Paul Esterhazy drückt es als Aufgabe und Anspruch aus: „Wir können für uns und unser Publikum definieren, was wir auf dieser Bühne präsentieren. Wir haben bewiesen, dass es wirklich möglich ist, Themen aufzugreifen, die mit jetzt und heute zu tun haben – natürlich sind da auch Stücke von gestern und vorgestern dabei, aber in Aachen zum Glück ein sehr großer Anteil von ganz heutigen Stücken. Im Schauspiel haben wir dreiviertel des Repertoires aus Stücken der letzten fünf Jahre bestritten. Es ist heute überhaupt nicht weniger leicht, inhaltlich definiertes Theater zu machen, im Gegenteil, der Operettendruck von vor 15 bis 20 Jahren ist nicht mehr vorhanden, oder nur an ganz wenigen Theatern. Es ist viel leichter, inhaltlich definiertes Theater zu machen, und wer das nicht macht, ist selber schuld.“ Martin Schüler aus Cottbus sieht es ganz ähnlich. In Cottbus widmet man sich zum Beispiel der „Neubefragung von Mythen und damit gekoppelt auch Lebensansichten. Da begeben wir uns gemeinsam auf eine Suche nach dem, was das Publikum eint, woran kann man sich orientieren, wo nicht. Wir haben zwölf Jahre lang jedes Jahr unser Thema gehabt, das letzte war ‚Utopien‘, und ich denke, dass man auch für die Zukunft diese Geschichten im Theater erzählt. Das möchte ich auch jungen Leuten vermitteln. Nicht irgendwelchen Moden nachlaufen. Das Theater muss sein Publikum kennen, sensibel reagieren auf dieses Publikum.“

Zuverlässigkeit der Kulturpolitik gefordert

In einem Punkte sind sich die beiden Intendanten überaus einig. Damit beispielsweise in Cottbus 2007 „Moses und Aron“ sowie 2008 der „Ring“ stattfinden können, bedarf es neben allem eigenem Engagement einer „Zuverlässigkeit durch die Kulturpolitik“. Dazu müssen die „Rechtsträger genau formulieren, was sie von ihren Theatern wollen, und dann können die Theater darauf reagieren.“ Da liegt ein dickes Manko für eine notwendige Planungssicherheit auf Seiten der Theater. Denn, wenn ihnen bloß die Funktion eines Selbstreperaturbetriebs von der Kulturpolitik zugewiesen würde, wäre dies auf Dauer eine Hypothek, der man irgendwann auch mit den kreativsten Lösungen nicht mehr beikommen könnte. „Was ich meinen Zuschauern geben will, ist, den Zauber des Theaters zu erhalten. Dass man mit Überraschung, oft mit einfachen Mitteln die Menschen durchaus mit hochanspruchvollen Stücken erreicht, dass Theater nie altmodisch wird, dass man dem Publikum eben nicht hinterher rennt, sondern dass man mit einer seriösen und glutvollen Arbeit das Publikum Abend für Abend wachküsst – das ist unsere Aufgabe“ – (Martin Schüler).
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Sennett / Respekt / Musik

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Richard Sennetts reichhaltiges Buch “Respekt im Zeitalter der Ungleichheit” (Berlin 2003) ist eine schöne und sehr komplexe Studie zur Frage der Herstellung von Respekt und seiner Verwirklichung bzw. seiner Verhinderung. Zahlreiche Schilderungen einzelner Phänomene, autobiographischer Art wie aus der Welt der weiten Soziologie und Politikwissenschaft, werden angeführt, analysiert und im historischen Kontext begriffen. Ein Buch, welches dennoch mehr Fragen hinterlässt als Erklärungen. Solange Sennett im historischen Kontext bleibt, ist eigentlich immer alles sehr klar und nachvollziehbar. Geht es um die Gegenwart werden…

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