Von allen Seiten ist die Kultur und die Vernunft durch Angriffe bedroht. Manchmal auch in der Sache zurecht.
Oder etwa Flugzeuge? Hätte Erik Satie bereits gewusst, was wir heute alle wissen, dass der Unterschied zwischen Musik und Wurstwaren ein eher gradueller ist, hätte man sich viel ersparen können in dieser Welt, die gerade durch den Taschenrechner gezogen wird. Denn alles hat jetzt seinen Preis. Das Forum der Musik-Festivals hat erkannt: Man ist systemrelevant. Warum? Weil man 600 Festivals sein eigen nennt, weil man 400 Mio. Euro Umsatz generiert. Zum Vergleich: die Fleischindustrie…
Wenn der Staat die Systeme infiltriert und zwar auf eine Weise, die von neutraler Seite nicht nachvollziehbar ist, indem er zum Beispiel Spitzel in Organisationen einschleust, indem er zum Beispiel Trojaner auf fremden Computern platziert, indem er den Kommunikationsverkehr belauscht; so ein Staat kann da nicht (mehr) rechtsstaatlich agieren. Er hat die Staatssicherheit in die technischen Systeme gelegt, warum sollte er sie nicht auch in die zwischenmenschlichen Beziehungen ausweiten. Man könnte es vielleicht zurückdrehen:…
Letzte Woche kam der zweite Film von Victor Grandits über Wolfgang Rihm zur Ausstrahlung im Fernsehprogramm der SWR. Er trägt den Titel: „Das Vermächtnis“. Knappe 60 Minuten aus dem aktuellen Treiben des Komponisten. Der Komponist am See, der Komponist zuhause, der Komponist auf einem Festival und im Kompositionsunterricht. Irgendwann der Komponist auch mal beim Arzt. Aha! Seine Frau spricht über dessen Erkrankung und seine Arbeit. Es wird über das Sein und das Sagen gesprochen.…
Ich weiß zwar gerade auch nicht mehr, was Soziologie ist, aber wenn ich den Verkaufsrängen bei den Amazon-Büchern folge, die dort für diese Rubrik ausgegeben werden, gehe ich davon aus, dass es sich um eine Lifestyle-Sache handelt. Oder präziser Kurz-vor-Die-Style. Oma, Opa, Ruhestand. Gleich vier Einträge. Sarrazin wird hier ebenfalls als Soziologie verstanden. Ein Buch, das seinem Autoren wahrscheinlich eine Vierstundenwoche ermöglichen sollte. Mein Tipp für Thilos nächstes Buch: "Deutschland geht in' Ruhestand"
Jetzt sind die ersten neun Tage des Jahres 2020 bereits herum. Gut. Wenn man den Empörungswellen auf Twitter so folgt, kann und muss das alles noch verdichtet werden. Es erinnert mich ein bisschen an meine Schulzeit, wenn es in der Klasse sekündlich lauter und lauter geworden ist. Den Grund (oder die Gründe) weiß man ja schon gar nicht mehr. Aber es war alles sofort total wichtig. Dabei war das meiste davon einfach ziellos in…
In seinem Beitrag für die September-Ausgabe der nmz geht unser Autor Hans-Jürgen Schaal der Frage nach, wie die Art und Weise der Musikdarbietung durch technische Hilfsmittel die Art und Weise des insgesamt Hörens verändert. Welche Folgen hat das Streaming von Musik für das Hören von Musik. „Die Wahrnehmung von Musik wird zunehmend atomisiert – sie schrumpft auf Moment-Erfahrungen.“ Eine Momentkultur entsteht. Vor vier Jahren habe ich darauf bereits in einem Artikel mit dem Titel:…
Die Werke der Kalenderwoche 39/2019. Speziell … Violakonzert Fünf Romanzen Chagall-Zyklus I Ieratiki Poiisi Tetragrammaton Polychronia Klezmer-Suite Sellanraa Saudade B-A-C-H Belsazar Der Spinnerin Nachtlied öáíôáóßá – lass die Moleküle rasen A Blurring Cloud – Geschöpfe der Fahrt schlafen, träumen, singen ohne Ufer, eine Einladung Zwei Herren aus Verona Falstaffiade Kleine Suite nach alter Art Eine kleine Streicherserenade The Cycle of Time Stadt (Land Fluss) Orchester-Divertimento Hubertusmesse Symphonie "Drones of druids on celtic ruins" Suite…
Eine neue Woche mit Neuer Musik im Radio. Hier Kalenderwoche 38 (16. bis 22. September) 2019. Ein Titel stammt dabei aus meiner Feder "op.3 g für Violine und Tonband" wars glaube ich. Da ich aber vollständig chronophob (oder war es phonophob, Herr Doktor?) bin, traue ich mich auch nicht zu fragen, ob das wohl jemand errät. Heute vor einem Jahr starb übrigens Paul Virilio, falls sich noch jemand für Dromologie interessieren sollte. Amadé |…
Nachdem Frau O. neulich schon die Antisittenpolizei auf den Plan gerufen hatte, hat sie nun in einem Facebookeintrag nachgelegt. Sie äußert sich mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zur "Causa Domingo, Metoo und Freud". Besonderes Vergnügen empfinde ich an ihrem Punkt 2 aus der Aufzählung von vier "Argumenten". „Wie viele mehr oder minder mächtige Männer saßen Frauen gegenüber, die ihre Karriere mit Augenaufschlag und Hauchstimmchen, transparenten Blusen und minimalen Röcken beschleunigen wollten? Ein…
In einem Kommentar zum „Fall“ Placido D. hat sich die Musikjournalistin Maria O. positioniert. Sie wird als Verteidigerin des Sängers angekündigt. Der Text wird von zahlreichen Personen aus dem Musikleben als brillant bezeichnet. Aber er ist im Kern nur eine Meinung und dazu eine, die selbst mit den Mitteln agiert, die sie anderen vorwirft. Sie schreibt da: „Der Fall zeigt, wie erbarmungslos eine schnell urteilende, teilweise moralinsaure Erotikpolizei über einen Menschen herfällt und sein…