Ein Plädoyer für das langweilige Bild

Gerichtsmedizin. Foto: Hufner
Gerichtsmedizin. Foto: Hufner

„Massenkultur ist ungeschminkte Schminke.“1Band 3: Dialektik der Aufklärung: Das Schema der Massenkultur. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 1608 (vgl. GS 3, S. 317)

Da fällt mir jetzt grad auch nichts mehr zu ein.

„Kitsch ist der Niederschlag entwerteter Formen und Floskeln in einer Formwelt, die ihrem Umkreis entrückt ist. Was der Kunst von ehemals zugehörte und heute unternommen wird, rechnet zum Kitsch.“2Band 18: Musikalische Schriften V: Kitsch. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 15628 (vgl. GS 18, S. 791)

Es ist der Ekel,  der mir in letzter Zeit aus den „perfektionierten“ Fotos entgegenspringt: Tausendfach die Meerbilder mit Langzeitaufnahmen und mit ihrer hohen Sättigung am Abend; die Aufnahmen von den einsamen und gleichwohl geschönten Menschen und so inszeniert, dass die Bilder brüchig werden müssen und zum bloßen Kitsch, zum Vorgefühl eines Nichtgefühls werden. Optische Werke (Fotos) sind dafür besonders anfällig.

Ich plädiere daher für eine Abrüstung dieser hochgeladenen fotografischen Systeme. Ich plädiere für das langweilige Bild, für das Bild ohne Witz, für das Bild, das einen nicht überreden will, nicht einmal die Fotografin.

 

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Fussnoten:

  • 1
    Band 3: Dialektik der Aufklärung: Das Schema der Massenkultur. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 1608 (vgl. GS 3, S. 317)
  • 2
    Band 18: Musikalische Schriften V: Kitsch. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 15628 (vgl. GS 18, S. 791)

der huflaikhan

Betreiber der Kritischen Masse seit 1995. Seit 2023 Wiederaufnahme. Promotion mit einer Arbeit über Adornos kompositorische und theoretische Auseinandersetzung mit der Zwölftontechnik. Arbeit für den Bayerischen und den Mitteldeutschen Rundfunk als freier Autor und Regisseur – zumindest bis Ende 2015. Online-Redaktion für neue musikzeitung, Jazzzeitung und Oper & Tanz. Unglücklich, aber fast taub.