Auf Up-Wegen: Jörg Thadeusz auf Schleimtour

Anbiedern um jeden Preis, und sei es der Verlagspreis des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer nämlich (das ist der, der immer das letzte Wort gehabt haben will), kann er perfekt – und dafür muss er sich nicht mal bewegen, der Jörg Thadeusz. Nun hat sich Thadeusz perfekt für den Vorsitz der Jury des Verlagspreises qualifiziert, indem er beim anderen Preis von Kulturfürst Weimer, dem Buchhandlungspreis, etwaig ausgezeichnete, aber finanziell nicht bedachte Buchhandlung als „irgendwelche Zausel-Buchhandlungen“ titulierte. Für einen Posten in einer Jury wirft er gleich das journalistische Handwerkszeug über Bord. Der Glaube versetzt Zwerge in die Machtposition. Unzuständigkeitsjournalismus perfekt!

Moderator Jörg Thadeusz verteidigt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.

„Leute fühlen sich auf den Schlips getreten, weil Wolfram Weimer irgendwelchen Zausel-Buchhandlungen kein Geld zubilligt“, sagte Thadeusz dem „Spiegel“. Weimer war kürzlich in die Kritik geraten, weil er das Vergabeverfahren für den Deutschen Verlagspreis verändert hatte. Der neue Jurychef, der Moderator und Schriftsteller Thadeusz, verteidigt den Kulturpolitiker nun. Weimer besteht darauf, bei der Auswahl der auszuzeichnenden Verlage das letzte Wort zu haben, das stellt die Juryarbeit aus Sicht der Kritiker infrage. Thadeusz dagegen sagt: „Ich find’s gut, wenn am Ende einer den Kopf für die Entscheidung der Jury hinhält.“ Der Verlagspreis wird vom Bund finanziert, der einen Teil seiner Fördergelder mithilfe von unabhängigen Jurys verteilt. Bereits die Vergabe des diesjährigen Deutschen Buchhandlungspreises sorgte für Aufruhr, weil Weimer sich nicht an die Vorschläge der zuständigen Jury hielt. Drei Buchläden, die für eine Auszeichnung vorgesehen waren, hatte der parteilose Politiker vielmehr vom Verfassungsschutz prüfen lassen und anschließend vom Preisverfahren ausgeschlossen. Thadeusz nennt dieses Vorgehen „Spiegelung“ und „ungeschickt“. Er beschwichtigt aber auch: „Ich glaube ihm aber, und das hat er ja öffentlich gesagt, dass er sich vor allem im Kulturkampf gegen die ganz Rechten sieht.“

Source: Moderator Thadeusz verteidigt Kulturstaatsminister Weimer

Ich spreche dem Mauschel-Moderatoren Jörg Thadeusz im Namen der Kritischen Masse jegliche Qualifikation für eine Form von kulturellem Jury-Vorsitz ab. Aber sowas von … zumal, wenn er dem Fürsten unterstellt, dieser sehe sich vor allem „im Kulturkampf gegen die ganz Rechten“. Da muss man aber wirklich gaaaanz, gaaaaaanz weit nach Rechts gehen oder eben gerade bleiben wo er ist, da ist er mittendrin und nicht nur dabei.

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der huflaikhan

Betreiber der Kritischen Masse seit 1995. Seit 2023 Wiederaufnahme. Promotion mit einer Arbeit über Adornos kompositorische und theoretische Auseinandersetzung mit der Zwölftontechnik. Arbeit für den Bayerischen und den Mitteldeutschen Rundfunk als freier Autor und Regisseur – zumindest bis Ende 2015. Online-Redaktion für neue musikzeitung, Jazzzeitung und Oper & Tanz. Unglücklich, aber fast taub.

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