Von allen Seiten ist die Kultur und die Vernunft durch Angriffe bedroht. Manchmal auch in der Sache zurecht.

April 1933

  • Lesedauer:4 Min. Lesedauer

Ich bin voll auf Operette nun. Ein Buch über Kalman, das Tagebuch von Benatzky. Letzterer! Sehr gut zu lesen das Tagebuch. Natürlich für ‘mein’ Thema hochinteressant. Nach der Lektüre des nachstehenden Abschnitts sofort an Kraus gedacht, die „Dritte Walpurgisnacht.“ 1933, April. Na klar, sehen konnte niemand etwas, nicht wahr? Das ging erstaunlich schnell. Und was ja auch frappierend ist, Benatzky („Das weiße Rössl“) hatte noch wenige Tage zuvor, nun, wie soll man sagen, die Entwicklung in Deutschland immerhin ambivalent gesehen. 1. Feber…

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Drei Zitate

  • Lesedauer:2 Min. Lesedauer

Die Zeiten, die Zeiten: a) Rektor der Hochschule für Musik und Theater München, Siegfried Mauser (2005): Was mich ein bisschen gestört hat an dem Beitrag [über "Operette unterm Hakenkreuz"; M.H.], ist, was ich eigentlich mittlerweile wirklich komplett satt habe, dieses Gegeneinanderstellen von E- und U-Musik und dass man die U-Musik nicht desavouieren sollte aus dem Blickwinkel der E-Musik und umgekehrt das unterhaltsame Genre doch als etwas Gleichwertiges zu sehen habe. Es ist etwas Anderswertiges. Ich finde, das ewige vergleichende Gegeneinanderführen bringt überhaupt…

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Anhalten: Beethoven, Schubert, Wagner – Emanzipation des Stillstands

  • Lesedauer:3 Min. Lesedauer

Manchmal gerät Musik an Stellen, da sie anhält. Aus dem Fluss heraus, manchmal auch, um eine Ende anzudeuten. Sie steht scheinbar auf der Stelle und muss haushalten mit wenig. Bei des vorgestrigen Hörlektüre fiel mir eine Stelle in Beethovens Klaviersonate op. 110 auf. Der letzte Satz besteht aus rezitativischen Teilen und agilen Fugatopassagen. An sich ist das eine unfreuliche Verquickung. Das Redende, aber da ja ohne Text, sprachlose Singen einerseits und das formal konstruktive ohnehin sprachlose des Fugato wird miteinander verknüpft. Akkord-Repetitionen…

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Konservative Kritik [Karl Marx]

  • Lesedauer:1 Min. Lesedauer

Diese Forderung, das Bewußtsein zu verändern, läuft auf die Forderung hinaus, das Bestehende anders zu interpretieren, d.h. es vermittelst einer andren Interpretation anzuerkennen. Die junghegelschen Ideologen sind trotz ihrer angeblich „welterschütternden“ Phrasen die größten Konservativen. Die jüngsten von ihnen haben den richtigen Ausdruck für ihre Tätigkeit gefunden, wenn sie behaupten, nur gegen „Phrasen“ zu kämpfen. Sie vergessen nur, daß sie diesen Phrasen selbst nichts als Phrasen entgegensetzen, und daß sie die wirkliche bestehende Welt keineswegs bekämpfen, wenn sie nur die Phrasen dieser…

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1841 – Ironie

  • Lesedauer:1 Min. Lesedauer

 Diese Dissertation von 1841 — mit ständiger Rücksicht auf Sokrates — ist ein erstaunliches und schwieriges Werk der Philosophiegeschichte.In der Ironie ist das Subjekt negativ frei: denn die Wirklichkeit, welche ihm Inhalt geben soll, ist nicht vorhanden, das Subjekt ist frei von der Gebundenheit, in welcher die gegebene Wirklichkeit das Subjekt hält, aber es ist negativ frei und als solches in der Schwebe, weil nichts da ist, das es hielte.Das Schweben, welches Kierkegaard hier einführt ist die Erkenntnis von Erkenntnis unter der…

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Kirchen-Un-Musik

  • Lesedauer:1 Min. Lesedauer

Theologisch begründet sei dies also, denn es geht nicht nur um Musik, um katholische Note, um buddhistische Noten, um hinduistische Noten, um koptische Noten? Sag' mal, wie bitte schön. Ausweisung für alle buddihistsichen Achtel, aber zackizacki. Und wehe ich höre noch mal ein Präludium von Bach in einer evangelischen Kirche oder eine Fuge von Reger in einer katholischen. Reger, der fetteste und gröbste Säufer vor dem kompositorischen Herrn, dem immer die Tonarten durcheinander geraten sind. Furchtbar. Höchstens zur Wandlung, die ja scheinheilig…

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Alban Berg: Sonate für Klavier op. 1

  • Lesedauer:3 Min. Lesedauer

Gerade, Alban Berg, Sonate für Klavier op.1. Ungeheuerlich. Es interessiert ja keinen, aber trotzdem sei es gesagt. Ich war damals ein kleiner Hupfer, vielleicht 17 oder 18 Jahre alt. Die Musikbibliothek der Stadt Wolfsburg suchte ich auf, nachzuschauen, was die haben von Alban Berg und anderen. Das war eine wirklich kostbare Sache da in Wolfsburg. Es gab eine Schallplatte mit dem Stück drauf und die Noten auch, die noch in dieser Jugendstil-Titelblatt-Ästhetik verfasst waren (Drei Lilien Verlag oder so etwas). Auf der…

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Das Weltgeheimnis & der Kitsch

  • Lesedauer:1 Min. Lesedauer

Ein Junkie erklärt nichts. Nein, das tut er nicht. Aber er mag um Rücksicht bitten dafür, dass er gerne in alten Büchern herumliest und sich immer wieder aufs neue angeregt fühlt. Durch Typographie, durch Gestaltung, durch Texte, durch die Zeit selbst. Denn auch die Vergangenheit kann ein (vielleicht auch heilsamer) Spiegel sein. So entdeckt, ein namenloses Bekenntnis zum Kitsch in „Europa 1925“, einem Buch von dem Tucholsky sagte, dem Setzer müssten die Ausrufungszeichen wohl ausgegangen sein und der das Werk „unlesbar“ fand.…

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McGesellschaft

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Andererseits, ja andererseits, wird die Rotation von Musik nur durch die Rotation von fehlendem Herz und Hirn ersetzt. Man wiederholt Big Brother und füllt den Rest mit anderem Trash (das deutsche Wort „Müll“ ist noch zu vornehm) aus. Sind die Schlüpper der Susi wirklich pinkfarben, wer scheißt am schnellsten, wie werde ich ein Star, wo gibt’s die nervigsten Klingeltöne? Wir haben damals ja noch Klingelstreiche gemacht und Zahnpasta unter Türklinken platziert und legen uns heute einfach eine gepflegte Brahms-Sinfonie auf den Plattenteller.…

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Quote und Existenzgründung: Komponisten-Report

  • Lesedauer:2 Min. Lesedauer

Das Kulturinformationszentrum der neuen musikzeitung hat sich ausgiebig mit der Deutsch-Quoten-Diskussion und der Frage nach freiwilliger Selbstverpflichtung im Rundfunk befasst. Eine Stellungnahme der Kulturstaatsministerin Weiss hängt an. Frau Vollmer von den Grünen wird zitiert mit: Die Grünen-Abgeordnete Antje Vollmer betonte, eine Quote wäre ein Signal zur Sicherung von Künstlerexistenzen und für mehr Qualität im Rundfunk. Aber stimmt das denn wirklich, Frau Vollmer? Das Mica (Music Information Center Austria) hat einmal etwas zur Lage der Komponisten in Österreich recherchiert. Die Ergebnisse sind tief…

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