Fast monatlich bekomme ich einen Nachtgast, also so einen, der eine Nacht bleibt; eben einen, der ein Bett für eine Nacht in der ihm fremden Stadt benötigt. Dieser Gast war nun da. Ich kann den zwar überhaupst nicht leiden, weil er schmutzt und einen in einer Tour beleidigt, weil er 1860er-Fan ist, weil er dick und kurz ist und mit Bart. Mit einem Wort: Weil er mich an mich erinnert, wenn ich einmal so alt bin als wie er.
<%image(20041124-okkarina.jpg|140|100|Ökke)%>
Aber: Witzig isser schon. So packte er gestern aus dem Gegruschte meines Schreibtisches das einzige Musikinstrument (siehe Abbildung rechts) und spielte darauf wie ein Volldepp etwa so etwas (mp3 – 100 Kb). Danach dann trocken: „Strauss: Alpensinfonie.“
Allerdings hat er es sich gestern abend komplett verscherzt. Vom nächtlichen Ausflug zurück, fragte mich, ob er einen Apfel haben könne. Ich willigte ein. Fehler, großer Fehler, hätte Mao gesagt. Er nahm sich nicht den doofen großen Grünen, sondern den kleinen roten leckeren aus Berlin. Der Hund, das Sackgesicht (siehe Foddo gleich rechts). Darauf konnte ich die ganze Nacht kein Auge zutun. Und auch morgens, als er mich zu wecken beabsichtigte, schrie ich ihn sofort wild an, dass er das größte Arschloch von der Welt sei und dass er absolut bei mir verschissen habe. Ausgerechnet den kleinen leckeren Apfel aus Berlin, dieser Trampelarsch. Er hat natürlich toll geschlafen. Dieser, dieser, dieser
ich mags nicht sagen.
<%image(20041124-fiesergast2.jpg|180|135|Der fiese Gast)%>
Das ärgerte mich alles umso mehr, als ich ihn gestern abend noch wenigstbietend abgeben wollte. Aber keiner der drei weiteren Personen der näheren Bekanntschaft mochte ihn mir abnehmen. Der eine drohte damit, er müsse sich dann die Nacht dessen komplette Jazzplattensammlung anhören, der andere wollte das seiner Familie nicht antun, bei der nächsten hätte es einen Eifersuchtsanfall gegeben. Also musste ich ihn ja wieder mitnehmen, den bayerischen Blödhampel.
Morgens wollte er dann auch noch ein heißes italienisches Nationalgetränk. Habe ich gemacht, trotzdem. Dann noch ein kurzes Gespräch über die Uhrzeit an meinem Backofen. 11:01. Sommerzeit! Meinte er doch glatt: „Nur gut, dass Winterzeit ist, sonst wäre ich jetzt eine Stunde zu spät.“ Er fragte noch nach dem Wort der Bayern mit drei Buchstaben. Ich gab zurück: „Dep“, „dof“, „Trl“, „Bet“ — er beharrte auf „fei“ und ich solle doch mal schnell im Internet nachschauen. Da habe ich ihn rausgeworfen, samt seinen dreckigen Klamotten. Und nun habe ich die Schädlingsbekämpfung im Haus. Grrrrr. Und dann eben die Geschichte mit dem Apfel, er hätte doch auch Brühwürfel oder Bananen haben können oder Zwiebeln.
Und jetzt überlege ich, ob ich mir die Internetadresse „kritische-bayern.de“ reservieren lassen soll. Mit Abschiebeanträgen für den Seehoferhorst, den Stoiberhund, den Becksteinverrecktsein, die Straussmaus oder Gloskloß sowie den fiesen Gast, die alte Ratte.
Hier der fiese Gast in freier Wildbahn. Links ein Komponist, dann der fiese Gast, dann eine Journalistin und etwas abseits ein brillanter Xenakis-Pianist.
<%image(20041124-fieser-gast.jpg|500|326|Fieser Gast in bunt)%>
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