Konstellation, Montage, Komposition, Zitat

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Zitieren oder zitieren; das Recht hat sein recht. Und die Frankfurter Rundschau lässt sich wissenschaftlich erklären, wann ein Zitat ein Zitat ist. Zitate dürfen kein Selbstzweck sein, sagt man. Das stimmt. Doch was bedeutet das. Die Wissenschaft, aber die Interpretation von Phänomenen im allgemeinen, funktioniert nicht zwingend nach dem Prinzip der Deduktion oder der Induktion. Also, ich zitiere etwas, dann kommentiere ich es, oder das Zitat belegt die Aussage, die man entwickelt hat. Das ist aber nur eine Form des Schöpfens von Er(Kenntnissen). Man folgt hier streng der zweidimensionalen Logik. Dialektische Logik kennt auch andere Wege. Ihren vielleicht prominentesten Ausdruck findet sie in der Materialsammlung von Walter Benjamins “Passagenwerk”.

Es besteht zu großen Teilen aus Zitaten, die nicht kommentiert oder eingeleitet werden. Diese Zitate werden selbst zu einem Bild, sie sind ausgewählt und steht für sich. Diese Form des Nachdenkens über Fragen, Themen, Felder beruht darauf, dass der direkte Blick den Zugang eher verwehrt denn ermöglicht. In der „Negativen Dialektik” findet sich folgendes Bild:

Erkenntnis des Gegenstands in seiner Konstellation ist die des Prozesses, den er in sich aufspeichert. Als Konstellation umkreist der theoretische Gedanke den Begriff, den er öffnen möchte, hoffend, daß er aufspringe etwa wie die Schlösser wohlverwahrter Kassenschränke: nicht nur durch einen Einzelschlüssel oder eine Einzelnummer sondern eine Nummernkombination.
[Band 6: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit: Zweiter Teil: Negative Dialektik. Begriff und Kategorien. Digitale Bibliothek Band 97: Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 3086 (vgl. GS 6, S. 165-166)]

Auch in der Kunst kennt man derartige Verfahren als “Montage” (seltener als „Collage”) und in der Soziologie Max Webers tritt es es auf als “Komposition”. Das Zusammenstellen wird zur Grundlage eines Bildes, aus dem mehr herausspringt als aus der Analyse und Darstellung eines Einzelphänomens. So geschehen als Form einer Reaktualisierung von Beethovens 9. Sinfonie in älteren Konzerten des Dirigenten Michael Gielen. Er riss die Sinfonie vor ihrem letzten Satz auseinander und unterbrach sie mit Schönbergs „A Survivor from Warsaw”. Das ist eine bewusste Herbeiführung der Konstellation. Nach Schönbergs Stück klingt die “Ode an die Freude” anders. Sie hat weniger etwas plump Euphorisches, sondern wird in gegenseitiger Beobachtung zu einer Fiktion. „Alle Menschen werden Brüder” hat einen anderen Tonfall, wenn zuvor die Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto musikalisches Thema war.

Bei Benjamin gibt es die Frage der Montage an zentraler Stelle. Unter “Erkenntnistheoretisches, Theorie des Fortschritts” findet sich der Eintrag N 1 a, 8:
„Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen. Ich werde nichts Wertvolles entwenden und mir keine geistvollen Formulierungen aneignen. Aber die Lumpen, den Abfall: die will ich nicht inventarisieren sondern sie auf die einzig mögliche Weise zu ihrem Rechte kommen lassen: sie verwenden.” Walter Benjamin, Das Passagen-Werk, Erster Band, Frankfurt/M. 1983, S. 574
Zuvor im Fragment N 1, 10:
“Diese Arbeit muß die Kunst, ohne Anführungszeichen zu zitieren, zur höchsten Höhe entwickeln. Ihre Theorie hängt aufs engste mit der der Montage zusammen.” ebenda, S. 572
Auch die Literatur kennt ein solches Verfahren. Es wird freilich nicht immer geschätzt. Die Parataxe. Das ist eine Form der Satzverbindung, bei der selbständige Sätze aneinandergereiht und miteinander verbunden sind. Also im banalen Sinn: Die Sonne geht auf. Ein Vogel sitzt im Nest. Ich ziehe mir einen Popel aus der Nase. Parataxe im weiteren künstlerischen Sinn kann aber genau ein Konstallation bilden, die das, was sie bezeichnet, nicht beim Namen nennt. Jakob van Hoddis und Alfred Lichtenstein werden als Lyriker dafür gerne herangezogen. Als ein Beispiel hier das Gedicht „Der Sturm” von Alfred Lichtenstein:
Der Sturm

Im Windbrand steht die Welt. Die Städte knistern.
Halloh, der Sturm, der große Sturm ist da.
Ein kleines Mädchen fliegt von den Geschwistern.
Ein junges Auto flieht nach Ithaka.

Ein Weg hat seine Richtung ganz verloren.
Die Sterne sind dem Himmel ausgekratzt.
Ein Irrenhäusler wird zu früh geboren.
In San Franzisko ist der Mond geplatzt.

Alfred Lichtenstein, Dichtungen, Zürich 1989, S. 81
Dies nur als Beispiele genannt für Erkenntnisprozesse über Verfahren der Konstellation, der Montage und der Parataxe. Das sind Fragen, die an der Konstruktion des Urheberrechts fast komplett vorbeigehen, was nicht heißt, dass man sie mit jenen Mittel behandelt. Und dass mit diesen Mittel Recht gesprochen wird. Dass es dabei zu Verzerrungen kommt und zu Verwirrungen, nimmt nicht wunder.

Die Transformation von Wissen in Rechts- und Wirtschaftsgüter hat nun auch die Gutmeinenden erfasst und dadurch wird die Maskerade von einer Gesellschaft, die sich als Gemeinschaft gegenseitiger Partizipation aus dem Bereich der bürgerlichen Öffentlichkeit entwickelte, zur Eigentumsindustrie genau gespiegelt. Was bedenklicher noch scheint, ist, dass abweichende Erkenntniswege sich am Gesetz zu orientieren haben. Diese leben von der Fixierung in Konventionen und Definitionen. Es wird also definiert, wann ein Zitat ein Zitat ist. Definitionen spiegeln jedoch einer Objektivität vor, die sie nicht haben. Definitionen stellen Prozesse kalt.

Zurück zum zitierten Juristen in der Frankfurter Rundschau: In seiner Sicht fehlt die erkenntnistheoretische Position des Materials, der Sammlung von Material unter bestimmten Gesichtspunkten, die zusammen ein Bild erzeugen, welches auf andere Art nicht zu gewinnen ist. Das ist auch nicht eine Frage des Urheberrechts sondern eine der Erzeugung von Wissen. Das wird ja gerne miteinander vermischt. Hegel noch hatte keine angst vor der Verbreitung seines Wissens. Aber er hatte angst davor, dass sich jemand anderes seine Texte unter fremdem Namen zu eigen machte — vor dem Plagiat nämlich (siehe §§ 68, 69 und 64 für den Übergang von Geistigem in Gemeinwerte in Hegels Grundlinien einer Philosophie des Rechts).

Das Schlusswort lasse ich mir von Walter Benjamin schreiben:
“Zitate in meiner Arbeit sind wie Räuber am Weg, die bewaffnet hervorbrechen und dem Müßiggänger die Überzeugung abnehmen.” Walter Benjamin, Einbahnstraße, Frankfurt/M. 1977, S. 108.
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Konstellation, Montage, Komposition, Zitat

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Zitieren oder zitieren; das Recht hat sein recht. Und die Frankfurter Rundschau lässt sich wissenschaftlich erklären, wann ein Zitat ein Zitat ist. Zitate dürfen kein Selbstzweck sein, sagt man. Das stimmt. Doch was bedeutet das. Die Wissenschaft, aber die Interpretation von Phänomenen im allgemeinen, funktioniert nicht zwingend nach dem Prinzip der Deduktion oder der Induktion. Also, ich zitiere etwas, dann kommentiere ich es, oder das Zitat belegt die Aussage, die man entwickelt hat. Das ist aber nur eine Form des Schöpfens von…

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Meta Magic Music – Some Quiet Stars

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Meta Music bringen von ihrer ersten CD an exzellente Musik auf den digitalen Tonträger. Das kleine Label, welches momentan in Berlin seine Heimat gefunden hat, machte sich die Mühe, eine Art Querschnitt durch ihr Programm zu kompilieren. 11 verschiedene Stücke, das Spektrum reicht von Alter Musik (wunderschön die „Music For A While” von Purcell) über genreübergreifende Produktionen (“Tschah-Tschaah” von Ernst Schultz & Holger Stamm) bis zum aktuellen Jazz ("La Libertad de la Muerte” von Johnny La Marama). Das passt erstaunlich gut alles…

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Da brennt einem doch gleich das Wasser in der Pfanne an

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Ein Star wie H2OHayley Westenra ist die neue, erfolgreiche Stimme aus Neuseeland — pur und klar wie Volvic naturelle. Mit weltweit 150 Millionen verkauften Alben ist sie international bereits ein Star und hat jetzt ihr Album „Pure“ in Deutschland veröffentlicht.Auweia. Wie durchsichtig, wie spannend. Musik als Sturm im Wasserglas. Ja, auch Dieter B. ist bald schon Werbeträger ihres örtlichen Wasserversorgungsunternehmens. Besser kann man nicht beschreiben, wie man aus Nichts ein Etwas machen möchte. Volvic, da schnalzt der Gourmet mit der Zunge. Mich…

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Aktionsbuendnis: Urheberrecht fuer Bildung und Wissenschaft

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Ich unterschreibe wirklich nicht gerne. Aber in diesem Fall gerne. Die “Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft vom 5. Juli 2004”.

Mit der Antwort auf die Frage "Wie zugänglich sind Wissen und Information?" wird entschieden über die Bildungs- und Entwicklungschancen jedes einzelnen Bürgers in der Informationsgesellschaft wie auch über die Chancen künftiger Generationen, auf dem vorhandenen Wissen aufbauen zu können. Die im Urheberrechtsgesetz (UrhG) getroffenen gesetzlichen Regelungen haben nachhaltigen Einfluss darauf, ob sich in unserer Gesellschaft offene, vernetzte Kommunikations- und Informationsstrukturen entwickeln können. Sie entscheiden damit auch über die Qualität unseres Bildungssystems, über die Inventionsfähigkeit der Wissenschaft und die Innovationskraft der Wirtschaft. Im globalen Wettbewerb sind sie die wesentlichen Faktoren für eine prosperierende soziale, kulturelle und ökonomische Entwicklung und damit für die Zukunft unserer Gesellschaft.

Bei der Umsetzung der Richtlinie 2001/29/EG in das Urheberrecht hat der Gesetzgeber bisher vornehmlich die Belange der Rechteverwerter zur kommerziellen Nutzung der digitalen Medien und der Netze als zusätzliche Vertriebswege berücksichtigt. Im Vordergrund standen vor allem die Vermeidung von Risiken für die private Rechteverwertung und nicht die Nutzung der mit den neuen technischen Medien verbundenen Chancen für die Allgemeinheit. Dies gilt insbesondere für den Bereich von Bildung und Wissenschaft. Die Informationsgesellschaft bietet hier neue Potenziale der Wissensvermittlung und der Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die Nutzung dieser neuen Möglichkeiten ist im globalen Kontext ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, setzen uns dafür ein, dass diese Potenziale der digitalen Medien und Kommunikationssysteme für die Allgemeinheit und hier insbesondere für die Wissenschaft offen nutzbar bleiben und nicht vorrangig zur privatwirtschaftlichen Vermarktung von Information restriktiv reguliert werden:

In einer digitalisierten und vernetzten Informationsgesellschaft muss der Zugang zur weltweiten Information für jedermann zu jeder Zeit von jedem Ort für Zwecke der Bildung und Wissenschaft sichergestellt werden!”
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Einbildung ist auch eine Bildung

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In der aktuellen Pressemeldung des Bundesverbandes der phonographischen Wirtschaft darf man lesen:
Darüber hinaus konnten wir demonstrieren, dass die Musikfirmen trotz schwieriger wirtschaftlicher Situation nach wie vor der stärkste Investor in musikalische Kreativität sind.

Da haben die dem Kanzler gegenüber demonstrieren können. Entweder das ist maßlos übertrieben oder der Kanzler ein Depp. Wer nahm überhaupt teil an diesem Besuch?
An dem Gespräch nahmen neben den beiden Politikern [Gerhard Schröder und Klaus Wowereit] und ihren Delegationen Gerd Gebhardt und Dr. Thorsten Braun für die deutschen Phonoverbände, Frank Briegmann, Peter James (Präsident des VUT und Geschäftsführer des Deutschen Musikexportbüros GermanSounds), Piet Bubenzer (Sony Music), Horst Weidenmüller (Label K7), Tina Funk (Label Mute), Fitz Braum (Four Music), Raik Hölzl (Kitty-Yo) und Dr. Rolf Budde (Budde Musikverlag) teil.
Soso K7 (DJ Kicks), soso Kitty-Yo (Kante), soso Label Mute (Einstürzende Neubauten), soso Four Music (Fanta4), soso, das Musikexportbüro in Person Peter James (Deutscher Musikrat)? Nichts für ungut, gut zu wissen.
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