Tobias PM Schneid
Tobias PM Schneid - jetzt muss ich mal nachtragen - ist ein guter Komponist. Das habe ich früher schon gesagt und ich sage es jetzt ein weiteres Mal.
Tobias PM Schneid - jetzt muss ich mal nachtragen - ist ein guter Komponist. Das habe ich früher schon gesagt und ich sage es jetzt ein weiteres Mal.
Eine der lustigsten Passagen der Gesprächskultur. Beteiligte: Heinz Lubasz, Herbert Marcuse, Jürgen Habermas und Tilman Spengler. Ja und Nein, im Prinzip kreiseln alle. MARCUSE Die citoyen ist ja nicht mehr jeder beliebige, citoyens sind die Menschen, die bereits anders geworden sind. LUBASZ Die müssen in der Mehrzahl sein. HABERMAS Im Prinzip alle. LUBASZ Ja. MARCUSE Nein, nicht alle. LUBASZ Doch, im Prinzip alle. SPENGLER Wir kreiseln. HABERMAS Wir kreiseln. Ich finde, wir sollten zur ästhetischen Theorie übergehen .. SPENGLER Ich schlage vor,…
In der SZ vom 6/7.3.2004, Seite 16 schreibt Tim Renner und stimmt damit in die Analysen Janko Röttgers ein. Der physische Träger CD taugt als Haupteinnahmequelle nicht mehr. Vertriebs- und Abnahmewege müssen neu gedacht werden. Nicht einfach für Weltunternehmen. Das mag alles sein, es mag vielleicht auch richtig sein. Meiner Meinung nach sind das aber Phänomene, die nicht in die Tiefe der Probleme reichen. Renner schließt recht emphatisch, fast romantisch, Synergien zwischen Indies und Fusionen zwischen Majors fordernd: Beachten dies beide Seiten,…
Seit einigen Jahren liege ich im Clinch mit Herrn G. über die sinnvolle Verwendung und überhaupt die Bedeutung von sogenannten “Werten” - oder wie aus der Schule “... und Normen.” Ich musste dabei immer an einen Disput zwischen Heinz-Klaus Metzger und Theodor W. Adorno denken, den diese 1957 über das “Altern der neuen Musik” führten. Und der der ging so: METZGER Ja, selbstverständlich bin ich darin mit Ihnen einig. Es scheint mir nur so, wenn mir der Begriff der Qualität oder der…
Normalerweise bin ich kein Autogramm-Jäger. Aber jetzt musste ich doch einmal anlässlich der letzten taktlos-sendung. Da war nämlich der Herr Henscheid mit dabei. Nach der Sendung klärte er mich darüber auf, dass er eigentlich keine Probleme mit der Deutschen Bahn AG hat, er sprach gelegentlich in Shakespearescher Manier - woran sich die anderen am Tisch gerne beteiligten und gerne sogar zur Reimform neigten. Und er übermittelte mir eine Adorno-Anekdote, die er mir - aus Mangel anderen Papiers - in ein Reclam-Büchlein von…
Musik kann schon ein richtiger Weichmacher sein. Blinde werden sehend, Taube hörend und Menschen brav, vor allem aber Letzteres. Da werben die auf der Abschussliste des Berliner Senats stehenden Berliner Symphoniker in U-Bahnen mit dem Slogan Kinder, die musizieren, kommen nicht auf dumme Gedanken (wie zum Beispiel in einen Gurkentransporter ohne Führerschein fahren), das internationale Büro der Jeunesses musicales hat eine Plakatserie hergestellt, auf der die gesellschaftlichen Verlierer hoffnungsfroh auf die Rettung durch Musik hingewiesen werden (siehe Bild) warum also länger…
Gestern während einer Zugfahrt, bei der Lektüre einiger Dichtungen von Alfred Lichtenstein, fiel mir das erste mal ein Gedicht mit dem Titel „Die Plagiatoren” auf. Darin geht es um die Zusammenarbeit aller bei der Findung oder Erfindung von Menschen mit Menschen.
Die Plagiatoren
Ein jeder ist ein Teil vom Schicksal anderer,
Die vor ihm waren und die um ihn gehen,
Die auch nur einmal, eilge Weiterwanderer,
Den Weg ihm kreuzend, flüchtig bei ihm stehen.
Sie kommen, kommen ohne Zweck und Sinn,
Entfernen sich mit leichtem Wanderschritt.
Sie bringen alle etwas zu ihm hin.
Sie nehmen alle etwas von ihm mit.
Aus: Die Gedichte des Aliwi (5.1.1912)
Die Rubrik hier findet ihren Ursprung in einer Redaktionsreaktion. Ich meinte, man müsse den Begriff der Kreativität (und ihres Wertes) abziehen vom Verfahren des Urheberrechts oder von Verwertung. Das sei falsch, bdeutete man mir. Darauf meinte ich, es habe schließlich auch Kreativität in einer Zeit gegeben, als es noch kein Urheberrecht oder ähnliches gegeben habe. Die Reaktion: Das sein ein Killer-Argument, darüber müsse man erst nachdenken. Es scheint mir wirklich so zu sein, dass Fragen der Verteilung und Verbreitung geistigen Schaffens erst in der letzten Zeit von Fragen des Rechts und seiner Verwertung überlagert worden sind. Und das auch in dieser Form vielleicht erst seit wenigen Jahren. Darauf bezog sich schon der Eintrag “Adorno und das Urheberrecht” in diesem Weblog. Adorno war das alles im Wesentlichen Wurscht – zumindest in dieser Begrifflichkeit. Bei im geht es eher mal um die Frage des "gerechten bzw. ungerechten Tausches.”
Nun gibt es auch Äußerungen von Blaise Pascal oder Johann Wolfgang von Goethe, die ganz ähnlichen Charakters sind wie Lichtensteins Gedicht hier. Ich werde das gelegentlich noch aufbereiten.
Was mich bei Lichtenstein zunächst erstaunte, war, das dieses Gedicht „Die Plagiatoren” heißt. Vor Plagiaten oder Plagiatoren hatte schließlich auch Hegel Respekt, im Sinne, dass sie, die Plagiatoren, seine, Hegels Texte unter anderem Namen veröffentlichen könnte. Das sei schon ziemlich schlimm, aber es genüge auch, wenn sie nachgedruckt würden, ohne dass er es mitbekommen hätte. Neben dem Schmücken mit falschen Blumen und möglichen engangenen Honoraren war dabei auch das Problem geshen, dass eine Diskussion der Inhalte ohne sein Wissen laufen könnte. Aber auch dazu später einmal mehr.
Lichtenstein hats in seinem Gedicht sehr einfach und einleuchtend beschrieben. Menschen kommen zusammen, Menschen bauen auf dem Wissen anderer Menschen auf. Die Wege kreuzen sich flüchtig und man nimmt davon eben etwas mit. Gerade so, wie wenn man abends (oder überhauupt) mit irgendwem sich unterhält. Das Gesagte wird mehr oder weniger deutlich die Herausbildung neuer Gedanken oder abweichender hervorbringen – oder vergessen oder später wirksam. “Ein jeder ist ein Teil vom Schicksal andrer. … Sie bringen alle etwas zu ihm hin. / Sie nehmen alle etwas von ihm mit.” Das Ganze ist wie selbstverständlich und so lapidar formuliert es Lichtenstein auch, als wäre es das Normalste von der Welt. Offensichtlich steckt hinter der Lichtensteinschen Auffassung etwas andere als die Angst Hegels. Zum Plagiator wird bei Lichtenstein eigentlich jeder, der jemals mit der Außenwelt in Kontakt gerät. Damit verliert die negative Konnotation des Plagiators ihren Sinn: Man kann nichts anderes sein als auch ein Plagiator.
(to be continued)
Eine weitere wunderbare Bass-Aria aus der Kantate BWV 30 „Freue dich, erlöste Schar”. Die fängt gar freundlich an, obwohl ich nach der Auflistung nur diese “Ich will nun hassen” sah. Ein Hass-Stück von Johann Sebastian Bach. Tja, reingefallen. [1] Ich will nun hassen [2] Und alles lassen, [3] Was dir, mein Gott, zuwider ist. [4] Ich will dich nicht betrüben [5] Hingegen herzlich lieben. [6] Weil du mir so gnädig bist. Nun eben recht doppelseitig angelegt dieser Vers. Irgendwie auch in Moll,…
10.März 2004, 21:30-22:30 Bayern2Radio und vor Ort im Münchner Literaturhaus - Galerie Musik und Literatur - inwieweit konkurrieren diese Kunst-Sparten, wo ist sinnvolle Zusammenarbeit möglich, wo gar nötig und wie lässt sich die Qualität solcher Mischformen feststellen? taktlos # 75 kommt am 10. März um 21.30 Uhr live aus dem Münchner Literaturhaus und über Bayern2Radio. Mit Moderator Theo Geißler diskutieren der Musikschriftsteller Ulrich Dibelius, der textverarbeitende Komponist Heiner Goebbels und der hochmusikalische Literat Eckhard Henscheid. Lyrik und Musik liefern das “Ensemble Lyrik…
Heute hat das EU-Parlament die sogenannte IP-Enforcement-Directive. Diese gestattet weitreichende rechtliche Neuregelungen zur Strafverfolgung bei sogenanntem geistigen Diebstahl. Gegen die Veraschiedung dieser Direktive haben nicht nur Bürgerrechtler und Datenschützer mobil gemacht sondern auch Künstler wie Michael Franti (Spearhead) und John Perry Barlow (The Grateful Dead). Die Lobby von dieser Seite war wohl zu klein. Dagegen dürften sich die Vorstellungen der Abgeordneten Fortou, die Gattin des Chefs des Medienkonzerns Vivendi, weitgehende durchgesetzt haben.
Noch ist diese Direktive nicht nationales Recht, doch dürfte schon in Kürze mit Sammelklagen gegen Tauschbörsennutzer zu rechnen sein. Weitere kritische Informationen zum Thema bei IP Justice.
Auf den Webseiten des Europäischen Parlaments muss man sich auch erst einmal zurecht finden, oder besser suchen. Die Meldung dort lautet:
Gegen Warenpiraterie und Fälschungen
Janelly FOURTOU (EVP-ED, F)
Bericht über den Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Maßnahmen und Verfahren zum Schutz der Rechte an geistigem Eigentum
Dok.: A5-0468/2003 [Alle Details zur Richtlinie, die Haltung der Berichterstatterin … sehr ausführlich und lang]
Verfahren: Mitentscheidung (1. Lesung), ***I
Aussprache: 09.03.2004
Annahme: 09.03.2004 (mit 330:151:39 Stimmen)
Das Parlament hat einige Änderungen am Kommissionsvorschlag angenommen. Diese Änderungsanträge sind mit dem Rat abgesprochen worden. Hierdurch wird es ermöglicht, dass die Richtlinie auch von dem Rat noch vor Ende der Legislativperiode angenommen werden und demnächst in Kraft treten kann. Durch die Richtlinie sollen die sehr unterschiedlichen nationalen Rechtsvorschriften in über Maßnahmen zur Durchsetzung der Rechte aus geistigem Eigentum harmonisiert werden. Weiterhin soll ein allgemeiner Rahmen für den Informationsaustausch zwischen den zuständigen nationalen Behörden geschaffen werden. So sollen Fälschung und Piraterie im Binnenmarkt bekämpft werden. Diese Probleme betreffen viele Produkte: Software, Spielzeug, CDs, elektronisch gespeicherte Musik und selbst Arzneimittel, wodurch die Gesundheit gefährdet ist.
Die Abgeordneten fordern in einer Erwägung, dass die Maßnahmen der Richtlinie nur bei in gewerblichem Ausmaß vorgenommenen Rechtsverletzungen angewandt werden müssen. Die Maßnahmen können jedoch von den Mitgliedstaaten auch bei anderen Rechtsverletzungen angewendet werden (Änderungsanträge = ÄA 54, 59). Die Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten also nicht, eine gutgläubig von Privatpersonen begangene Rechtsverletzung zu bestrafen.
Die Abgeordneten wollen die recht ausführlichen Vorschriften des Kommissionsvorschlags zu strafrechtlichen Sanktionen beschränken. Sie fordern nur “angemessene” Sanktionen der Mitgliedstaaten, die unbeschadet der zivilrechtlichen und verwaltungsrechtlichen Maßnahmen zu verhängen sind (ÄA 95). Die Richtlinie soll jedoch nicht das nationale Strafrecht und die sich aus internationalen Übereinkünften für die Mitgliedstaaten ergebene Verpflichtungen einschränken (ÄA 77).
Die Abgeordneten haben eine Reihe von weiteren Änderungsanträgen angenommen, in denen sie insbesondere Änderungen am Verfahren vornehmen. So z. B. bezüglich der Urheberrechtsvermutung, der Beweismittel, des Beweismittelschutzes, des Rechts auf Auskunft und einstweiliger Maßnahmen (ÄA 81-84). Änderungsanträge gibt es auch zum Rückruf der Ware (ÄA 87), zu aus dem Verkehrziehen rechtsverletzender Ware (ÄA 88), zur Vernichtung der Ware (ÄA 89), zu Vorbeugemaßnahmen (ÄA 90) sowie zur Höhe des Schadensersatzes (ÄA 92).
Weitere Informationen:
Tanja Rudolf
(Straßburg) Tel.: (33-3) 881 74897
(Brüssel) Tel.: (32-2) 28 31053
e-mail: lega-press@europarl.eu.int
Hervorhebungen von mir.
Eine zusammenfassende und kommentierende Beschreibung der Probleme, Folgen und Ergebnisse dieses Direktive gibts wie immer kompetent im Mix, Burn & R.I.P-Weblog von Janko Röttgers.
Erste Reaktionen von Datenschützern und den deutschen Phonoverbänden im Wortlaut:
EU: IP-Inquisition abgesegnet
q/depesche 2004-03-09T16:14:00
Wir schreiben das Jahr 2004 AD. Unabhaengige Kuenstler sind heute die Ketzer. CD-Brenner und P2P Werkzeuge des Satans, Internetprovider falsche Propheten und jeder der ein MP3 besitzt ist ein Unglaeubiger, den man durch harte Strafen zum wahren Glauben an “Geistiges Eigentum” bekehren muss. Und alles im Namen des Herrn Mammon.
Igni et ferro.
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Willkommen im Reich der Intellectual Property – Mafia
[…]
Ohne grosse Diskussion ist heute in Strassburg direkt nach der ersten Lesung die Richtlinie zur Durchsetzung von Geistigem Eigentum abgestimmt worden. Während bei weniger umstrittenen Richtlinien zwei Lesungen üblich sind, wurde diesmal durch Geschäftsordnungstricks nur eine in Anspruch genommen. Der Abstimmungstermin war erst seit Freitag bekannt, Änderungsantraege wurden nicht mehr zugelassen.
[…]
Fourtou mit dem Vorstandsvorsitzenden von Vivendi-Universal verheiratet ist, einem der grössten Nutzniesser dieser Richtlinie. Hier wird ein grosses Demokratie-Defizit offensichtlich, das Assoziationen an einen Bananen-Staat weckt.“, so Markus Beckedahl für das Netzwerk Neue Medien.
[…]
”Wieder einmal wurde die Balance zwischen den Interessen der Rechteinhaber und den Interessen der Gesellschaft verschoben. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Hausdurchsuchungen und Kontosperrungen bei Jugendlichen kommen. Hier wurde vollkommen unverhaltnismässig eine Richtlinie auf den Weg gebracht, die ihren ursprünglichen Zweck aus den Augen verloren hat und jugendliche Tauschbörsen-Nutzer mit dem Organisierten Verbrechen gleichsetzt. Dabei werden den Rechteinhabern Instrumente der Selbstjustiz zur Verfügung gestellt, die den Datenschutz aushebeln und Internetprovider zu Hilfspolizisten machen.“
[…]
Förderung der Freien Software in Österreich.
Mehr Informationen gibt es in englischer Sprache unter http://www.ipjustice.org/CODE/.
Netzwerk Neue Medien e.V., http://www.nnm-ev.de
Verein zur Förderung der Freien Software, http://www.ffs.or.at
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relayed by Abdul Alhazred
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Bernhard Mayer, ebenfalls von der österreichischen Informationsliste q/depesche wittert hinter der Verabschiedung der Richtlinie ein raffiniertes Austricksen des EU-Parlaments:
EU: Alles Recht geht vom Gelde aus. Noch Hoffnung in .at
q/depesche 2004-03-09T16:29:56
Die IP-Mafia hat es geschafft. Durch die Ausnutzung der Geschäftsordnung hat sie das EU-Parlament ausgetrickst und die von vielen kritisierte Kinderverklagsdirektive für Medienkonzerne durchgedrückt. Für Österreich besteht jedoch ein Hoffnungsschimmer.
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Wieder einmal wurde den Europäern der Wert eines zahlosen Parlaments vor Augen geführt: Das Europa in denen Großkonzerne die Gesetze diktieren, der Konsument ein niedriges Stück Handelsware ist und die Umverteilung von Klein- und Mittelbetrieben zu Konzernen ein soziales Anliegen der Regierungen wird ist wieder ein Stück mehr Realität.
Die neue IP-Direktive erlaubt der IP-Mafia eine unbegrenzte Klagewelle. Kinder und Jugendliche sind ab jetzt potentielle Schwerverbrecher mit dem Recht sich freizukaufen.
Augenzeugen haben jedoch bemerkt daß österreichische Abgeordnete fast geschlossen – und über alle Parteigrenzen hinweg – gegen diese Einführung von amerikanischen Rechtsstandards in Europa gestimmt haben. Es bleibt zu hoffen daß die Bundesregierung der zerstörerischen Schlamperei der EU-Kommission durch geschicktes Formulieren die Zähne ziehen kann bevor die Kriminalpolizei Kinderzimmer stürmen muss.
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relayed by Bernhard Mayer
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Ganz anders schätzen die deutschen Phonoverbände die Lage ein. Ihnen geht die Regelung eigentlich noch nicht weit genug:
Diebstahl geistigen Eigentums wirksam bekämpfen – EU-Parlament billigt ”Enforcement-Directive“
P R E S S E M I T T E I L U N G – Berlin, 09.03.2004
”Der Diebstahl geistigen Eigentums ist die größte Bedrohung für eine vielfältige und lebendige Kulturwirtschaft“, erklärt Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände. ”Wir begrüßen es deshalb, dass sich die Gremien der Europäischen Union so schnell auf eine Harmonisierung der Rechtsvorschriften zur Pirateriebekämpfung geeinigt haben, auch wenn die Einigung ein eher niedriges Schutzniveau festschreibt.“
Das Europäische Parlament hat heute mit großer Mehrheit die ”Enforcement-Directive“ gebilligt, eine Richtlinie zur Harmonisierung der Verfahren und Maßnahmen zur Pirateriebekämpfung. Der Abstimmung gingen Beratungen von Parlament und Rat voraus, in denen ein gemeinsamer Richtlinienentwurf erarbeitet worden war. Dies ermöglicht es, dass die Richtlinie noch vor der EU-Osterweiterung und der Neuwahl des Europäischen Parlaments endgültig verabschiedet werden kann, eventuell noch im April 2004. Ohne diesen Kompromiss wäre die Richtlinie auf Jahre hinaus verzögert worden.
Marken- und Produktpiraterie schädigen die deutsche Wirtschaft jährlich um rund 29 Milliarden Euro und vernichten über 70.000 Arbeitsplätze. Allein Musikpiraterie, also sämtliche Formen der unautorisierten Verwertung von Musikaufnahmen (offline wie online), verursacht Schäden von rund 1 Milliarde Euro. Mit der bevorstehenden Erweiterung der EU wird sich das Piraterieproblem innerhalb des Gemeinsamen Binnenmarkts noch verschärfen. Deshalb ist es wichtig, dass die Richtlinie einen EU-weiten Mindeststandard für die rechtlichen Verfahren zur Bekämpfung von Marken- und Produktpiraterie schafft.
Aus deutscher Sicht ist hervorzuheben, dass der Richtlinienentwurf u.a. eine Regelung zu dem von allen Rechteinhabern geforderten Auskunftsanspruch gegen Internet Service Provider enthält (mit Richtervorbehalt). Außerdem wird den Mitgliedstaaten die Möglichkeit eröffnet, eine Vorschrift zur Vermutung der Rechtsinhaberschaft für Tonträgerhersteller zu schaffen. Eine Harmonisierung der Strafvorschriften spart der Entwurf dagegen aus.
Gerd Gebhardt: ”Wir hatten uns zwar noch bessere Schutzmaßnahmen erhofft, sind jedoch zufrieden damit, dass die Richtlinie nicht auf Jahre hinaus verzögert wurde. Entscheidend ist jetzt, dass unmittelbar nach der endgültigen Verabschiedung der Richtlinie die Verbesserungen der rechtlichen Rahmenbedingungen schnell in deutsches Recht umgesetzt werden. Hierfür haben wir zusammen mit dem Forum der Rechteinhaber detaillierte Vorschläge unterbreitet, die im Rahmen der Beratungen über den zweiten Korb einer Urheberrechtsnovelle aufgegriffen werden sollten.”
© Deutsche Landesgruppe der IFPI e.V. / Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft e.V.
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