Neues von der nmz 2004/07-08

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Seit einer Woche ist sie nun online, die aktuelle Ausgabe der neuen musikzeitung. Natürlich wie immer pickpackevoll mit Informationen, Berichten und Kommentaren zum aktuellen Musikleben. Eine kleine Auswahl besonderer Texte hier zur Auswahl.

Experten
Martin Hufner suchte Musik von Moritz Eggert und fand Experten

Keine Kindersärge, keine C-Dur-Idylle
Der Komponist und Pianist Moritz Eggert · Von Andreas Kolb

Ramadama
Sven Ferchow über die Fusion von BMG und Sony Music

Töteralismus
Theo Geißler über Probleme des Föderalismus

Auch der Fußball ist nicht mehr richtig rund
Was bedeutet das Versagen der Nationalmannschaft für die Musik? · Von Gerhard Rohde

Hinreißende Hörgeschenke, zum liebhaben schön
Das „Wiegenlied“ des norwegischen Komponisten Halfdan Kjerulf · Von Diether de la Motte

Neubauten in einer digitalen Welt
Musikwirtschaft im Kongress-Boom und der „forward2business“-Kongress in Halle · Von Barbara Haack

An den Scheidelinien des Humanismus
Die Oper Frankfurt erinnerte an frühe Opern von Dallapiccola: „Volo di notte“ und „Il Prigioniero“

Den Ohren ein Bein gestellt
Das Saarbrücker Festival „Mouvement – Musik im 21. Jahrhundert“ zwischen Konzert und Theater
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Gitta Connemann

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Mitglied des Bundestages und der CDU, Vorsitzende der Enquete-Kommission “Kultur in Deutschland”. Ihr eilt der Ruf der Unbestechlichkeit voraus (heute in der Politik schon nicht mehr ganz so selbstverständlich). Keine Starallüren, sehr freunlich, manchmal fast keck. Siehe auch Kritische Masse vom 8.7.2004. (Aufnahme vom 7.7.2004 vor Schloss Gottesaue, Karlsruhe)

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Thomas Rietschel

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Vor dem Schloss Gottesaue – der Musikhochschule Karlsruhe – und vor der Sendung taktlos: Thomas Rietschel (derzeitig Präsident der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, Frankfurt) Rietschel hat eine bewegte Vergangenheit. Unter anderem war er Generalsekretär der Jeunesses musicales und Generalsekretär des Deutschen Musikrates. Ansonsten ist er aber vor allem eine von mir sehr geschätzte Person, sowohl in menschlicher wie fachlicher Hinsicht. Mit ihm Probleme zu diskutieren ist äußerst wohltuend - gerade und vor allem auch, weil es Streitpunkte gibt. Aber mit…

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Noten kopieren III

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Den Streit zwischen Sawkins und Hyperion Records habe ich im letzten Eintrag kurz ausgeführt. Dabei ging es um den Komponisten Michel-Richard des Lalande. Sawkins wollte Tantiemen für seine Herstellung der längst entstandenen Musik. Die Sache ließ mich nicht gleichgültig. Lalande wurde gesucht und gefunden. Im Werner-Icking-Archiv findet sich ein Werk von Lalande, ein Chaconne und das schöne daran: Diese Noten sind frei zum Download, erstellt hat sie Johan Tufvesson mit Einzelstimmen und Partitur (ein Midifile liegt ebenfalls vor). Tufvesson nennt seine Ausgabe…

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Lionel Sawkins vs. Hyperion Records

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Heute ging es durch einige Ticker: Lionel Sawkins, ein Musikwissenschaftler konnte gegen die Plattenfirma Hyperion Records Tantiemenforderungen durchsetzen. Dabei ging es um Werke des Komponisten Lalande (1657-1726), die auf einer Platte von Hyperion wiedergegeben worden sind. Eigentlich müsste man denken, das geht auch so, denn der Komponist ist seit mehr als siebzig Jahren tot. Das ist auch unabweisbar, aber die Musik ist es nicht; sie ist nicht tot sondern nach Sawkins’ Ansicht erst hergestellt worden duch ihn, ihn: Lionel Sawkins. Und zwar in einem beträchtlichen Maße. Es geht dabei nicht nur um ein paar Transkriptionen alter musikalischer Quellen sondern um ein richtige Re- und Neukonstruktion aus verschiedenen Quellen. Somit wird Sawkins zum Copyright-Holder. Für den Verlag, die Plattenfirma reicht es nicht aus “With thanks to Dr Lionel Sawkins for his preparation of performance materials for this recording” ins Booklet zu schreiben. Sie wurde zu folgendem Eintrag verdonnert: “© Copyright 2002 by Lionel Sawkins”.
Der genaue Wortlaut des Urteils des englischen Gerichts
Was mag man davon halten? Die Frage ist grenzwertig. Auf der ganzen Welt bemühen sich Herausgeber und Archivspezialisten um korrekte Darstellungen von musikalischen Werken aus der Vergangenheit. Urtext-Ausgaben und richtige “kritische Editionen”. Wie wird man dort im Einzelfall es halten, wo endet die Tätigkeit des Editors und wo beginnt die Nach- und Neuschöpfung, die im Prinzip dann Werke erst neu ans Licht bringt. Im genannten Fall wurden aller Tätigkeiten Sawkins am Werk Lalande bis ins kleinste Detail protokolliert. Und in einem Fall scheiterte sein Ansinnen, welches aber im Urteil nicht weiter besprochen worden ist.

Gewiß betrifft es Musik, je älter sie ist, desto mehr. Denn sie ist immer weniger aus den hinterlassenen Quellen direkt zu eruieren. Eine ganze Wissenschaft beschäftigt sich nur mit der Deutung der Neumen in der Musik um 1000. Wird durch so ein Urteil eine urheberrechtliche Unschärfe im Umgang mit alter Musik geschaffen? Ich denke, ja und das kann nicht gut sein. Andererseits sollte man das Urteil auch nicht überbewerten. Den Nachweis der Neuschöpfung zu erbringen, dürfte nicht so ganz einfach sein. Sawkins hat neue Stimmen eingeführt, Texte angepasst, er hat gepuzzlet und gemixt …

So etwas nichts Neues. Mahlers 10. Sinfonie gibt es in einigen Neu- und Nachschöpfungen. Sie sind nicht aus Mahlers Hand. Ebenso der letzte Akt der Oper Lulu von Berg, den Friedrich Cerha nach- und neukomponierte. Der Unterschied wäre nur derjenige, dass Mahlers Werk Fragment geblieben ist, also nicht fertig wurde; Lelandes Musik dagegen fertig war und damals auch bestimmt spielbar, nur sind die Quellen und ist die Tradierung verloren gegangen. Insofern kommt es sozusagen zu einer doppelten Urhebervermutung. So verständlich Sawkins’ Anspruch auch sein mag, er bringt Unruhe an eine Stelle, die eher neue Fragen aufwirft als bestehende löst.
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