Russland – Deutschland: Klischee ./. Wahrheit

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contrapunkt 16 – westöstlicher dialog Russland – Deutschland. Klischee ./. Wahrheit 23. Oktober 2003 – 20.05 – 21.30 Uhr, Goethe-Forum München „Kalinka“, Iwan Rebrows Lieder und Tschaikowskijs „Schwanensee“ - ist das alles, was man in Deutschland über die russische Musikkultur weiß? Natürlich nicht. Aber diese Klischees sind es, die vielen zuerst in den Sinn kommen. Umgekehrt ist es ebenso. Den Russen fallen nicht Bach oder Beethoven ein, wenn sie an deutsche Musik denken, sondern „Rosamunde“ und andere Soldatenlieder, begleitet von Klängen der…

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Wittgenstein und die Lorbeeren

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Gerade gefunden, zwei Stellen über Lorbeeren bei Wittgenstein, die in einem Zusammenhang denkbar wären. Zuerst eine Sentenz, die auch einem Poeten gut zu Gesicht stünde: Auf seinen Lorbeeren auszuruhen ist so gefährlich, wie auf einer Schneewanderung ausruhen. Du nickst ein, und stirbst im Schlaf. [1939-40] Dagegen oder daneben: Die populär-wissenschaftlichen Schriften unserer Wissenschaftler sind nicht Ausdruck der harten Arbeit, sondern der Ruhe auf ihren Lorbeeren. [1941] Also ein Einnicken und im Schlaf sterben? Das passt nicht so zusammen. Ungeklärt ist dabei auch…

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Merkwürdiger Wittgenstein: Zu viel wissen …

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Vor der Prosa des Ludwig Wittgenstein habe ich Respekt. Manch ein Satz erscheint mir einfach so vertrackt, dass das Rätsel, welches er auf gibt, interessanter scheint, als die Lösung. Man nehme einmal: Wer zu viel weiß, für den ist es schwer nicht zu lügen. Das mag mehrere Probleme in sich bergen. Entweder man weiß so viel, was aber in all dem Wissen selbst zu sich gegenseitig ausschließenden Wissensfragmenten führt. Dann blockiert sich "Wissen” gleichsam. Zu viel Wissen wäre sodann automatisch ein Überwissen…

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Wittgenstein und die Lorbeeren

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Gerade gefunden, zwei Stellen über Lorbeeren bei Wittgenstein, die in einem Zusammenhang denkbar wären. Zuerst eine Sentenz, die auch einem Poeten gut zu Gesicht stünde:

Auf seinen Lorbeeren auszuruhen ist so gefährlich, wie auf einer Schneewanderung ausruhen. Du nickst ein, und stirbst im Schlaf. [1939-40]

Dagegen oder daneben:

Die populär-wissenschaftlichen Schriften unserer Wissenschaftler sind nicht Ausdruck der harten Arbeit, sondern der Ruhe auf ihren Lorbeeren. [1941]

Also ein Einnicken und im Schlaf sterben? Das passt nicht so zusammen. Ungeklärt ist dabei auch noch die Frage, was denn eine populär-wissenschaftliche Schrift in diesem Sinne wäre. Ich denke, mit der zweiten Sentenz hat Wittgenstein das falsche Bild gefunden – mindestens im Rahmen seiner Bildbearbeitung. Vielleicht kann mir aber auch jemand helfen

Nachweis: Ludwig Wittgenstein, Über Gewißheit – Werkausgabe Band 8 – Bemerkungen über die Farben, Über Gewißheit, Zettel, Vermischte Bemerkungen, Frankfurt/M. 1984, S. 499 und S. 508.

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Merkwürdiger Wittgenstein: Zu viel Wissen …

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Vor der Prosa des Ludwig Wittgenstein habe ich Respekt. Manch ein Satz erscheint mir einfach so vertrackt, dass das Rätsel, welches er auf gibt, interessanter scheint, als die Lösung. Man nehme einmal: Wer zu viel weiß, für den ist es schwer nicht zu lügen.

Das mag mehrere Probleme in sich bergen. Entweder man weiß so viel, was aber in all dem Wissen selbst zu sich gegenseitig ausschließenden Wissensfragmenten führt. Dann blockiert sich “Wissen” gleichsam. Zu viel Wissen wäre sodann automatisch ein Überwissen [in einem ganz plumpen Sinne vergleichsweise wie beim Überfischen].

Oder aber: Das Wissen setzt sich selbst schachmatt, weil alles was man dann bei ungeheurem Wissen sagen kann, nicht durch die Aussage mehr gedeckt werden kann. Das Aussagen wird grundsätzlich defizitär, weil man ja nicht immer alles aussagen kann. Das Lügen ist dann nicht vorsätzlich sondern fahrlässig eine Folge der Nichtrealisierbarkeit des Wissens.

Unbeantwortet dabei ist, wie es sein kann, dass man zu viel wissen könne. Zu viel ist nun einmal zu viel.

Nachweis: Ludwig Wittgenstein, Über Gewißheit – Werkausgabe Band 8 – Bemerkungen über die Farben, Über Gewißheit, Zettel, Vermischte Bemerkungen, Frankfurt/M. 1984, S. 540.

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Adorno digital

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Bekanntlich hatte Adorno weder ein Computer noch nutzte er das Internet – mindestens mangels Existenz. Der typische Adorno-Liebhaber oder Kenner wähnt sich natürlich in Besitz der Gesammelten Schriften. Zettelchen, Annotationen mit Bleistift, Füller oder Kugelschreiber (pfui!), Zettelkästen und anderes gehören da zum Inventar. Und nun dies: Adornos Gesammelte Schriften sind erschienen in der Digitalen Bibliothek als Nummer 97. Wem bisher die Register zu den Schriften Adornos fehlten, der drückt hier einfach auf Suche und innerhalb weniger Sekunden erscheinen alle entsprechenden Stellen. Das ist alles nach den Maßstäben der Wissenschaft zitierfähig. Per Copy&Paste kann es praktisch nicht mehr zu falschen Abschriften kommen. Allein, man benötigt einen Computer. Zum Lesen selbst ist ein Buch zwar schöner, zu Zwecken der schnellen Erforschbarkeit ist diese Ausgabe jedoch empfehlenswert.

Apple-Kompatibität

Und eine zweite Meldung der Digitalen Bibliothek ist erwähnens- und lobenswert. Seit Oktober bietet die Digitale Bibliothek ein Hilfsmittel an, mit welchem man deren Bibliothek auch auf einem aktuellen Apple-Computer mit Betriebssystem ab Mac OSX 10.2. lesen kann. Noch ist diese Software im Beta-Stadium. Ich konnte bisher jedoch weder Abstürze oder andere Fehler feststellen. Dieses Tool gibt es gratis, was in der heutigen Zeit, in der möglichst viel wertgeschöpft werden will, durchaus keine Selbstverständlichkeit ist. Digitale Bibliothek
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Tausend mal berührt … – Adorno

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Musik: Klaus Lage, Tausend mal berührt …

Autor: Ja, Zoom hat es in diesem Jahr auch bei Adorno, Theodor Wiesengrund Adorno gemacht. Gut, er feierte am 11. September dieses Jahres seinen 100. Geburtstag. Doch eigentlich schien die Akte Adorno schon längst geschlossen. Und jetzt dieser Aufmerksamkeitsboom. Unter anderem sind drei mehr oder weniger umfangreiche Biographien erschienen:

Zitator: Stefan Müller-Doohm: Adorno, 1032 Seiten.
Detlev Claussen: Theodor W. Adorno. Ein letztes Genie. 480 Seiten.
Lorenz Jäger: Adorno. Eine politische Biographie. 320 Seiten.

Autor: Der Mitteldeutsche Rundfunk bietet einen fünfteiligen Adorno-Crashkurs an, der Hessische Rundfunk gräbt in seinen Archiven und sogar taktlos macht eine Sendung zu Adorno. Ein Adorno-Symposium jagt das nächste:

Zitator: Bremen: Gesellschaft im Widerspruch: Die Gesellschaftstheorie Theodor W. Adornos und ihr erfahrungstheoretischer Kern
Frankfurt: Internationale Theodor W. Adorno-Konferenz. Teil I: Dialektik und Freiheit; Teil II: Musikalische Analyse und Kritische Theorie
Chemnitz: Theorie – Kunst – Wissenschaft, Zur Aktualität Theodor W. Adornos
Freiburg: Symposion zum 100. Geburtstag Theodor W. Adornos, Kritik – Phänomenalität – Kunst

Autor: Deutschland sucht das Superhirn und hat ihn gefunden. Alle Gedanken werden noch einmal durchdacht, jede Kritik nochmals gebracht, sämtliche Beziehungen nochmals beleuchtet. Da muss man doch mal nachfragen: Ist es um Adorno wirklich plötzlich so dunkel geworden, dass es dieser akademischen Wiederbeatmung bedarf? Bezeugen nicht gerade diese nachholenden Geburtstagsfeiern, dass Adorno zum Gegenstand einer Erinnerungskultur geworden ist? Abnicken und Tschüss? Das Adorno-Jahr 2003 beißt sich selbst in den Schwanz, doch 2004 ist alles vorbei und die Welt wieder im Lot. So ein Geburtstag kann ein rechter Leichenschmaus sein.

Musik: Adorno: Aus der PKB-Suite

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taktlos 70: Adorno – Ex oder top?

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taktlos # 70 Adorno. Ex oder top? 1. Oktober 2003 / 21:30 bis 22:30 Uhr Bayern 2 Radio, Live aus dem Studio Franken Moderation: Theo Geißler Anlässlich seines hundertsten Geburtstages hat Theodor W. Adorno einen unerwarteten Aufmerksamkeits-Boom erfahren. Ist die Flaschenpost Adornos in der Gegenwart angekommen? Hat die Flasche Inhalt? Oder ist inzwischen nur unsere Gesellschaft so leer, dass Adorno als Füllsel für postmoderne Eventmacher taugt? taktlos prüft am 1. Oktober nach. Adorno: Ex oder Top?

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